Michele Tafoya, vielen US-Football-Fans als Sportjournalistin bekannt, möchte für die Republikaner in den US-Senat einziehen.
Sie setzt dabei auf eine ungewöhnliche Strategie: In ihren Wahlwerbespots und auf ihrer Internetseite ist von ihrer Parteizugehörigkeit oft nichts zu sehen. Grund dafür sind die momentan schlechten Umfragewerte der Republikaner und insbesondere von US-Präsident Donald Trump.
Die Unzufriedenheit in der US-Bevölkerung ist groß – vor allem wegen hoher Preise für Benzin und Lebensmittel, die mit dem Iran-Krieg in Verbindung gebracht werden. Viele machen Trump dafür verantwortlich.
Laut dem Umfrageportal RealClear Polling liegen die Demokraten im Rennen um das Repräsentantenhaus klar vorne, im Kampf um den Senat jedoch nur knapp vorne. Entscheidend könnten deshalb die lokalen Kandidaten sein.
Wie t-online unter Berufung auf den "Spiegel" berichtet, liegt Tafoya laut dem Umfragedurchschnitt von Decision Desk HQ zwar etwa sieben Prozentpunkte hinter der demokratischen Kandidatin Peggy Flanagan.
Minnesota gilt eigentlich als Hochburg der Demokraten, dennoch könnte ein Sieg Tafoyas den Weg der Demokraten zur Mehrheit im Senat erschweren.
Tafoya profitiert von ihrem Bekanntheitsgrad als Sportreporterin bei CBS, ESPN und NBC. Besonders Football erfreut sich großer Beliebtheit in den USA, und Tafoya nutzte diese Verbindung auch in ihrem Wahlkampf.
In ihren Werbevideos zeigt sie sich mit einem Football in der Hand, während die Parteizugehörigkeit kaum betont wird.
Die 61-Jährige bezeichnet sich als "unabhängige Stimme" und hebt hervor, dass sie weder Parteiführern, Lobbyisten noch dem Präsidenten verpflichtet ist. In manchen Punkten ist sie sogar liberaler als andere Republikaner, etwa beim Thema Schwangerschaftsabbruch bis zur zwölften Woche.
Gleichzeitig kritisierte sie Trumps Zollpolitik gegenüber Kanada sowie den ICE-Einsatz in Minnesota, befürwortet aber Abschiebungen von straffällig gewordenen Migranten.
Trotzdem möchte Tafoya Trump nicht offen unterstützen. Der Präsident war bisher kein einziges Mal für ihren Wahlkampf in Minnesota, und Tafoya reagierte auf einen Wahlaufruf Trumps lediglich mit: "Diese Kampagne dreht sich darum, alle Menschen in Minnesota zusammenzubringen, ob sie für Präsident Trump oder für Kamala Harris gestimmt haben."
Im Wahlkampf konzentriert sich Tafoya stattdessen auf ihre demokratische Konkurrentin Peggy Flanagan. In einem Wahlclip betont sie: "Viel zu lange wurden hart arbeitende Menschen von Kriminellen, Konzernen und Berufspolitikern abgezockt."
Flanagan und Minnesotas Gouverneur Tim Walz stehen derzeit wegen Betrugsvorwürfen in Sozialprogrammen in der Kritik.