Kaum eine Körperflüssigkeit löst so heftige Reaktionen aus wie Schleim. Viele Menschen empfinden ihn als abstoßend. Dabei übersehen sie, dass dieses allgegenwärtige Sekret ein echtes biologisches Wunderwerk ist.
Der Körperschleim kleidet alle inneren Oberflächen aus – von den Atemwegen über den Verdauungstrakt bis zum Genitalbereich. Er hält Krankheitserreger und Schadstoffe auf Abstand und sorgt dafür, dass unser Organismus reibungslos funktioniert.
Wie "Spektrum der Wissenschaft" berichtet, würden wir ohne Schleim in kürzester Zeit sterben. Das Muzin-Gerüst im Schleim wirkt wie ein Sieb: Viele Viren, Bakterien und Luftschadstoffe bleiben in dieser klebrigen Matrix hängen und werden so am Eindringen gehindert.
Auch unsere Augen profitieren vom Schleim: Erst durch ihn kann der Tränenfilm die Augen gleichmäßig benetzen und feucht halten. Weil Schleim ein hervorragendes Gleitmittel ist, bleiben die Augenlider beim Zwinkern nicht kleben.
In den Atemwegen erfüllt der Schleim eine lebenswichtige Filterfunktion. Mit jedem Atemzug gelangen Mikroorganismen und Schadstoffe tief in unseren Körper. Der Schleim fängt sie ab, bevor sie Schaden anrichten können.
Das Bundesministerium fördert aktuell ein Forschungsprojekt zu Schleim und Atemwegsinfektionen. Christian Sieben vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung leitet das Verbundprojekt und zeigt sich überrascht, wie wenig man bisher über die Wechselwirkung von Viren und Schleim wusste.
Ist die Luft zu trocken, verliert der Schleim an Schutzwirkung. Die Atemwege werden anfälliger für Infektionen. Auch im Darm spielt die Schleimbarriere eine entscheidende Rolle: Wird sie zu porös, kann es zu chronischen Entzündungen wie Morbus Crohn kommen.
Ein Imagewechsel für den Schleim ist überfällig. Denn dieses unterschätzte Material hält uns am Leben.