Midterms entscheiden alles

Eines dieser sechs Szenarien wird Trump jetzt treffen

Die US-Midterms werden zum Stimmungstest für Donald Trump. Verlieren die Republikaner ihre Mehrheit, drohen dem Präsidenten zwei schwierige Jahre.
03.11.2026, 17:29
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk

Die Zwischenwahlen in den USA werden zum politischen Stimmungstest für Donald Trump. In der Nacht auf Mittwoch entscheiden Millionen Amerikaner darüber, ob die Republikaner ihre knappen Mehrheiten im Kongress verteidigen können oder die Demokraten zurück an die Schalthebel der Macht gelangen. Für Trump steht viel auf dem Spiel: Verlieren seine Republikaner eine oder sogar beide Kammern (Repräsentantenhaus und Senat), könnte seine zweite Amtszeit deutlich schwieriger werden. Den Demokraten bietet sich dagegen die Chance, den Präsidenten auszubremsen und seine Regierung stärker zu kontrollieren. Doch selbst ein Wahlsieg in beiden Kammern würde Trump nicht entmachten. Mehrere Szenarien sind möglich – und jedes hätte andere Folgen für Washington.

Eine Wahl, die über Trumps zweite Amtszeit entscheidet

Die sogenannten Midterms finden traditionell zur Hälfte einer vierjährigen Präsidentschaft statt. Anders als bei der Präsidentschaftswahl geht es diesmal nicht um das Weiße Haus, sondern um die Machtverhältnisse im Parlament. Trotzdem haben die Zwischenwahlen enorme Bedeutung für den amtierenden Präsidenten. Sie zeigen, wie zufrieden die Bevölkerung mit seiner bisherigen Politik ist, und entscheiden darüber, wie viel politischen Spielraum er in den verbleibenden zwei Jahren seiner Amtszeit hat. Im Mittelpunkt stehen das Repräsentantenhaus und der Senat. Im Repräsentantenhaus werden sämtliche 435 stimmberechtigten Sitze neu vergeben. Im Senat stehen 35 der insgesamt 100 Mandate zur Wahl. Dazu kommen Gouverneurswahlen in 39 Bundesstaaten.

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen

Derzeit haben die Republikaner in beiden Kammern die Mehrheit. Im Repräsentantenhaus ist ihr Vorsprung allerdings äußerst knapp. Die republikanische Seite verfügt über 219 Sitze, die Demokraten über 214, dazu kommen zwei derzeit unbesetzte Mandate. Im Senat halten die Republikaner 53 Sitze. Die Demokraten kommen gemeinsam mit zwei parteiunabhängigen Senatoren, die sich ihrer Fraktion anschließen, auf 47 Mandate. Für die Demokraten ist die Ausgangslage damit unterschiedlich schwierig. Im Repräsentantenhaus müssen sie eine Mehrheit von mindestens 218 Sitzen erreichen. Im Senat brauchen sie einen Nettozuwachs von vier Mandaten, um auf 51 Sitze zu kommen. Eine Sitzverteilung von 50 zu 50 würde ihnen noch nicht genügen: In diesem Fall könnte Vizepräsident JD Vance bei einem Patt zugunsten der Republikaner entscheiden.

Demokraten lauern, Republikaner kämpfen

Die Ausgangslage ist für die Demokraten durchaus interessant. Umfragen und Analysen vor dem Wahltag sehen die Partei im Rennen um das Repräsentantenhaus in einer günstigen Position. Beim Senat ist die Situation deutlich offener. Dort müssen die Demokraten in mehreren Bundesstaaten republikanische Mandate gewinnen, die traditionell eher konservativ geprägt sind. Dass die Partei des amtierenden Präsidenten bei Zwischenwahlen häufig Verluste hinnehmen muss, ist in den USA keine Überraschung. Seit dem Zweiten Weltkrieg hat die Partei des Präsidenten bei fast allen Midterms an Unterstützung im Kongress eingebüßt.

