Es gibt Spiele, die weit über ihre ursprüngliche Veröffentlichung hinaus Bedeutung haben. "The Legend of Zelda – Ocarina of Time" gehört zweifellos dazu. Als das Abenteuer 1998 für das Nintendo 64 erschien, setzte es Maßstäbe für das Action-Adventure-Genre. Die Mischung aus einer großen Spielwelt, anspruchsvollen Rätseln, spannenden Kämpfen und einer emotionalen Geschichte machte Link zu einer der bekanntesten Figuren der Videospielgeschichte. Fast 28 Jahre später versucht Nintendo, genau dieses Erlebnis für eine neue Generation zugänglich zu machen. Und dafür wurde deutlich mehr getan, als lediglich die Auflösung hochzuschrauben. Die Geschichte bleibt im Kern unangetastet.
Du schlüpfst in die Rolle von Link, einem jungen Kokiri, der zunächst in einem abgeschiedenen Wald aufwächst. Anders als die anderen Bewohner besitzt er keine Fee als Begleiter. Das ändert sich, als Navi auftaucht und ihn im Auftrag des Großen Deku-Baums auf eine gefährliche Reise schickt. Schon bald wird klar, dass hinter den Ereignissen eine viel größere Bedrohung steckt. Ganondorf, der Anführer der Gerudo, verfolgt eigene Pläne und will die Macht des Triforce an sich reißen. Link muss das Königreich Hyrule vor dem Untergang bewahren. Dabei führt ihn sein Weg durch Wälder, Dörfer, Gebirge, Wüsten und geheimnisvolle Tempel. Eine zentrale Rolle spielt die Zeitreise.
Durch das Ziehen des Master-Schwerts im Tempel der Zeit verändert sich Links Leben grundlegend. Sieben Jahre vergehen, und aus dem Kind wird ein erwachsener Held. Gerade diese Geschichte ist ein wesentlicher Grund dafür, weshalb "Ocarina of Time" bis heute unglaublich gut funktioniert. Das Abenteuer erzählt nicht einfach von einem Helden, der einen Bösewicht besiegen muss. Es geht auch um Verlust, Verantwortung und das Erwachsenwerden. Link wird aus seiner vertrauten Umgebung gerissen und muss sich einer Welt stellen, die sich während seiner Abwesenheit verändert hat. Dass diese Geschichte auch nach Jahrzehnten noch funktioniert, ist eine der größten Stärken des Spiels.
Nintendo hat die Handlung nicht wirklich umgeschrieben, ihr aber mehr Raum gegeben. Zusätzliche Dialoge und erweiterte Zwischensequenzen sorgen dafür, dass Figuren und Ereignisse stärker zur Geltung kommen. Entscheidende Begegnungen werden ausführlicher inszeniert. Auch Ganondorf bekommt dadurch mehr Präsenz. Die Geschichte wirkt weniger wie eine Aneinanderreihung von Ereignissen und gewinnt an erzählerischer Dichte. Die auffälligste Veränderung ist natürlich die Grafik. Das ursprüngliche "Ocarina of Time" war für seine Zeit technisch beeindruckend, kann mit heutigen Produktionen aber kaum noch mithalten. Auf der Switch 2 wurde die Welt von Grund auf neu gestaltet.
Nintendo setzt dabei nicht einfach auf realistische Grafik, sondern auf einen eigenständigen, märchenhaften Stil. Link und die anderen Figuren wirken stilisiert. Ihre Proportionen sind teilweise überzeichnet, Gesichter und Kleidung weisen mehr Details auf. Die Gestaltung erinnert stellenweise an handgefertigte Figuren oder eine aufwendig gebaute Theaterkulisse. Das ist eine mutige Entscheidung, denn ein möglichst realistischer Look wäre bei einem Klassiker dieser Bedeutung vermutlich die naheliegendste Variante gewesen. Wälder wirken dicht und verwinkelt, Berge erheben sich eindrucksvoll über die Umgebung und Seen bekommen durch Licht und Spiegelungen eine ganz eigene Stimmung.
