Am Dienstag wird in den USA gewählt – und für Präsident Donald Trump (80) steht viel auf dem Spiel. Bei den Zwischenwahlen am 3. November könnten seine Republikaner ihre Mehrheit im Kongress verlieren. Die aktuellen Umfragen sprechen jedenfalls gegen sie.
Doch jetzt warnt ausgerechnet ein prominenter US-Meinungsforscher davor, Trump und seine Partei voreilig abzuschreiben.
Frank Luntz (64), der seit Jahrzehnten das Wahlverhalten der Amerikaner untersucht, hält die aktuellen Umfragen für womöglich trügerisch. Im Gespräch mit der deutschen WELT erklärt er, dass viele republikanische Wähler nur schwer zu erreichen seien.
"Die Stimmen für die Republikaner werden unterschätzt, weil deren Wähler nicht kooperativ sind", sagt Luntz. Viele Trump-Anhänger würden dem politischen System misstrauen und deshalb nicht an Befragungen teilnehmen.
Der Meinungsforscher räumt sogar ein, dass er seinen eigenen Erhebungen nicht vollständig vertraut. Er sei "sehr nervös", die versteckten Stimmen für Trump womöglich nicht richtig abzubilden.
Dabei sehen die aktuellen Zahlen für Trumps Partei alles andere als rosig aus. Laut einer am 27. Oktober veröffentlichten Marist-Umfrage würden 52 Prozent der wahrscheinlichen Wähler den Demokraten ihre Stimme geben. Die Republikaner kommen nur auf 44 Prozent.
Auch Trump selbst steht unter Druck. Nur 40 Prozent der wahrscheinlichen Wähler sind mit seiner Amtsführung zufrieden, 59 Prozent lehnen sie ab. Besonders die hohen Lebenshaltungskosten bereiten vielen Amerikanern Sorgen.
Dass Trump stärker abschneiden kann als erwartet, zeigte sich bereits bei den Präsidentschaftswahlen 2016, 2020 und 2024. In allen drei Fällen unterschätzten zahlreiche Umfragen seine Unterstützung.
Allerdings gibt es einen entscheidenden Unterschied: Bei den anstehenden Zwischenwahlen steht Trump selbst nicht auf dem Stimmzettel. Zudem waren vergleichbare Umfragefehler bei früheren Kongresswahlen seltener.
Ob die Warnung des Meinungsforschers berechtigt ist, wird sich am Dienstag zeigen. Dann entscheiden die Amerikaner über die politische Machtverteilung im Kongress - und darüber, wie viel Spielraum Trump in den kommenden zwei Jahren noch hat.