Die Unzufriedenheit mit der Regierung, die wirtschaftliche Entwicklung und die persönliche Popularität des Präsidenten können dabei entscheidende Faktoren sein. Auch diesmal steht Trump im Zentrum der Auseinandersetzung. Er hat seine Anhänger wiederholt aufgefordert, die Wahl so zu betrachten, als würde er selbst auf dem Stimmzettel stehen. Für die Demokraten ist das eine Gelegenheit, die Wahl zu einer Abstimmung über Trumps bisherige Politik zu machen. Für die Republikaner geht es darum, ihre Machtposition zu verteidigen. Sollten sie beide Kammern behalten, könnte Trump seine politische Agenda in den letzten zwei Jahren seiner Amtszeit weitgehend mit parlamentarischer Unterstützung fortsetzen.

Besonders schwierig ist die Situation im Repräsentantenhaus. Die knappe Mehrheit lässt kaum Spielraum für interne Konflikte. Schon wenige Abweichler aus den eigenen Reihen können bei Abstimmungen darüber entscheiden, ob ein Gesetz durchgeht oder scheitert. Eine Niederlage würde die Republikaner daher nicht nur ihre Mehrheit kosten, sondern auch ihre Möglichkeit, die parlamentarische Tagesordnung zu bestimmen. Hinzu kommt, dass die Midterms für Trump persönlich eine besondere Bedeutung haben. Der Präsident hat die Wahl stark mit seiner eigenen Politik verknüpft. Verlieren die Republikaner deutlich, dürfte das innerhalb der Partei die Diskussion darüber verstärken, wie erfolgreich seine zweite Amtszeit bisher verlaufen ist.

US-MidtermsUS Midterm Elections

Live
Demokraten Republikaner
Noch offen Nicht zur Wahl

RepräsentantenhausUnterhaus

Vor der WahlZuvor: 214 D – 218 R · 435 Sitze zur Wahl
0 D 0 R
218 für Mehrheit 0 435

Senat

Vor der WahlZuvor: 47 D – 53 R · 35 Sitze zur Wahl
34 D 31 R
34
31
51 für Mehrheit 0 100

Szenario 1: Demokraten gewinnen das Repräsentantenhaus

Dieses Szenario gehört zu den zentralen Möglichkeiten dieser Wahl. Die Demokraten gewinnen genügend Sitze, um im Repräsentantenhaus die Mehrheit zu übernehmen, während die Republikaner den Senat behalten. Für Trump wäre das ein empfindlicher Rückschlag, seine Regierung könnte aber weiterhin auf die Unterstützung der zweiten Kongresskammer zählen. Der wichtigste Unterschied: Die Demokraten würden die Kontrolle über die Ausschüsse im Repräsentantenhaus übernehmen. Damit könnten sie bestimmen, welche Themen parlamentarisch behandelt werden, welche Regierungsmitglieder vor Ausschüssen erscheinen müssen und welche Vorgänge genauer untersucht werden. Auch die Befugnis, Vorladungen auszusprechen und Untersuchungen einzuleiten, würde ihnen neue Möglichkeiten eröffnen.

Für Trump könnte das unangenehm werden. Seine Regierung müsste sich auf zahlreiche parlamentarische Auseinandersetzungen einstellen. Die Demokraten könnten beispielsweise den Umgang mit Bundesmitteln, die Migrationspolitik, die Zollpolitik oder die außenpolitischen Entscheidungen des Präsidenten untersuchen. Auch die Vorgänge rund um den Iran-Krieg könnten Gegenstand politischer Anhörungen werden. Besonders brisant wäre die Möglichkeit, dass demokratische Ausschüsse Regierungsmitglieder und Mitarbeiter des Weißen Hauses vorladen. Allerdings bedeutet eine Vorladung nicht automatisch, dass die Betroffenen tatsächlich erscheinen oder dass die Demokraten sämtliche Informationen erhalten. Die Durchsetzung solcher Forderungen könnte zu langwierigen juristischen Auseinandersetzungen führen.

Auch bei der Gesetzgebung wären die Machtverhältnisse kompliziert. Das demokratisch kontrollierte Repräsentantenhaus könnte Gesetzesentwürfe zu Gesundheitsversorgung, Wohnkosten, Abtreibungsrechten oder künstlicher Intelligenz verabschieden. Im republikanisch kontrollierten Senat könnten diese Vorhaben allerdings blockiert werden. Und selbst wenn ein Gesetz beide Kammern passieren würde, könnte Trump sein Veto einlegen. Damit wäre dieses Szenario vor allem eines: eine Phase verstärkter politischer Kontrolle und gegenseitiger Blockaden. Die Demokraten hätten mehr Möglichkeiten, Trump unter Druck zu setzen, könnten seine Politik aber nicht einfach umkehren.

