Schwere Vorwürfe gegen einen früheren Spitzenmann des deutschen Geheimdienstes: August Hanning soll am frühen Morgen in seinem Haus in Nordwalde bei Münster festgenommen worden sein. Nach "Bild"-Informationen geht es unter anderem um den Verdacht auf Landesverrat und Spionage für eine fremde Macht.
Hanning führte den Bundesnachrichtendienst (BND) von 1998 bis 2005. Ermittler des Bundeskriminalamts sollen den früheren Geheimdienstchef am Dienstagmorgen festgenommen haben.
Parallel dazu erfolgte dem Bericht zufolge eine weitere Festnahme in Bayern. Dabei soll es sich um Manfred D. handeln, einen früheren hochrangigen BND-Mitarbeiter und ehemaligen Büroleiter Hannings. D. soll noch bis zum Frühjahr 2026 für den Nachrichtendienst gearbeitet haben.
Gegen beide Tatverdächtige ermittelt der Generalbundesanwalt. Im Raum stehen das Ausspähen von Landesgeheimnissen, Landesverrat sowie Spionage für eine fremde Macht.
Manfred D. soll noch am Dienstag beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe vorgeführt werden, Hanning demnach am Mittwoch.
Hanning soll laut "Bild" von seinem früheren Mitarbeiter geheime Informationen gegen Bezahlung erworben haben. Diese habe er "im Rahmen seiner Beratungstätigkeit weiter veräußern" wollen.
Ob der ehemalige BND-Präsident Informationen unmittelbar an eine fremde Macht weitergegeben hat, ist Gegenstand der Ermittlungen.
Hanning war nach seiner Karriere im Staatsdienst international als Berater in Sicherheits- und Geschäftsfragen tätig. Dabei hatte er laut dem Bericht auch Verbindungen nach Russland und China sowie zu dortigen staatlichen Stellen.
Auf die beiden Männer sollen die Ermittler im Zusammenhang mit dem Prozess gegen die Hamburger Unternehmerin Christina Block und weitere Angeklagte gestoßen sein. In dem Verfahren geht es um den Vorwurf der gewaltsamen Entführung ihrer beiden Kinder.
Während dieser Ermittlungen soll es Hinweise auf einen Abfluss von Informationen aus dem BND gegeben haben. Das betreffende Material war demnach für die sogenannte "Nachrichtendienstliche Lage" im deutschen Kanzleramt bestimmt.
Hanning befand sich zudem seit längerer Zeit in erheblichen finanziellen Schwierigkeiten. Seine Pension soll seit Jahren gepfändet worden sein.
Hintergrund war demnach seine Tätigkeit als Aufsichtsrat einer Bank im Baltikum. Diese soll von einem Oligarchen ausgenommen und in die Insolvenz geführt worden sein. Die Aufsichtsräte, zu denen neben Hanning auch der frühere NATO-Generalsekretär und dänische Ministerpräsident Anders Fogh Rasmussen gehörte, wurden anschließend in Haftung genommen.
Ob Hannings finanzielle Situation mit den nun untersuchten mutmaßlichen Geschäften mit geheimen Informationen zusammenhängt, ist bislang unklar.
Schon im September 2025 hatte die Hamburger Justiz Hannings Anwesen im Westerwald und seine dortigen Büros durchsucht. Damals standen die Maßnahmen im Zusammenhang mit dem Fall Block.
Bei einer mit Hanning verbundenen Firma war zudem ein verdeckter Ermittler eingesetzt worden. Laut "Bild" liefen offenbar bereits damals Ermittlungen wegen des Verdachts auf Landesverrat.
Hanning war früher auch an der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik Deutschland in Ost-Berlin tätig. Von 1998 bis November 2005 leitete er den BND. Später wechselte er ins Bundesinnenministerium und war dort unter dem damaligen Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) als ranghoher Beamter für den Sicherheitsbereich tätig.