Französische Zustände

Trump warnt: Bei Demokraten-Sieg brennen die Kirchtürme

Bei einem Wahlkampf-Auftritt in Kansas warnt der US-Präsident vor Zuständen wie in Frankreich und beschimpft seine Gegner als "Dummokraten".
20.10.2026, 12:47
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Ausgerechnet Frankreich soll den Amerikanern jetzt Angst machen! US-Präsident Donald Trump (80) griff bei einer Wahlkampfveranstaltung in Kansas am Montag tief in die rhetorische Trickkiste: Sollten die Demokraten bei den Kongresswahlen am 3. November gewinnen, drohten den USA angeblich ähnliche Ausschreitungen wie zuletzt in Frankreich. Brennende Kirchtürme inklusive.

"Wenn Sie brennende Kirchtürme und wütende Feuer in Frankreich sehen, denken Sie einfach daran, dass es das ist, was die radikalen 'Dumokraten' mit Amerika machen wollen", wetterte Trump in Park City, Kansas. Aus den Demokraten machte er kurzerhand "Dumokraten" ("Dumocrats"), eine Wortschöpfung aus "Democrats" und "dumb" (dumm).

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Frankreich als Drohkulisse

Hintergrund sind schwere Unruhen in Frankreich, wo Proteste gegen hohe Lebenshaltungskosten und schlecht finanzierte öffentliche Einrichtungen zuletzt in Ausschreitungen und Plünderungen umgeschlagen waren.

Dass ausgerechnet die USA vor solchen Zuständen bewahrt werden müssten, ist zumindest eine bemerkenswerte Wahlkampf-Botschaft. Schließlich sind gewaltsame Proteste und Plünderungen auch in amerikanischen Städten keineswegs unbekannt.

Trump ließ sich davon nicht beirren: "Wir werden nicht zulassen, dass das in unserem Land passiert", versprach er. Belege dafür, dass ein Sieg der Demokraten solche Ausschreitungen auslösen würde, blieb er schuldig.

Demokrat ist Trump und Marshall "zu woke"

Der Auftritt hatte einen ernsten Hintergrund: Trump war nach Kansas gereist, um dem republikanischen Senator Roger Marshall bei seiner Wiederwahl unter die Arme zu greifen. Denn selbst in dieser konservativen Hochburg wird es für die Republikaner eng.

Marshalls Herausforderer ist Adam Hamilton, Pastor einer großen methodistischen Kirchengemeinde. Er kritisiert Trumps Zollpolitik und dessen "sprunghafte Führung".

Trump griff Hamilton persönlich an: "Er will, dass ihr dafür Buße tut, weiß geboren worden zu sein", behauptete der Präsident. Senator Marshall wiederum erklärte den Demokraten für "zu woke" für Kansas. Als Beleg führte er unter anderem dessen Unterstützung für Homosexuellen-Paraden an. Das Publikum quittierte die Erwähnung mit Buhrufen.

Hamilton selbst gab sich versöhnlicher. Auch Trump-Anhänger hätten in seiner Kampagne einen Platz, erklärte er. Mit dem Präsidenten wolle er zusammenarbeiten, wo es sinnvoll sei.

Nur noch 31 Prozent für Trump

Während Trump also vor brennenden Kirchtürmen warnt, brennt es für ihn politisch an einer ganz anderen Stelle: bei den Umfragewerten. Laut einer am Montag abgeschlossenen Reuters/Ipsos-Erhebung sind nur noch 31 Prozent der US-Bürger mit seiner Amtsführung zufrieden. Das ist der niedrigste Wert in seinen beiden Amtszeiten.

Noch unangenehmer für die Republikaner: Bei der Frage nach der bevorzugten Partei liegen die Demokraten unter registrierten Wählern mit 47 zu 35 Prozent vorne. Der Abstand von zwölf Prozentpunkten ist der größte im bisherigen Wahlkampf. Vor allem hohe Spritpreise, steigende Lebenshaltungskosten und der Iran-Krieg machen Trumps Partei zu schaffen.

Selbst Kansas ist nicht mehr sicher

Wie ernst die Lage ist, zeigt das Rennen in Kansas. Trump gewann den Bundesstaat 2024 noch mit 16 Prozentpunkten Vorsprung. Seit 94 Jahren wurde dort kein Demokrat mehr in den US-Senat gewählt. Nun liefern sich Marshall und Hamilton ein enges Rennen.

Am 3. November entscheiden die Amerikaner bei den Midterms über die Mehrheiten im Kongress. Verlieren die Republikaner ihre knappen Mehrheiten, könnte Trump bei seinen politischen Vorhaben erheblich eingeschränkt werden.

Ob die Demokraten Amerika tatsächlich französische Zustände bescheren würden, bleibt Trumps unbelegte Behauptung. Dass es für seine Republikaner politisch brenzlig wird, zeigen dagegen die aktuellen Umfragen.

NW, 20.10.2026, 12:47
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