Am 8. September wird Mariä Geburt gefeiert – und mit dem Marienfest beginnt im bäuerlichen Kalender traditionell eine spannende Zeit: Der Sommer neigt sich dem Ende zu, der Herbst rückt näher. Seit Generationen wird deshalb genau auf das Wetter an diesem Tag geschaut.
Eine alte Bauernregel verspricht:
„Wie sich das Wetter an Maria Geburt verhält, so ist’s noch vier Wochen bestellt.“
Klingt nach einer klaren Ansage. Doch hält die Wetterregel auch 2026, was sie verspricht? Die Prognose für Österreich spricht zunächst jedenfalls nicht für einen frühen Herbst. Am Dienstag, dem 8. September, erwartet die Geosphere Austria verbreitet viel Sonne. Nur wenige Schleierwolken und harmlose Quellwolken ziehen durch. Lediglich an der Alpensüdseite sind einzelne gewittrige Schauer möglich.
Besonders sommerlich wird es in Wien, im Burgenland und in Niederösterreich. In Wien sind am Dienstag bis zu 34 Grad möglich, auch im Burgenland werden bis zu 33 Grad erwartet. In Niederösterreich kann das Thermometer ebenfalls auf bis zu 33 Grad klettern.
Wer der Bauernregel Glauben schenkt, könnte daraus also einen ausgesprochen warmen Start in den Frühherbst ableiten. Doch ganz so einfach ist es nicht. Denn bereits am Mittwoch zeichnet sich ein Wetterumschwung ab. Zunächst bleibt es noch heiß und sonnig, im Tagesverlauf kommen aber dichtere Wolken, Schauer und Gewitter. Der Wind dreht auf West und deutlich kühlere Luft folgt. Für Donnerstag wird vielerorts nur noch um 20 Grad erwartet.
Die Bauernregel ist damit vor allem eines: ein überlieferter Merkspruch. Sie entstand in einer Zeit, in der Menschen für Aussaat, Ernte und Viehzucht unmittelbar vom Wetter abhängig waren.
Ein einzelner Tag kann allerdings keine verlässliche Prognose für die kommenden vier Wochen liefern. Entscheidend wären großräumige Wetterlagen und deren Entwicklung. Moderne Wettervorhersagen sind für längere Zeiträume entsprechend deutlich unsicherer als kurzfristige Prognosen.
Die Hitze am 8. September ist daher kein Beweis dafür, dass Österreich einen ganzen Monat lang spätsommerliches Wetter bekommt.
Auch eine zweite Bauernregel knüpft sich an Mariä Geburt:
„Wird Mariä Geburt gesät, ist’s nicht zu früh und nicht zu spät.“
Gemeint ist der Zeitpunkt für bestimmte Arbeiten auf dem Feld. Anfang September können Boden und Temperaturen noch günstige Bedingungen bieten, gleichzeitig ist der Hochsommer vorbei.
Doch auch hier gilt: Einen perfekten Aussaattermin für ganz Österreich gibt es nicht. Pflanzenart, Höhenlage, Boden und Feuchtigkeit entscheiden darüber, wann tatsächlich gesät werden sollte.
Besonders bekannt ist die dritte Regel:
„Zu Mariä Geburt fliegen die Schwalben furt. Bleiben sie noch da, ist der Winter nicht nah.“
Tatsächlich beginnen viele Schwalben im Spätsommer und Frühherbst mit ihrem Zug nach Süden. Der Grund ist weniger ein geheimnisvoller Blick in den kommenden Winter als die schlichte Veränderung der Lebensbedingungen: Mit sinkenden Temperaturen werden Insekten knapper, zudem werden die Tage kürzer.
Bleiben Schwalben länger in Österreich, bedeutet das deshalb nicht automatisch einen späten Winter. Wetter, Nahrungsangebot und Zugverhalten spielen ebenfalls eine Rolle.