Szenario 2: Demokraten gewinnen beide Kammern

Noch größere Auswirkungen hätte ein demokratischer Sieg sowohl im Repräsentantenhaus als auch im Senat. In diesem Fall würden die Republikaner ihre Kontrolle über den gesamten Kongress verlieren. Trump müsste sich für die verbleibenden zwei Jahre seiner Amtszeit auf eine politische Gegnerschaft in beiden Kammern einstellen. Für die Demokraten wäre das ein bedeutender Machtgewinn. Sie könnten die Ausschüsse kontrollieren, die parlamentarische Tagesordnung bestimmen und Gesetzesvorhaben vorantreiben. Besonders der Senat wäre dabei von großer Bedeutung. Denn dort werden wichtige Personalentscheidungen des Präsidenten bestätigt. Dazu gehören Minister, Botschafter und zahlreiche Richter für Bundesgerichte. Ein demokratisch kontrollierter Senat könnte die Bestätigung neuer Kandidaten der Trump-Regierung verzögern oder verhindern.

Das wäre vor allem dann relevant, wenn während der verbleibenden Amtszeit wichtige Richterposten frei werden. Auch bei der Besetzung von Spitzenpositionen in der Regierung hätte Trump deutlich weniger Spielraum. Für den Präsidenten wäre das ein erhebliches Hindernis. Die Demokraten könnten versuchen, seine Personalentscheidungen stärker zu kontrollieren und bei wichtigen Nominierungen eigene politische Forderungen durchzusetzen. Besonders eine mögliche Vakanz am Obersten Gerichtshof könnte zu einer politischen Kraftprobe werden. Ein demokratischer Senat könnte versuchen, eine Neubesetzung bis nach der Präsidentschaftswahl 2028 hinauszuzögern. Allerdings wäre auch in diesem Fall nicht jede politische Entscheidung Trumps blockierbar. Der Präsident könnte weiterhin sein Veto gegen Gesetze einlegen, die ihm nicht passen. Um ein solches Veto zu überstimmen, wären in beiden Kammern jeweils Zweidrittelmehrheiten erforderlich.

Außerdem können viele Gesetzesvorhaben im Senat an der sogenannten Filibuster-Regel scheitern. Diese ermöglicht es einer Minderheit, eine Abstimmung zu blockieren oder hinauszuzögern. Für die meisten gewöhnlichen Gesetzesvorhaben sind deshalb 60 Stimmen erforderlich, nicht nur eine einfache Mehrheit. Wie groß der demokratische Wahlerfolg ausfällt, wäre daher entscheidend. Eine knappe Mehrheit würde die Partei bei wichtigen Entscheidungen stark von einzelnen Senatoren abhängig machen. Ein größerer Vorsprung würde ihr mehr Verhandlungsspielraum verschaffen. Politisch wäre dieses Szenario dennoch ein deutliches Signal. Die Demokraten könnten das Ergebnis als Absage an Trumps bisherige Politik interpretieren und seine Regierung bei praktisch jedem größeren Vorhaben mit einer parlamentarischen Gegenposition konfrontieren. Gleichzeitig müssten sie sich selbst daran messen lassen, ob sie die wirtschaftlichen Probleme und die Sorgen der Bevölkerung tatsächlich angehen können.

Szenario 3: Demokraten gewinnen beide Kammern, der Senat bleibt aber knapp

Ein demokratischer Sieg in beiden Kammern bedeutet nicht automatisch, dass die Partei auch über ausreichend Stimmen verfügt, um ihre politischen Vorstellungen durchzusetzen. Gerade im Senat könnte eine äußerst knappe Mehrheit zum Problem werden. Sollten die Demokraten dort beispielsweise nur zwei zusätzliche Sitze gegenüber der bisherigen Verteilung gewinnen und damit eine Mehrheit von 51 Mandaten erreichen, wäre jeder einzelne Senator besonders wichtig. Schon ein Abweichler könnte bei einer knappen Abstimmung ein Vorhaben zu Fall bringen.

