Spiele-Test

Die "Guardians of the Galaxy" rocken jetzt die Switch 2

Fünf schräge Helden, jede Menge Weltraumchaos und ein legendärer Soundtrack. Die "Guardians of the Galaxy" starten auf der Switch 2 neu durch.
04.11.2026, 15:51
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Marvel-Spiele haben nicht immer den besten Ruf. Zwischen großen Namen, bekannten Comicfiguren und aufwendigen Produktionen gab es einige Titel, die hinter den Erwartungen zurückblieben. "Marvel’s Guardians of the Galaxy" gehört zu jenen Spielen, die sich mehr Aufmerksamkeit verdient hätten. Das Action-Adventure von Eidos-Montréal erschien 2021 und setzt auf eine klassische Einzelspieler-Kampagne, in der eine ziemlich chaotische Gruppe von Weltraumhelden im Mittelpunkt steht. Mit der Encore Edition landet das Abenteuer am 5. November 2026 erstmals als native Version auf der Nintendo Switch 2. Das ist bemerkenswert, denn auf der Switch 1 war das Spiel zuvor ausschließlich über Cloud-Streaming verfügbar.

Die neue Ausgabe ist dagegen direkt auf der Konsole spielbar und benötigt während des Abenteuers keine permanente Internetverbindung. Damit bekommt die Geschichte rund um Star-Lord und seine ungewöhnliche Mannschaft einen würdigen Switch-2-Auftritt. Inhaltlich handelt es sich nicht um ein neues Spiel. Die "Encore Edition" bringt die bekannte Kampagne zurück und ergänzt sie um fünf neue Outfits im Glam-Rock-Stil der 1980er-Jahre. Star-Lord, Drax, Gamora, Rocket und Groot bekommen damit einen zusätzlichen optischen Auftritt. Große neue Handlungsstränge oder eine zusätzliche Kampagne solltest du dir davon allerdings nicht erwarten. Der eigentliche Grund für diese Neuauflage ist die Umsetzung für die Switch 2.

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Fünf Helden, fünf völlig unterschiedliche Charaktere

Im Mittelpunkt steht Peter Quill, besser bekannt als Star-Lord. Gemeinsam mit Gamora, Drax, Rocket und Groot bildet er eine Mannschaft, die zwar regelmäßig behauptet, alles unter Kontrolle zu haben, aber erstaunlich oft selbst für das nächste Problem verantwortlich ist. Die Gruppe ist keine perfekt eingespielte Heldentruppe. Vielmehr treffen fünf Persönlichkeiten aufeinander, die sich gegenseitig auf die Nerven gehen, ständig diskutieren und trotzdem zusammenhalten müssen. Die Handlung beginnt vergleichsweise überschaubar. Die Guardians versuchen, mit ihren Aufträgen Geld zu verdienen und ihre finanziellen Probleme in den Griff zu bekommen. Nach einem Job, der nicht ganz nach Plan läuft, geraten sie ins völlige Chaos.

Das klingt nach einer bekannten Superheldengeschichte. Tatsächlich gelingt es dem Spiel aber, daraus eine witzige Erzählung zu machen. Die Figuren orientieren sich zwar an bekannten Eigenschaften aus dem Marvel-Universum, sind aber nicht einfach Kopien ihrer Filmversionen. Besonders stark sind die Dialoge. Die Guardians reden beinahe ständig miteinander. Während der Erkundung neuer Gebiete gibt es Diskussionen, Kommentare zu gefundenen Gegenständen und Sticheleien. Im Kampf wird ebenfalls nicht geschwiegen. Die Mannschaft kommentiert ihre Aktionen, beschwert sich über Fehler und liefert sich verbale Auseinandersetzungen. Das wirkt überraschenderweise nicht wie ein nachträglich eingefügtes Gag-Feuerwerk.

