Der Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo nimmt bereits bedrohliche Ausmaße an. Die Weltgesundheitsorganisation hat eine internationale Gesundheitsnotlage ausgerufen und das Risiko einer nationalen Ausbreitung hochgestuft. Für das Land gilt nun die Risikostufe "sehr hoch" – "Heute" berichtete.
Manuela Erber-Telemaque ist seit 2012 eng mit dem Kongo verbunden. Mit nur 20 Jahren beschloss die gebürtige Tirolerin, den elterlichen Bauernhof in Going am Wilden Kaiser gegen ein Dorf im Zentrum der D.R.Kongo zu tauschen und ging nach Tshumbe – wir berichteten – um dort mit ihrem eigenen Ersparten und ersten Spenden einen Kindergarten aufzubauen.
Was als kleines Projekt begann, hat mittlerweile enorme Ausmaße angenommen: Dank ihrer Nonprofit-Organisation "Zukunft für Tshumbe" haben 15.000 Menschen Zugang zu sauberem Wasser, 490 Kinder befinden sich in den dort aufgebauten Bildungseinrichtungen, es gibt medizinische Behandlungen, warme Mahlzeiten und Arbeitsplätze. 107 Mitarbeiter aus der Region kümmern sich um alle Anliegen.
Nun steht das nächste Großprojekt vor der Eröffnung: Das "Hôpital Waale Waana", das erste gut ausgestattete Krankenhaus im Zentrum des Landes, als Anlaufstelle für über 100.000 Menschen soll im August den Betrieb aufnehmen. Der Fokus liegt auf Gynäkologie, Geburtshilfe, Pädiatrie, Neonatologie sowie Prävention und Gesundheitsaufklärung. "Wir möchten besonders Frauen und Kindern Zugang zu sicherer medizinischer Versorgung ermöglichen unabhängig von Herkunft oder Einkommen", so Erber-Telemaque.
In den vergangenen Jahren verbrachte die 33-Jährige acht Monate im Jahr im Kongo, mittlerweile ist sie nur mehr vier Monate vor Ort und kümmert sich den Rest der Zeit um Organisatorisches. Am 11. Juni, kurz vor der geplanten Spitalseröffnung, wäre der nächste Flug bevorgestanden. Doch daraus wird nichts: Der Ebola-Ausbruch durchkreuzt die Reisepläne der jungen Mutter einer 4-jährigen Tochter. "In Tshumbe gibt es bislang noch keine Fälle und hier spielt uns natürlich auch die fehlende Infrastruktur in die Hände. Wir würden aber über Kinshasa fliegen und ich habe die Verantwortung für mein Kind", so die Anthropologin.
Ihre größte Sorge sei, nicht mehr nach Hause zu kommen. "Viele Länder sind nun vorsichtiger mit Reisenden aus dem Kongo. Aus Tshumbe geht nur ein kleiner Flieger alle ein bis zwei Wochen in die Hauptstadt. Fällt dieser aus, kommen wir nicht mehr zurück. Mit dem Auto ist es nicht möglich, eine Schiffsreise würde Wochen dauern. Aber ich spreche hier aus einer privilegierten Situation, die Menschen vor Ort können nicht weg."
In Tshumbe, wo regelmäßig Radio gehört wird, sei die Angst mittlerweile groß: "Anfangs gab es nicht so viele Bedenken. Die Menschen hier sind Krankheiten gewohnt, auch Ebola. Aber seit täglich die Zahlen steigen, haben sie Sorge, dass es auch zu ihnen kommt. Ich habe mit Ärzten aus der Region gesprochen, es wird jeden Tag mehr." Man versuche nun, Hygienemaßnahmen zu setzen und aufzuklären.
Das große Problem seien die Beerdigungen, weiß die junge Tirolerin. "Sie werden zelebriert und dauern oft drei Tage lang. Die tote Person wird im Haus oder vor der Hütte aufgebahrt. Alle berühren sie, Babies liegen einfach daneben und man weiß oft nicht, woran die Person gestorben ist." Handschuhe, Desinfektionsmittel, Masken oder Seife sind Mangelware – wird jemand im Krankenhaus behandelt, muss er diese Dinge selbst mitbringen. Das geplante Krankenhaus des Vereins wird das erste in der Region mit Trinkwasser sowie Strom, Geräten und Hygienemaßnahmen sein – und einer Quarantänestation.
Das Problem, so Erber-Telemaque, sei auch, dass die Anfangssymptome von Ebola vielen anderen Krankheiten gleichen. Testmöglichkeiten gibt es keine und wartet man auf ein Ergebnis aus der Hauptstadt, habe man bis dahin schon viele angesteckt.
Dennoch: Dass der Flug nun warten muss, ist für die 33-jährige bitter. "Für mich ist Tshumbe ein zweites Zuhause, meine Tochter fragt jeden Tag, wann wir wieder fliegen. Bereits im Vorjahr ging es nicht wegen den Unruhen, umso mehr haben wir uns heuer darauf gefreut."
Hinzu kommt der Krankenhausbau: "Wir sind im Endspurt, wollten im August eröffnen. Es gibt noch so viel zu tun, ich habe Verantwortung gegenüber den Menschen und Projekten vor Ort. Aber ich will meine Tochter nicht in Gefahr bringen und wenn es uns erwischt, würde es niemandem helfen", so die NGO-Gründerin.
Für die Zukunft wünscht sich Erber-Telemaque, dass auch abseits von Ebola mehr Fokus auf die Demokratische Republik Kongo fällt. "Wir sind stark verbunden mit dem Kongo, schon allein durch die Technik. Das dort abgebaute Kobalt und Coltan wird für Handys genutzt. Je mehr im Westen modernisiert wird, desto mehr wird eines der rohstoffreichsten Länder der Welt ausgebeutet. Die Menschen dort leiden, darauf basiert unser Reichtum und darüber muss aufgeklärt werden."
Wer den Krankenhausbau in Tshumbe unterstützen möchte, kann sich auf Instagram oder der Website informieren und/oder auf folgendem Spendenkonto einzahlen:
Zukunft für Tshumbe, IBAN: AT72 20505 00100013986 BIC: SPKIAT2KXXX