Das hätte auch Auswirkungen auf die Verhandlungen mit Trump. Der Präsident könnte versuchen, einzelne demokratische Senatoren für seine Vorhaben zu gewinnen. Umgekehrt könnten moderate Demokraten versuchen, Kompromisse mit den Republikanern auszuhandeln, statt sich auf eine vollständige Konfrontation einzulassen. Bei größeren Mehrheiten würde sich das Kräfteverhältnis verschieben. Die Demokraten könnten dann eher eigene Gesetzesentwürfe verabschieden und Trump mit der Frage konfrontieren, ob er diese unterzeichnet oder sein Veto einlegt. Themen wie die hohen Lebenshaltungskosten, die Gesundheitsversorgung, die Zollpolitik oder die Regulierung von Rechenzentren könnten dabei eine Rolle spielen.

Ein größeres demokratisches Mandat hätte allerdings auch eine Kehrseite. Wer die Mehrheit im Kongress übernimmt, trägt mehr Verantwortung für das Funktionieren der Politik. Wenn es zu Streit über den Haushalt, die Staatsverschuldung oder die Finanzierung der Regierung kommt, könnten die Demokraten nicht mehr ausschließlich auf die Fehler der Republikaner verweisen. Sie müssten selbst Lösungen aushandeln.

Szenario 4: Republikaner behalten beide Mehrheiten

Auch ein vollständiger Sieg der Republikaner bleibt ein mögliches Ergebnis. Sollten sie sowohl das Repräsentantenhaus als auch den Senat verteidigen, könnte Trump seine zweite Amtszeit mit einer weiterhin parteipolitisch unterstützten Legislative fortsetzen. Für den Präsidenten wäre das ein wichtiges Signal. Er könnte das Ergebnis als Bestätigung seiner bisherigen Politik darstellen und argumentieren, dass die Wähler seiner Regierung weiterhin den Rückhalt geben. Die Republikaner könnten ihre Mehrheiten nutzen, um weitere Gesetzesvorhaben voranzutreiben und wichtige Personalentscheidungen zu bestätigen.

Auch die parlamentarische Kontrolle der Regierung würde weitgehend in republikanischer Hand bleiben. Untersuchungen, die den Präsidenten und seine Regierung politisch unter Druck setzen könnten, wären damit schwieriger. Zwar können auch Abgeordnete der eigenen Partei kritische Fragen stellen, doch die Ausschüsse würden weiterhin von Republikanern kontrolliert. Allerdings wäre ein knapper Sieg nicht unbedingt ein Freibrief. Die Republikaner müssten weiterhin mit internen Konflikten rechnen.

Gerade im Repräsentantenhaus könnten wenige Abweichler ausreichen, um wichtige Vorhaben scheitern zu lassen. Auch die wirtschaftliche Entwicklung, die Staatsverschuldung und die Kosten des Iran-Krieges könnten die Regierung weiterhin unter Druck setzen. Ein republikanischer Erfolg würde somit die parlamentarische Ausgangslage Trumps stabilisieren. Er würde aber nicht automatisch bedeuten, dass alle politischen Probleme gelöst sind oder dass die Bevölkerung jede Entscheidung des Präsidenten unterstützt.

Szenario 5: Republikaner behalten das Repräsentantenhaus, verlieren aber den Senat

Weniger im Mittelpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit steht ein umgekehrtes Machtverhältnis: Die Republikaner könnten ihre Mehrheit im Repräsentantenhaus verteidigen, während die Demokraten den Senat übernehmen. Für Trump wäre das eine ungewöhnliche Situation. Seine Regierung könnte weiterhin auf die Unterstützung der republikanischen Mehrheit im Repräsentantenhaus zählen. Gleichzeitig hätte sie im Senat mit einer demokratischen Mehrheit zu kämpfen.

Das hätte vor allem bei Personalentscheidungen weitreichende Folgen. Der Senat bestätigt Minister, Richter und zahlreiche weitere wichtige Amtsträger. Eine demokratische Mehrheit könnte Trumps Kandidaten ablehnen oder deren Bestätigung verzögern. Das wäre ein erhebliches Hindernis für den Präsidenten, selbst wenn die Republikaner im Repräsentantenhaus weiterhin seine Gesetzesvorhaben unterstützen.