Entscheidungen machen die Gespräche interessanter

Dabei beschränkt sich der Humor nicht auf Rocket, der mit seinen Sprüchen regelmäßig aneckt. Auch Drax, Gamora und Peter bringen ihre ganz eigenen Eigenheiten ein. Groot ist mit seiner eingeschränkten Ausdrucksweise ohnehin eine besondere Erscheinung. Die unterschiedlichen Persönlichkeiten sorgen dafür, dass selbst ruhigere Abschnitte nicht langweilig werden. Das Spiel nimmt seine Geschichte gleichzeitig ernst genug, um emotionalere Momente zuzulassen. Hinter den Witzen stecken Figuren mit Vergangenheit, persönlichen Verlusten und ungelösten Konflikten. Vor allem Peters Erinnerungen und seine Beziehung zu den anderen Mitgliedern der Mannschaft bekommen im Verlauf der Handlung mehr Gewicht.

Ein wichtiger Bestandteil sind die Dialogentscheidungen. Du übernimmst nicht nur die Kontrolle über Star-Lord, sondern musst auch immer wieder für ihn sprechen. In Gesprächen kannst du unterschiedliche Antworten auswählen und damit beeinflussen, wie sich Situationen entwickeln. Nicht jede Entscheidung verändert den Verlauf der Geschichte. Manche haben eher Auswirkungen auf einzelne Begegnungen oder darauf, wie deine Mannschaft auf dich reagiert. Trotzdem machen diese Momente Spaß. Du musst überlegen, ob du die anderen aufmunterst, provozierst oder versuchst, einen Streit zu entschärfen. Das passt zur Rolle von Peter, der zwar der Anführer ist, aber keineswegs immer die richtige Antwort kennt.

Im Kampf gibt Star-Lord den Ton an

Spielerisch ist "Guardians of the Galaxy" ein Action-Adventure aus der Third-Person-Perspektive. Du steuerst ausschließlich Peter Quill. Die anderen Guardians sind zwar ständig dabei, lassen sich aber nicht direkt übernehmen. Das Spiel nutzt ihre Fähigkeiten allerdings auf eine andere Weise. Star-Lord verfügt über zwei Blaster und kann damit Gegner aus der Distanz angreifen. Zusätzlich stehen Nahkampfangriffe und Spezialschüsse zur Verfügung. Im Verlauf der Kampagne kommen weitere Möglichkeiten hinzu. So können bestimmte Schüsse Gegner einfrieren oder elektrische Angriffe auf mehrere Feinde überspringen. Damit entsteht eine überschaubare Auswahl an Angriffen, die du je nach Situation einsetzen kannst.

Die Besonderheit liegt aber in den Befehlen an die anderen Guardians. Du kannst deinen Teammitgliedern sagen, welche Fähigkeiten sie einsetzen sollen. Drax eignet sich etwa dazu, größere Gegner ins Taumeln zu bringen. Gamora verursacht mit ihren Angriffen hohen Schaden, Groot kann Feinde festhalten und Rocket setzt auf Sprengstoff, um mehrere Gegner gleichzeitig zu treffen. Das funktioniert vor allem dann gut, wenn du die Fähigkeiten kombinierst. Ein festgesetzter Gegner lässt sich leichter unter Beschuss nehmen, während Drax größere Widersacher für einen Angriff vorbereitet. Rocket kann wiederum mehrere Feinde auf einmal erwischen, wenn sich diese ungünstig positioniert haben.

Spielerisch ist "Guardians of the Galaxy" ein Action-Adventure aus der Third-Person-Perspektive. Du steuerst ausschließlich Peter Quill.
Eidos Montréal

Gezielte Erkundung statt endloser Spielwelt

Das Kampfsystem bleibt trotzdem zugänglich. Du brauchst keine komplizierten Tastenkombinationen oder lange Einarbeitungszeit. Die Fähigkeiten werden nach und nach eingeführt und lassen sich im Verlauf der Kampagne erweitern. Eine weitere Besonderheit sind die sogenannten Huddles. Wenn sich die entsprechende Anzeige gefüllt hat, kannst du die Mannschaft zu einer kurzen Motivationsrede zusammenrufen. Peter versucht dann, seine Mitstreiter mit Worten wieder auf Kurs zu bringen. Welche Antwort sinnvoll ist, hängt von der Stimmung der Gruppe ab. Triffst du den richtigen Ton, erhält das Team einen zeitlich begrenzten Kampfvorteil. Wenn du danebenliegst, profitiert zumindest Star-Lord von der Aktion.

