Eine neue Umfrage unter europäischen Piloten sorgt für Aufsehen. Mehr als drei Viertel der Befragten (76,8 Prozent) gaben laut dpa-Bericht an, in den vergangenen vier Wochen während des Flugbetriebs mindestens einmal kurz eingenickt zu sein. Das geht aus einer Untersuchung der Luftfahrtberatungsfirma Baines Simmons im Auftrag des europäischen Pilotenverbands ECA hervor.
Besonders alarmierend: 38,8 Prozent der befragten Piloten erklärten, dass sie meist oder sogar immer zu wenig Erholung bekommen, um eine derart starke Erschöpfung zu verhindern.
Doch statt ihre Übermüdung zu melden, setzen sich viele Piloten trotzdem ins Cockpit. Nur 37,2 Prozent geben laut Umfrage Bescheid, wenn sie zu müde sind oder sich nicht arbeitsfähig fühlen. Rund ein Viertel fliegt trotz starker Erschöpfung weiter, häufig aus Angst vor beruflichen Konsequenzen.
"Wenn Piloten berufliche Konsequenzen befürchten, wird Müdigkeit nicht gemeldet und das Risiko kehrt ins Cockpit zurück", warnt ECA-Vorstandsmitglied Coen George. Der Verband fordert deshalb von Fluggesellschaften und Behörden, dass Piloten keine Strafen oder andere Nachteile drohen dürfen, wenn sie ihre Übermüdung melden.
Ein weiteres Problem sind verlängerte Dienstzeiten. Unter außergewöhnlichen Umständen dürfen Piloten ihre reguläre Flugdienstzeit überschreiten. Diese Regelung wird als "Commander's Discretion" bezeichnet.
Laut Umfrage haben 38,3 Prozent der Piloten innerhalb von vier Wochen mindestens einmal von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht. 15,2 Prozent sogar zweimal oder öfter. Besonders brisant: Fast 70 Prozent der Befragten befürchten negative Konsequenzen, wenn sie eine solche Verlängerung ablehnen.
Für die Untersuchung wurden zwischen dem 4. August und dem 7. September 2026 insgesamt 7.200 Piloten aus 32 Ländern befragt. Die Antworten beziehen sich überwiegend auf die vergangenen vier Wochen und damit auf die besonders reisestarken Sommermonate.
Bereits 2023 hatte eine ähnliche Untersuchung massive Probleme mit Übermüdung im Cockpit aufgezeigt. Laut ECA hat sich seither in fast keinem der untersuchten Bereiche wesentlich etwas verbessert.
Auch die deutsche Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit schlägt Alarm. Sicherheitsvorständin Anja Granvogl fordert die Fluggesellschaften auf, ihrer Verantwortung nachzukommen. Gleichzeitig müssten die Behörden bestehende Vorschriften strenger kontrollieren und Lücken schließen.
"Flugsicherheit darf weder vom wirtschaftlichen Druck einer Fluggesellschaft noch vom Mut einzelner Pilotinnen und Piloten abhängen", betont Granvogl.