Auch die Gesetzgebung wäre kompliziert. Ein Vorhaben müsste beide Kammern passieren. Ein demokratischer Senat könnte republikanische Gesetzesentwürfe verändern oder blockieren, während das Repräsentantenhaus seinerseits demokratische Vorhaben ablehnen könnte. Das Ergebnis wäre eine politische Pattsituation mit unterschiedlichen Mehrheiten in den beiden Kammern. Beide Parteien hätten zwar Einfluss, könnten ihre Vorstellungen aber nur schwer ohne Zugeständnisse der Gegenseite durchsetzen.

Szenario 6: Ein Patt im Senat

Besonders kompliziert könnte es werden, wenn der Senat nach der Wahl exakt 50 zu 50 aufgeteilt ist. In diesem Fall behalten die Republikaner die Kontrolle, weil Vizepräsident JD Vance bei einem Patt die entscheidende Stimme abgeben kann. Das bedeutet: Selbst wenn die Demokraten im Senat einen erheblichen Zugewinn erzielen, reicht ein Gleichstand nicht für eine eigene Mehrheit. Sie könnten zwar in einzelnen Abstimmungen auf republikanische Unterstützung hoffen, hätten aber nicht die Kontrolle über die Kammer.

Für Trump wäre dieses Ergebnis deutlich weniger problematisch als eine demokratische Senatsmehrheit. Seine Regierung könnte weiterhin auf die entscheidende Stimme des Vizepräsidenten zählen, wenn es um Abstimmungen geht, bei denen die Senatoren entlang der Parteilinien gespalten sind.

Allerdings würde ein 50:50-Senat die Bedeutung einzelner Mandatsträger massiv erhöhen. Schon ein einziger Senator, der sich gegen die eigene Partei stellt, könnte wichtige Entscheidungen beeinflussen. Das gilt insbesondere für Haushaltsverhandlungen, Personalentscheidungen und politische Kompromisse.

Nicht nur Trump steht auf dem Prüfstand

Die Midterms haben auch Auswirkungen, die über die Machtverhältnisse im Kongress hinausgehen. In 39 Bundesstaaten werden neue Gouverneure gewählt. Diese Wahlen sind ebenfalls wichtig, weil Gouverneure bei zahlreichen politischen Entscheidungen auf Ebene der Bundesstaaten eine zentrale Rolle spielen. Besonders relevant ist das für die Wahlkreisgestaltung. In den USA werden Wahlkreise regelmäßig neu zugeschnitten. Die politischen Mehrheiten in den Bundesstaaten können dabei erheblichen Einfluss darauf haben, wie die Grenzen verlaufen. Das kann wiederum darüber entscheiden, welche Partei bei den nächsten Kongresswahlen 2028 bessere Ausgangsbedingungen hat.

Die diesjährigen Midterms stehen außerdem unter dem Eindruck einer veränderten Wahlkreiskarte. Neue Zuschnitte und juristische Entscheidungen haben in mehreren Bundesstaaten die Bedingungen für die Parteien verändert. Nach Einschätzung des Europäischen Parlaments waren im Vorfeld der Wahl nur rund zehn Prozent der Sitze im Repräsentantenhaus wirklich umkämpft. Das macht einzelne Wahlkreise besonders wichtig.

Auch die Wahlkampffinanzierung spielt eine Rolle. Die Ausgaben für politische Kampagnen sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Im Juni 2026 änderte zudem der Oberste Gerichtshof die rechtlichen Rahmenbedingungen für koordinierte Wahlkampfausgaben. Parteien können dadurch enger mit ihren Kandidaten zusammenarbeiten, ohne denselben Ausgabenbeschränkungen wie zuvor zu unterliegen. Das erhöht die Bedeutung finanzieller Ressourcen und professioneller Wahlkampfstrukturen.

Was passiert, wenn Trump tatsächlich die Kontrolle verliert?

Eine demokratische Mehrheit in einer oder beiden Kongresskammern würde die politische Arbeit des Präsidenten erheblich verändern. Allerdings wäre es falsch, daraus eine vollständige Entmachtung Trumps abzuleiten. Der US-Präsident bleibt Oberbefehlshaber der Streitkräfte und verfügt über weitreichende Kompetenzen in der Außen- und Sicherheitspolitik. Auch bei der Migrationspolitik und bei Zöllen kann das Weiße Haus in bestimmten Bereichen eigenständig handeln. Ein demokratischer Kongress könnte diese Entscheidungen stärker kontrollieren, ihre Finanzierung beeinflussen und rechtliche oder parlamentarische Gegenmaßnahmen einleiten. Die Möglichkeiten wären aber begrenzt.

