Ein unscheinbarer Brocken aus Montana entpuppt sich als seltener Blick in die Urzeit: In versteinertem Dinosaurier-Kot haben Forscher mehrere Federn entdeckt. Der Fund könnte helfen, eines der großen Rätsel der Paläontologie zu erklären: Warum überlebten ausgerechnet die Vorfahren heutiger Vögel das Massenaussterben vor 66 Millionen Jahren?
Wie das Field Museum berichtet, stammt der Fund aus der Hell-Creek-Formation im Nordosten Montanas und wurde in einer neuen Studie im Fachjournal "Current Biology" untersucht. In dem Koprolithen – also versteinertem Kot – steckten neben Federn auch winzige Fischschuppen und Beinknochen eines hesperornithiformen Vogels. Diese urzeitlichen Wasservögel lebten in der Kreidezeit, konnten meist nicht fliegen und tauchten mit spezialisierten Füßen nach Fischen.
Der Kot könnte von einem Dinosaurier stammen – möglicherweise von einem T. rex oder Nanotyrannus. Sicher ist laut den Forschern: Vor rund 66 Millionen Jahren fraß ein Raubtier einen Vogel. Was danach als unscheinbarer, dunkelrotbrauner Klumpen erhalten blieb, liefert nun außergewöhnliche Details.
Jingmai O’Connor, Hauptautorin der Studie und Kuratorin am Museum in Chicago, nennt den Fund "eine wunderschöne, gut erhaltene Feder". Besonders überraschend sei, dass ein so empfindliches Detail ausgerechnet in fossilem Kot überliefert wurde.
Entdeckt wurde das Stück bereits 2016 von David DeMar Jr. Er war auf der Suche nach Fischfossilien, als er den kleinen Klumpen bemerkte. Erst spätere Untersuchungen im Labor und Mikro-CT-Scans zeigten, was wirklich darin steckte: Federn, Schuppen und Knochen in erstaunlicher Erhaltung.
Für die Wissenschaft ist das brisant. Denn Vögel sind selbst Dinosaurier – genauer: die einzige Dinosaurier-Linie, die bis heute überlebt hat. Nach dem Asteroideneinschlag vor 66 Millionen Jahren starben fast alle Dinosaurier aus, darunter auch viele frühe Vogelgruppen. Nur die Gruppe der Neornithes überlebte; von ihr stammen alle heutigen Vögel ab.
Bisher gab es die Vermutung, dass Vögel in Wassernähe bessere Überlebenschancen hatten. Doch der neue Fund stellt diese Idee infrage: Auch die untersuchten hesperornithiformen Vögel lebten am Wasser – und starben trotzdem aus. O’Connor vermutet deshalb, dass die Federn selbst eine Schlüsselrolle gespielt haben könnten.
Die gefundenen Federn zeigen laut Studie eine Mischung aus modernen, wasserabweisenden Merkmalen und primitiveren, flauschigen Körperfedern. Genau diese Körperfedern sind wichtig, um Wärme zu halten. Wenn sie weniger gut isolierten als die Federn der Vorfahren heutiger Vögel, könnte das nach dem Asteroideneinschlag entscheidend gewesen sein.
Denn nach dem Einschlag kühlte sich die Erde stark ab. In dieser "Impakt-Winter"-Phase könnten bessere Federn den Unterschied gemacht haben: Wer seinen Körper warmhalten konnte, hatte womöglich bessere Chancen.
Für Co-Autor Nathan Carroll war die Entdeckung in fossilem Kot "ein echter Wendepunkt", wie er sagte. Die Forscher hoffen nun, dass weitere Koprolithen per CT-Scan untersucht werden. Denn im Dino-Kot könnten noch mehr Spuren stecken, die bislang niemand gesucht hat.