Es klingt wie aus einem Krimi: Am Mittwoch wurde der 34-jährige Dijvar Gündüz bei einem Arztbesuch in einer Radiologie-Praxis in Essen (D) aus der Haft befreit. Bewaffnete Komplizen überwältigten die beiden Justizbeamten, die den Schwerkriminellen begleiteten.
Die Aktion war perfekt geplant. Die Fluchthelfer hatten sogar einen eigenen Schlüssel für die Fußfesseln des Häftlings dabei. Als einer der Beamten zur Waffe griff, stellte sich heraus, dass die Pistole nicht durchgeladen war. Ein Angreifer schlug sie ihm aus der Hand. Die Beamten wurden am Treppengeländer gefesselt.
Die gesamte Befreiungsaktion dauerte nur fünf Minuten. Nahe des Tatorts fanden Ermittler später eine Schusswaffe und eine Handgranatenattrappe, berichtet "Focus".
Die große Frage für die Ermittler: Woher wussten die Helfer so schnell Bescheid? Gündüz hatte erst am Abend zuvor erfahren, dass er am nächsten Tag zur MRT-Untersuchung gebracht werden würde. Die Komplizen hatten also weniger als 24 Stunden Zeit, um die Befreiung zu organisieren.
Justizminister Benjamin Limbach sprach bei einer Sondersitzung im NRW-Landtag von einem "dreisten Angriff auf den Rechtsstaat". Ob es einen Maulwurf in der JVA gibt oder ob Gündüz ein eingeschmuggeltes Handy benutzte, ist Gegenstand der Ermittlungen.
Gündüz wurde im Februar wegen Drogenhandels im großen Stil zu zwölf Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Im April folgten weitere viereinhalb Jahre wegen gefährlicher Körperverletzung, Freiheitsberaubung und Bedrohung.
Der Flüchtige weist acht Vorstrafen auf – unter anderem wegen schweren bandenmäßigen Diebstahls, bewaffneten Rauschgifthandels und schweren Raubs. Die Ermittler vermuten enge Verbindungen zur Clankriminalität. Bisher bleibt der Gesuchte verschwunden.