Das gilt auch für die Wirtschaftspolitik. Die Demokraten könnten versuchen, Trumps Zollpolitik gesetzlich einzuschränken oder neue Regeln durchzusetzen. Ob das gelingt, hängt allerdings von den Mehrheitsverhältnissen und den konkreten gesetzlichen Grundlagen ab. Trump könnte zudem sein Veto einsetzen. Ein weiterer Konfliktpunkt dürfte der US-Haushalt werden. Die Finanzierung der Regierung und die Anhebung der Schuldenobergrenze sind regelmäßig Gegenstand harter Verhandlungen. Sollte es keine Einigung geben, drohen Blockaden bei der Finanzierung staatlicher Einrichtungen und im schlimmsten Fall ein erneuter Government Shutdown. Reuters rechnet unabhängig vom Wahlausgang mit schwierigen Haushalts- und Schuldenverhandlungen im Jahr 2027.

Ein demokratischer Wahlsieg könnte auch die Diskussion über ein mögliches Impeachment, also ein Amtsenthebungsverfahren, wieder verstärken. Dafür wäre allerdings zunächst eine entsprechende Mehrheit im Repräsentantenhaus notwendig. Die Demokraten könnten mit einer Mehrheit Untersuchungen einleiten und ein Amtsenthebungsverfahren auf den Weg bringen. Eine tatsächliche Amtsenthebung ist damit aber noch lange nicht erreicht. Nach einem Beschluss im Repräsentantenhaus müsste der Senat über eine Verurteilung entscheiden. Dafür wäre eine Zweidrittelmehrheit der anwesenden Senatoren notwendig. Selbst eine demokratische Mehrheit in beiden Kammern würde dafür bei Weitem nicht automatisch ausreichen. Eine Amtsenthebung wäre daher zwar eine mögliche politische Eskalationsstufe, aber keineswegs eine unmittelbare Folge eines demokratischen Wahlsiegs.

Wann stehen die Ergebnisse fest?

Die Wahllokale schließen wegen der unterschiedlichen Zeitzonen in den USA zu verschiedenen Uhrzeiten. Erste Ergebnisse werden bereits in der Nacht auf Mittwoch mitteleuropäischer Zeit erwartet. Allerdings muss nicht schon in dieser Nacht feststehen, wer künftig den Kongress kontrolliert. Besonders knapp umkämpfte Wahlkreise und Bundesstaaten können eine längere Auszählung notwendig machen. Dazu kommen Briefwahlstimmen, unterschiedliche Regeln für deren Bearbeitung und mögliche weitere Auszählungsrunden. In Alaska und Maine kommt außerdem ein alternatives Wahlsystem zum Einsatz, bei dem weitere Stimmenverteilungen erforderlich sein können.

Die Nachrichtenagentur Associated Press weist darauf hin, dass die Entscheidung über die Mehrheiten durchaus mehrere Tage dauern kann. Bei den Zwischenwahlen 2022 stand die Kontrolle über den Senat erst vier Tage nach dem Wahltag fest, jene über das Repräsentantenhaus sogar erst nach acht Tagen. Auch 2024 dauerte es acht Tage, bis die Mehrheitsverhältnisse im Repräsentantenhaus geklärt waren.

Die Midterms sind damit eine Richtungsentscheidung für die verbleibenden zwei Jahre von Donald Trumps Präsidentschaft. Die Demokraten könnten sich erstmals seit der Machtübernahme Trumps wieder als parlamentarisches Gegengewicht positionieren. Die Republikaner wiederum müssen beweisen, dass ihre bisherige Unterstützung für den Präsidenten auch bei den Wählern noch ausreichend Rückhalt findet. Wie groß die politischen Folgen tatsächlich ausfallen, wird sich erst zeigen, wenn die Mehrheitsverhältnisse in Washington feststehen.

red, Akt. 03.11.2026, 17:30, 03.11.2026, 17:29