GRU-Offizier eingeschleust?

Ganz nah an Selenskyj – mutmaßliche Spionin angeklagt

Eine mutmaßliche Spionin wurde in Deutschland angeklagt. Die 57-Jährige soll Informationen an einen russischen Geheimdienst-Mann geliefert haben.
Newsdesk Heute
14.09.2026, 22:31
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Sie bewegte sich bei Veranstaltungen mit hochrangigen Politikern und Diplomaten – und soll gleichzeitig Informationen an einen russischen Geheimdienstoffizier geliefert haben. Rund acht Monate nach ihrer Festnahme hat der deutsche Generalbundesanwalt nun Anklage gegen die Berliner Unternehmerin Ilona W. erhoben.

Der 57-jährigen Deutsch-Ukrainerin wird laut dem "Spiegel" in der 74-seitigen Anklageschrift "geheimdienstliche Agententätigkeit" für Russland vorgeworfen. Der zunächst bestehende Verdacht der Spionage in "besonders schwerem Fall" habe sich dagegen offenbar nicht erhärtet.

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Kontakt zu russischem Geheimdienstoffizier

Ilona W. war am 21. Jänner von Beamten des Bundeskriminalamts in Berlin festgenommen worden. Gleichzeitig wurden zwei frühere Mitarbeiter des deutschen Verteidigungsministeriums durchsucht, zu denen die Unternehmerin Kontakt gehabt haben soll.

Nach den bisherigen Ermittlungen soll W. bereits seit November 2023 sensible Informationen an einen Kontaktmann in der russischen Botschaft in Berlin weitergegeben haben.

Bei diesem Mann soll es sich nach Erkenntnissen der deutschen Spionageabwehr um einen Offizier des russischen Militärgeheimdiensts GRU gehandelt haben. Andrej M. soll als Vizeattaché getarnt gewesen sein und musste Deutschland Anfang des Jahres verlassen.

Informationen über politische Treffen

Die Bundesanwaltschaft wirft W. unter anderem vor, gezielt Informationen über Teilnehmer politischer Veranstaltungen in Deutschland gesammelt zu haben.

Nach "Spiegel"-Recherchen soll sie etwa Details zum "NATO-Talk" im November 2023 im Berliner Hotel Adlon sowie zum Deutsch-Ukrainischen Wirtschaftsforum im Dezember 2025 zusammengetragen haben.

Bei letzterer Veranstaltung saß W. dem Bericht zufolge nur wenige Meter hinter dem deutschen Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj.

Geheimdienstmann bei Bundeswehr-Treffen?

Ein weiterer Vorwurf betrifft ein Treffen von Bundeswehrreservisten. Im Februar 2024 soll W. ihren mutmaßlichen Kontaktmann Andrej M. unter einem falschen Namen in eine solche Versammlung eingeschleust haben.

Die PR-Unternehmerin war in Berlin gut vernetzt. Neben ihrer beruflichen Tätigkeit führte sie einen Verein zur Förderung der Völkerverständigung und besuchte über Jahre hinweg Empfänge und Veranstaltungen, bei denen auch Botschafter, Diplomaten und bekannte Politiker anwesend waren.

Im Kuratorium ihres Vereins sitzen dem Bericht zufolge namhafte Unternehmer sowie ehemalige Abgeordnete von SPD und CDU.

Verteidiger äußert sich nicht

W.s Anwalt Martin Schüßler wollte sich gegenüber dem "Spiegel" am Montag zunächst nicht zu den Vorwürfen in der Anklage äußern.

Bereits im Frühjahr hatte die Verteidigung im Rahmen eines Haftprüfungsantrags die Bundesanwaltschaft wegen ihrer "weiten Auslegung" des Straftatbestands der geheimdienstlichen Agententätigkeit kritisiert.

Ob es tatsächlich zu einem Prozess kommt, muss nun entschieden werden. Wird die Anklage zugelassen, soll sich Ilona W. vor einem Staatsschutzsenat des Berliner Kammergerichts verantworten.

red,Akt. 15.09.2026, 08:15, 14.09.2026, 22:31