Ein Geburtstagsbesuch in Moskau sorgt in Deutschland für heftige politische Reaktionen. Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) hat mit Russlands Präsident Wladimir Putin dessen 74. Geburtstag gefeiert. Während Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) empört reagiert, verteidigt ein prominenter SPD-Politiker den umstrittenen Besuch.
Die deutsche Bundesregierung findet deutliche Worte für das Treffen des früheren Kanzlers mit dem russischen Präsidenten. Wie Vize-Regierungssprecher Steffen Meyer erklärte, sei Bundeskanzler Friedrich Merz "zutiefst empört" über Schröders Teilnahme an der Geburtstagsfeier.
Die Verantwortung für den Krieg in der Ukraine liege bei "Putin allein". Dessen militärische Anordnungen führten jeden Tag zu "unermesslichen Leid, für zivile Opfer, für Familien, die auseinandergerissen werden, für Tote und Verwundete". Dass ein ehemaliger deutscher Regierungschef unter diesen Umständen gemeinsam mit Putin feiert, empfinde Merz "als geradezu unmoralisch".
Auch innerhalb der CDU fällt die Kritik scharf aus. Generalsekretärin Franziska Hoppermann machte ihrem Ärger am Freitag auf der Plattform X Luft. "Scham ist kaum noch ein Ausdruck", schrieb sie.
Mit den Worten "Schampus, Kaviar und Bomben" stellte sie Schröders Feier in Moskau den russischen Angriffen auf die Ukraine gegenüber. Während der Altkanzler mit Putin gefeiert habe, seien ukrainische Kinder durch russische Angriffe ums Leben gekommen.
Noch deutlicher äußerte sich die FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann. Sie bezeichnete Schröder auf X als Deutschlands frechsten Rentner und kritisierte den Umgang des 82-Jährigen mit seiner Erkrankung. "Zu krank für Untersuchungsausschüsse (ganz schlimmer Burn-out), aber für gut dotierte Mandate in Russland und Geburtstagsparty zu Hause bei Kriegsverbrecher Putin reichts dann doch noch. Eine Schande sondergleichen."
Besonders Schröders Gesundheitszustand wurde zum Thema der politischen Auseinandersetzung. Der Vorsitzende des CDU-Sozialflügels, Dennis Radtke, verwies darauf, dass der frühere Bundeskanzler für eine Aussage vor einem Untersuchungsausschuss gesundheitlich nicht in der Lage gewesen sei, nun aber nach Moskau reisen könne.
Auf X sprach Radtke von einer Reise zu Putin und "eine frische Ladung Rubel". Seinen Beitrag versah er mit der spöttischen Bemerkung: "Wunderheilung à la Rasputin bei Gerhard Schröder".
Hintergrund sind mehrere abgesagte Zeugenaussagen im Jahr 2025. Schröder hatte damals wegen einer Burnout-Erkrankung nicht vor dem Untersuchungsausschuss zur Klimastiftung Mecklenburg-Vorpommern erscheinen können. Das Gremium beschäftigte sich unter anderem mit dem Bau der umstrittenen Erdgasleitung Nord Stream 2.
Nach Angaben des Kremls nahm Schröder am Mittwoch an den Geburtstagsfeierlichkeiten für Putin in Moskau teil. Der frühere deutsche Regierungschef, der von 1998 bis 2005 im Amt war, pflegt seit vielen Jahren eine enge persönliche Beziehung zum russischen Präsidenten.
Auch nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine kam es wiederholt zu Treffen der beiden. Schröder steht zudem wegen seiner Tätigkeiten für russische Energiekonzerne seit Langem in der Kritik.
Vor der Geburtstagsfeier hatte der Altkanzler außerdem eine Filiale des russischen Ablegers der deutschen Supermarktkette Globus in Moskau besucht. Dort hielt er eine Begrüßungsansprache vor Mitarbeitern. Zuvor war er in den Aufsichtsrat des Unternehmens berufen worden.
Während Vertreter mehrerer Parteien den Besuch verurteilen, bekommt Schröder Rückendeckung aus den eigenen Reihen. SPD-Außenpolitiker Ralf Stegner verteidigte den Altkanzler gegenüber dem "Tagesspiegel". Man müsse "in Russland mit denen reden, die da sind. Schröder kann Türen zu Putin öffnen."
Aus Sicht Stegners könnte gerade der persönliche Zugang des ehemaligen Kanzlers zum russischen Präsidenten von Bedeutung sein. "Wenn Schröders Besuch dem Frieden nur einen Millimeter gedient hat, war dieser Besuch ein Erfolg."
Schröder gehöre zu den wenigen Menschen, die überhaupt noch direkten Kontakt zu Putin hätten. Diese Verbindung dürfe nicht grundsätzlich ungenutzt bleiben.
Stegner zeigte sich zudem überzeugt, dass Schröder den russischen Angriffskrieg nicht unterstütze. "Gerhard Schröder ist gegen den Krieg. Er wird Putin bestimmt nicht ermuntert haben: »'Mach weiter mit dem Krieg!'", sagte Stegner weiter.
Auch gegenüber "T-Online" widersprach Stegner der heftigen Kritik. Er verwies darauf, dass Schröder inzwischen kein politisches Amt mehr ausübe und die Reise als Privatperson unternommen habe.
"Gerhard Schröder ist kein aktiver Politiker, er war als Privatmann dort. Wir sollten in Deutschland keine Teufelsaustreibung betreiben, wenn ein Altbundeskanzler nach Moskau reist."
Bereits im Mai hatte Putin selbst den früheren deutschen Kanzler als möglichen Vermittler im Krieg gegen die Ukraine ins Gespräch gebracht. Die Bundesregierung hatte diese Überlegung damals allerdings mit deutlicher Skepsis aufgenommen.