Der europäische Wechselstrom schwingt 50-mal pro Sekunde hin und her. Doch seit Jahren stellen Netzbetreiber ein seltsames Phänomen fest: Zu Beginn jeder Minute sinkt die Frequenz kurz ab. Was aussieht wie ein geheimnisvoller Herzschlag, hat nun eine Erklärung gefunden.
Ein Forscherteam um Carsten Hartmann und Dirk Witthaut vom Forschungszentrum Jülich hat den Ursprung dieser Schwankungen aufgespürt. Die Ursache sind ausgerechnet Notstrombatterien, auch USV-Anlagen genannt.
Wie "Forschung und Wissen" meldet, starten die Selbsttests dieser Batteriesysteme gleichzeitig, weil sie alle nach derselben Uhrzeit synchronisiert sind. Die Hersteller haben unabhängig voneinander den Minutenbeginn als Startpunkt gewählt.
Das Phänomen wurde auf fünf Kontinenten nachgewiesen. In Europa entspricht die gemessene Schwankung von drei Millihertz einer gemeinsamen Leistungsänderung von rund 80 Megawatt. Das klingt viel, ist aber bisher nicht sicherheitskritisch.
Besonders auffällig: In Irland, wo Rechenzentren 2022 etwa 18 Prozent des Stromverbrauchs ausmachten, vervierfachte sich der Frequenzeinbruch zwischen 2016 und 2021. Der massive Ausbau von Serverstandorten mit USV-Technik fällt mit dieser Zunahme zusammen.
Die gute Nachricht: Das Problem lässt sich beheben. Ein Hersteller lieferte nach dem Hinweis der Wissenschaftler bereits ein Softwareupdate, das die strengen Minutenstarts aufhebt. Zufällig verteilte Prüfzeiten könnten verhindern, dass Millionen Geräte gleichzeitig Strom ziehen.
Noch ist ein schwächerer Ausschlag alle 100 Sekunden ungeklärt. Welches Gerät diesen Rhythmus vorgibt, müssen die Forscher noch herausfinden.