Der Chef des Londoner Technologiekonzerns Nothing, Carl Pei, hat seine Vorstellungen von der Zukunft künstlicher Intelligenz veröffentlicht. In seinem Artikel "Toolmakers" kritisiert er, dass sich die Branche zu stark auf die Suche nach dem nächsten großen KI-Gerät konzentriere. Seiner Ansicht nach kommt die Suche nach einem neuen "iPhone-Moment" für künstliche Intelligenz noch zu früh.
Stattdessen werde KI zunächst vor allem dort erfolgreich sein, wo sie Menschen bei ihrer Arbeit unterstützt. Neue Technologien hätten sich häufig zuerst im beruflichen Umfeld durchgesetzt, bevor sie den Massenmarkt eroberten. Pei erwartet eine ähnliche Entwicklung bei KI: Produktivitätswerkzeuge könnten den Weg für eine breitere Nutzung ebnen.
Eine der größten Schwächen heutiger KI-Systeme sieht Pei im fehlenden Wissen über den Alltag ihrer Nutzer. Selbst wenn Menschen ihre E-Mails, Kalender oder beruflichen Unterhaltungen mit einer KI verknüpfen, müssen sie häufig weiterhin erklären, worum es geht und welche Hintergründe wichtig sind. Erst wenn Systeme diesen persönlichen Kontext besser verstehen, könnten sie ihre Fähigkeiten im Alltag wirklich ausspielen.
Dieser Kontext liege nicht nur in Chatverläufen, sondern in den Werkzeugen, die Menschen täglich verwenden, sowie in Gesprächen, Ideen und Erlebnissen.
Die nächste Generation von KI-Produkten müsse diese Informationen sinnvoll zusammenführen. Dann könnten digitale Helfer Routineaufgaben selbstständiger übernehmen, während Menschen mehr Zeit für kreative und strategische Tätigkeiten hätten.
Pei betont außerdem, dass gute Arbeitstools nicht langweilig aussehen müssen. Funktionalität und Design seien kein Widerspruch. Als Beispiel führt er die Schreibmaschine Olivetti Valentine an, die für ihn zeigt, dass auch Gebrauchsgegenstände Persönlichkeit und gestalterischen Anspruch vermitteln können.
Dass Nothing diese Überlegungen nicht nur theoretisch anstellt, deutet Peis Ankündigung eines neuen Produkts an. Im kommenden Monat soll das erste KI-native Produkt des Unternehmens auf den Markt kommen. Es werde ohne einen zusätzlichen Bildschirm auskommen. Außerdem sei es laut Pei ein Produkt, das sich nicht einfach als App hätte umsetzen lassen.
Was genau dahintersteckt, ließ der CEO offen. Nothing verweist auf seine Kombination aus Hardware- und Softwareentwicklung sowie auf die eigene Designsprache. Das Unternehmen sieht darin eine gute Ausgangslage, um neue Geräte und Werkzeuge für das KI-Zeitalter zu entwickeln. Ob das angekündigte Produkt tatsächlich einen neuen Zugang zur künstlichen Intelligenz eröffnet, wird sich nach der Vorstellung zeigen.