Abseits der Kämpfe führt dich das Abenteuer über unterschiedliche Planeten und Schauplätze. Dabei handelt es sich nicht um eine offene Spielwelt. Die Abschnitte sind klar aufgebaut und führen dich durch die Geschichte. Dazwischen gibt es genügend Möglichkeiten, die Umgebung zu erkunden, Gegenstände einzusammeln und mit den anderen Guardians zu sprechen. Die Mitglieder der Mannschaft helfen auch bei der Fortbewegung. Ihre Fähigkeiten werden außerhalb der Kämpfe für kleinere Rätsel eingesetzt. Groot kann Wege über Hindernisse schaffen, Drax schwere Gegenstände bewegen und Rocket technische Anlagen bedienen. Gamora wiederum kann mit ihrem Schwert bestimmte Hindernisse überwinden.

Du übernimmst nicht nur die Kontrolle über Star-Lord, sondern musst auch immer wieder für ihn sprechen.
Eidos Montréal

Der Soundtrack ist sein eigener Hauptdarsteller

Nicht jede Passage ist gleich spannend. Manche Wege sind eher dazu da, die Geschichte voranzubringen, während andere mit zusätzlichen Details oder Gesprächen aufwarten. Die lineare Struktur hat aber einen Vorteil: Das Abenteuer verliert sich nicht in einer Welt voller belangloser Nebenaufgaben. Nach dem Abschluss der Handlung gibt es mit New Game Plus einen weiteren Grund für einen Durchgang. Dabei kannst du einen großen Teil deiner bereits freigeschalteten Fähigkeiten, Verbesserungen und Kostüme behalten. Über eine Kapitelauswahl lassen sich außerdem frühere Abschnitte erneut besuchen, um etwa Sammelobjekte zu ergattern. Eine der größten Stärken des Spiels ist indes die Musik.

Die Guardians wären nicht dieselbe Truppe, wenn nicht regelmäßig ein bekannter Rock- oder Pop-Song aus den 1970er- und 1980er-Jahren durch die Lautsprecher dröhnen würde. Mit dabei sind unter anderem Iron Maiden, Kiss, Mötley Crüe, Rick Astley und Bonnie Tyler. Die Auswahl reicht von Rock-Klassikern bis zu Songs, die Erinnerungen an eine andere Zeit wecken. Dazu kommt eine eigens komponierte Orchestermusik sowie ein komplettes Album der fiktiven Lieblingsband von Star-Lord. Sie werden gezielt in bestimmte Situationen eingebaut und begleiten auch die Kämpfe. Auch die Synchronisation trägt entscheidend zum Gesamteindruck bei. Die englischen Originalstimmen verleihen den Figuren viel Persönlichkeit.

Optisch bunt, aber nicht ohne Kompromisse

Die unterschiedlichen Schauplätze gehören zu den visuellen Höhepunkten. Die Galaxie ist alles andere als grau und eintönig. Du bekommst farbenfrohe Umgebungen, ungewöhnliche Kreaturen und eine Reihe von Gegnern, die fantastisch aussehen. Mal dominieren fremdartige Landschaften, dann wieder technische Anlagen oder die Innenräume des Raumschiffs Milano. Auch die Figuren sind detailliert gestaltet. Die Gesichter, Rüstungen und Kostüme tragen dazu bei, dass die Guardians auch in den normalen Spielszenen gut zur Geltung kommen. Besonders die Übergänge zwischen den Zwischensequenzen und dem Spielgeschehen sind gut gelungen. Die Charaktere bleiben dabei optisch präsent und verlieren nicht plötzlich an Ausdruck.

