Wenige Tage nach einer brisanten Rede des Papstes zur Weltlage ist es offenbar zu einem ungewöhnlich scharfen Treffen im Pentagon gekommen. US-Vertreter sollen einem Vatikan-Diplomaten dabei deutliche Drohungen übermittelt haben.
Wie mehrere Medien berichten, wurde ein Vertreter des Vatikans kurz nach der Ansprache von Papst Leo XIV. ins Pentagon einbestellt. Dort habe es eine "bittere Standpauke" gegeben – inklusive klarer Worte zur Rolle der katholischen Kirche.
Demnach sagte US-Unterstaatssekretär Elbridge Colby zu Kardinal Christophe Pierre: "Die Vereinigten Staaten verfügen über die militärische Macht, weltweit zu tun, was immer sie wollen. Die katholische Kirche tut gut daran, sich auf ihre Seite zu stellen."
Zusätzlich soll ein weiterer Beamter auf das sogenannte "Avignoner Papsttum" verwiesen haben – eine historische Phase, in der weltliche Macht massiv Einfluss auf die Kirche ausübte.
Auslöser für die Spannungen waren Aussagen von Papst Leo XIV. in seiner Rede vom 9. Januar. Darin warnte er unter anderem, dass "Diplomatie, die den Dialog fördert und einen Konsens zwischen allen Parteien anstrebt, durch eine auf Gewalt basierende Diplomatie ersetzt" werde und dass "Krieg wieder in Mode ist und sich Kriegseifer ausbreitet".
Die US-Regierung wertete diese Aussagen laut Berichten als feindlich. Hintergrund ist eine angespannte geopolitische Lage, in der Washington zuletzt mehrfach mit militärischen Maßnahmen und politischen Drohungen aufgefallen war.
Das Treffen im Pentagon dürfte im Vatikan für große Unruhe gesorgt haben. Berichten zufolge wurde der Hinweis auf das "Avignoner Papsttum" als Drohung verstanden, "militärische Gewalt gegen den Heiligen Stuhl anzuwenden". In der Folge sagte Papst Leo einen geplanten Besuch in den USA ab.
Eingeschüchtert zeigt sich das Oberhaupt der katholischen Kirche dennoch nicht. Auch danach äußerte sich Leo XIV. weiter kritisch zur Weltpolitik und zu aktuellen Konflikten.
So reagierte er zuletzt deutlich auf Drohungen gegenüber dem Iran: "Wie wir alle wissen, gab es heute auch diese Drohung gegen das gesamte Volk des Irans, und das ist wirklich nicht akzeptabel", sagte der Papst vor Journalisten.
Dabei betonte er auch die humanitäre Dimension: "Ich möchte alle einladen, wirklich im Herzen an die vielen Unschuldigen zu denken, an die vielen Kinder, viele ältere Menschen, völlig Unschuldige".
Der Papst verwies darauf, dass es sich nicht nur um eine Frage des Völkerrechts handle, sondern auch um eine moralische Verantwortung.