Eine heimliche Liebesnacht wurde Nemesio Oseguera Cervantes alias El Mencho zum Verhängnis. Die Geliebte des mutmaßlich mächtigsten Kartellchefs Mexikos führte die Behörden – ohne es zu wissen – direkt zu seinem Versteck.
In einer abgelegenen Hütte nahe Tapalpa im Bundesstaat Jalisco schlugen Militär und Sicherheitskräfte schließlich zu.
Wie das mexikanische Verteidigungsministerium am Montag mitteilte, spielten bei der Operation auch Informationen aus US-Geheimdiensten eine Rolle. Beteiligt gewesen seien laut Präsidentin Claudia Sheinbaum jedoch ausschließlich mexikanische Sicherheitskräfte.
Ausgangspunkt der Ermittlungen war ein Mann, der als Vertrauensperson einer Geliebten El Menchos identifiziert wurde. Er brachte die Frau zu einem Hüttenkomplex am Waldrand. Nachdem sie den Ort am nächsten Tag verlassen hatte, gingen die Behörden davon aus, dass sich der Kartellboss weiterhin dort aufhielt – eine Einschätzung, die sich als richtig erwies.
Als das Militär zugriff, kam es zu heftigen Gefechten mit schwer bewaffneten Leibwächtern. El Mencho floh mit seinem engsten Kreis in das angrenzende Waldgebiet. Er habe sich im Gebüsch versteckt, sagte Verteidigungsminister Ricardo Trevilla. Auch dort entbrannte erneut ein Feuerwechsel.
Dabei wurden El Mencho und zwei seiner Leibwächter schwer verletzt. Ein Hubschrauber sollte sie in eine Klinik in Jalisco bringen, doch auf dem Flug erlag der Drogenboss seinen Verletzungen. "Der Plan wurde daraufhin geändert", erklärte Trevilla. Statt ins Krankenhaus wurde der Tote nach Morelia im Bundesstaat Michoacán geflogen, wo ein Jagdflugzeug der Luftwaffe wartete, um den Leichnam nach Mexiko-Stadt zu transportieren.
Seit der Tötung des Kartellchefs kommt es immer wieder zu Angriffen auf Soldaten. Bis Montagabend wurden mindestens 25 Mitglieder der mexikanischen Nationalgarde getötet. Bei der Pressekonferenz brach Verteidigungsminister Trevilla angesichts dieser Zahl in Tränen aus.