Auf der Switch 2 gibt es zwei Grafikmodi, wenn du die Konsole am Fernseher verwendest. Der Qualitätsmodus zielt auf 1.440p und 30 Bilder pro Sekunde ab. Der Performance-Modus reduziert die Auflösung auf 1.080p und versucht, 40 fps zu erreichen. Im Handheld-Modus liegt das Ziel bei 30 fps. Während des Spiels können allerdings kleinere Ruckler auftreten. Vor allem in aufwendigeren Gefechten kann die Bildrate schwanken. Auch die Kamera und einzelne Bewegungsabläufe sind nicht immer sauber. Das fällt auf, wenn am Bildschirm viele Effekte und Gegner gleichzeitig zu sehen sind. Das bedeutet nicht, dass das Abenteuer unspielbar wäre. Die gelegentlichen Aussetzer sind aber ein klarer Schwachpunkt.

Neue Outfits, aber keine inhaltlichen Neuerungen

Bei den Ladezeiten gibt es ebenfalls Luft nach oben. Der Wechsel zwischen einzelnen Abschnitten und das Laden von Spielständen kann manchmal etwas Zeit beanspruchen. Die "Encore Edition" beschränkt sich indes nicht nur auf die technische Anpassung. Zu den exklusiven Neuerungen gehören fünf Glam-Rock-Outfits für die Hauptfiguren. Die Kostüme orientieren sich am auffälligen Stil der 1980er-Jahre und passen damit zum musikalischen Konzept des Spiels. Für die Handlung selbst haben sie allerdings keine größere Bedeutung. Es handelt sich um optische Ergänzungen, die vor allem Fans der Figuren gefallen dürften. Auch bei der Steuerung gibt es Anpassungen mit Bewegungs- und Maussteuerung der Joy-Con.

Das sind sinnvolle Ergänzungen, die den Möglichkeiten der Konsole Rechnung tragen. Sie verändern das grundsätzliche Spielgefühl aber nicht. Das Abenteuer bleibt ein klassisches Action-Adventure, in dem du Star-Lord steuerst und die anderen Mitglieder der Mannschaft über Befehle einsetzt. Die Joy-Con können bei dem Spiel ihre Stärken ausspielen. Die Rückmeldung beim Schießen und die Möglichkeit, bestimmte Aktionen direkt über die Controller auszuführen, passen gut zum schnellen Kampfsystem. Wer lieber mit einem klassischen Controller spielt, muss sich allerdings nicht umstellen. Die neuen Steuerungsoptionen sind eine Ergänzung und keine Voraussetzung, um das Spiel vernünftig genießen zu können.

Fazit: Für Switch-Fans lohnende Rückkehr der Guardians

"Marvel’s Guardians of the Galaxy: Encore Edition" ist eine zweite Gelegenheit, ein gelungenes Einzelspieler-Abenteuer auf einer weiteren Plattform zu erleben. Die Geschichte hat Herz, die Figuren funktionieren als Mannschaft und der Humor sorgt dafür, dass selbst längere Gespräche unterhaltsam bleiben. Dazu kommt ein Soundtrack, der nicht nur bekannte Songs aneinanderreiht, sondern diese sinnvoll in die Handlung integriert. Das Kampfsystem ist zugänglich und bietet durch die Fähigkeiten der einzelnen Guardians genügend Abwechslung. Es ist nicht besonders komplex, macht aber gerade durch das Zusammenspiel der Figuren Spaß. Die Rätsel und Erkundungsabschnitte lockern die Action auf.

Die Switch-2-Version hat allerdings auch ihre kleinen technischen Schwächen wie eine nicht immer stabile Bildrate oder manchmal längere Ladezeiten. Die fünf neuen Kostüme sind indes eine Ergänzung, aber kein Kaufargument. Wichtiger ist, dass das ursprüngliche Abenteuer nun ohne Cloud-Streaming auf einer Nintendo-Konsole gespielt werden kann. Für Neueinsteiger ist das eine gute Gelegenheit, die Geschichte nachzuholen. Wer das Spiel bereits auf einer anderen Plattform besitzt, bekommt dagegen nur wenige Gründe, noch einmal Geld auszugeben. Gesamt gilt: "Marvel’s Guardians of the Galaxy: Encore Edition" ist ein unterhaltsames Weltraumabenteuer mit starken Figuren, viel Humor und einem hervorragenden Soundtrack.

rfi, 04.11.2026, 15:51
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