Der 9. September hat es im alten Bauernkalender in sich: Am Gedenktag des heiligen Gorgonius entscheidet sich nach einer überlieferten Wetterregel angeblich, wie sich der Herbst entwickelt. Heißt es diesmal also: Regenschirm statt Altweibersommer?
Gleich mehrere Bauernregeln ranken sich um den sogenannten Gorgontag. Eine macht Hoffnung: "Ist Gorgon schön, bleibt’s noch sechs Wochen schön." Die anderen klingen deutlich weniger freundlich: "Bringt St. Gorgon Regen, folgt ein Herbst mit bösen Wegen." Und besonders drastisch heißt es: "Regnet es am Sankt Gorgons Tag, geht dir Ernte verloren bis auf den Sack."
Die drastische Sprache der Bauernregeln kommt nicht von ungefähr. "Böse Wege" dürften vor allem aufgeweichte und schwer befahrbare Wege gemeint haben. Für die Landwirtschaft war Regen im Herbst weit mehr als eine lästige Wettererscheinung.
Der heilige Gorgonius, dessen Gedenktag am 9. September begangen wird, gilt als frühchristlicher Märtyrer. Der Überlieferung zufolge starb er während der Christenverfolgung unter Kaiser Diokletian um das Jahr 305 in Rom. Im Laufe des Mittelalters verbreitete sich seine Verehrung. In Darstellungen erscheint Gorgonius häufig als Ritter oder Soldat. Sein Gedenktag fand schließlich auch Eingang in den bäuerlichen Kalender – mitsamt den Wetterregeln, die bis heute überliefert sind.
Durchnässte Felder erschwerten die Ernte, schwere Fuhrwerke konnten schlechter eingesetzt werden und das Einbringen von Getreide konnte sich verzögern. Blieb das Erntegut zu lange feucht, drohten zudem Qualitätsverluste.
Auch die Warnung vor einer verlorenen Ernte ist deshalb als historische Erfahrung zu verstehen – nicht als wörtliche Wetterprognose. Ein einzelner Regentag am 9. September entscheidet selbstverständlich nicht darüber, ob eine gesamte Ernte verloren geht.
Die freundlichere Gorgon-Regel verspricht immerhin sechs weitere schöne Wochen, wenn der 9. September sonnig ausfällt. Doch auch dafür gibt es keinen meteorologischen Automatismus.
Wetterlagen können sich im Frühherbst innerhalb weniger Tage verändern. Hochdruckgebiete können für spätsommerliche Wärme sorgen, während Kaltfronten anschließend rasch kühlere und feuchtere Luft nach Österreich bringen.
Genau das zeigt sich heuer am Gorgontag: Nach einem zunächst noch sehr warmen Start zieht eine Kaltfront über Österreich.
In Vorarlberg und Tirol kann es am 9. September bereits in der Früh regnen, im Tagesverlauf breiten sich Schauer und teils kräftiger, auch gewittriger Regen weiter nach Osten aus.
Im Osten startet der Tag dagegen noch deutlich freundlicher. Dort kann zunächst die Sonne scheinen, bevor im Laufe des Tages Wolken und Niederschläge aufziehen. Die Temperaturen erreichen im Westen nur noch etwa 18 bis 24 Grad, im Osten sind anfangs noch bis zu 31 Grad möglich. Mit der Kaltfront dreht der Wind auf West.
Damit passt das Wetter am Gorgontag zumindest auffällig gut zu jenen alten Sprüchen, die vor einem ungemütlichen Herbst warnen. Eine Vorhersage für die kommenden sechs Wochen lässt sich daraus allerdings nicht ableiten.
Der Blick auf die aktuelle Wetterlage ist auch deshalb interessant, weil Österreich gerade einen außergewöhnlichen Sommer hinter sich hat. Die GeoSphere Austria meldete für August 2026 einen neuen Temperaturrekord: 41,2 Grad wurden als höchste je gemessene Temperatur des Monats registriert. Gleichzeitig blieb es vor allem im Süden und Osten des Landes sehr trocken; dort lag das Niederschlagsdefizit bei 50 bis 70 Prozent.
Regen zum Start in den meteorologischen Herbst wäre vor diesem Hintergrund vielerorts durchaus willkommen. Ausgerechnet am Gorgontag könnte also etwas eintreten, das die Bauernregel zwar als Warnung versteht, aus heutiger Sicht aber auch dringend gebraucht werden kann.