Auch die Dungeons profitieren von der neuen Gestaltung. Dunkle Gänge, geheimnisvolle Räume und versteckte Bereiche bekommen mehr Tiefe. Viel Aufmerksamkeit wurde der Beleuchtung gewidmet. Sonnenstrahlen fallen durch Baumkronen, Nebel liegt über Landschaften und Lichtquellen setzen in dunklen Bereichen Akzente. Nicht nur die Ebene von Hyrule, sondern auch andere Gebiete wie Kakariko oder die Umgebung des Hylia-Sees verändern mit dem Tagesverlauf ihr Erscheinungsbild. Nicht jede technische Entscheidung ist allerdings frei von Kritik. Bei der Darstellung von Vegetation und beweglichen Objekten kann es zu sichtbarem Flimmern kommen. Besonders in offenen Bereichen fällt das stärker auf.
Eine der wichtigsten Verbesserungen betrifft die Bedienung. Das Original stammt aus einer Zeit, in der sich die Steuerung von 3D-Spielen noch in einer frühen Entwicklungsphase befand. Viele Mechaniken waren damals neu, wirken aus heutiger Sicht aber umständlich. Das Remake versucht, diese Schwächen zu beseitigen, ohne den grundsätzlichen Charakter des Abenteuers aufzugeben. Besonders hilfreich ist die freie Kamera. Mit dem rechten Analogstick lässt sich die Perspektive bestimmen. Das macht die Orientierung in der Spielwelt einfacher und sorgt auch in Kämpfen für mehr Übersicht. Gerade bei Ausritten auf Epona ist eine frei wählbare Perspektive eine sinnvolle Ergänzung.
Auch Links Bewegungsmöglichkeiten wurden erweitert. Er kann schneller laufen und nun auf Knopfdruck springen. Die grundlegenden Herausforderungen bleiben erhalten, die Fortbewegung fühlt sich aber weniger eingeschränkt an. Eine weitere Verbesserung betrifft die Gegenstände. Im Original musste häufig das Inventar geöffnet werden, wenn Link bestimmte Ausrüstungsgegenstände verwenden sollte. Die Neuauflage bietet praktische Schnellzugriffe. Wichtige Ausrüstung, die Ocarina und weitere Funktionen lassen sich über das Steuerkreuz erreichen. Auch Navi wurde angepasst. Die Fee gehört seit dem Original zu den bekanntesten Begleitfiguren der Reihe, war mit ihren häufigen Zwischenrufen aber nicht immer eine Hilfe.
In der Neuauflage hält sie sich stärker zurück. Du kannst sie bei Bedarf um Unterstützung bitten, musst aber nicht ständig mit ungefragten Hinweisen rechnen. Zusätzlich kann sie bei bestimmten Entdeckungen helfen und Informationen zu geheimnisvollen Inschriften liefern. Nintendo hat auch die Dungeons nicht einfach unverändert übernommen. Räume wurden umgestaltet, Verbindungen verändert und manche Rätselpassagen gekürzt. Dazu kommen zusätzliche Wege und Abkürzungen. Das betrifft auch bekannte Schauplätze wie den Waldtempel und den Wassertempel. Wer das Original in- und auswendig kennt, sollte deshalb nicht davon ausgehen, jede Lösung noch genau im Kopf zu haben, sie ist aber linearer.
Das bedeutet nicht, dass die Rätsel plötzlich anspruchslos werden. Du musst weiterhin aufmerksam suchen, Mechaniken verstehen und die Umgebung richtig nutzen. Allerdings fällt der Weg durch die Dungeons insgesamt übersichtlicher und kompakter aus. Gerade hier könnte es unterschiedliche Meinungen geben. Wer das Original liebt, weil es Spielerinnen und Spieler auch einmal in Sackgassen schickt und zum genauen Erkunden zwingt, könnte manche Vereinfachung als Verlust empfinden. Wer hingegen die alten Tempel grundsätzlich mochte, aber mit einigen unnötig langen Passagen wenig anfangen konnte, dürfte die Anpassungen begrüßen. Auch die Geschichte profitiert von einer besseren Übersicht.
Ein zusätzlicher Questüberblick in Form eines Wandteppichs hilft dabei, den aktuellen Fortschritt und zuletzt verfolgte Ziele im Auge zu behalten. Die Spielwelt wurde ebenfalls an einigen Stellen verändert. Bestimmte Fundorte von Sammelobjekten sind nicht mehr identisch mit jenen aus dem Original. Dazu kommen neue Details und veränderte Wege. Die Goldenen Skulltulas, die zu den bekanntesten Sammelaufgaben gehören, lassen sich daher nicht mehr ausschließlich mit alten Lösungswegen aufspüren. Auch wirtschaftlich gibt es eine kleine, aber durchaus relevante Änderung. Links Geldbörse fasst zu Beginn nun 200 statt 100 Rubine. Dadurch kann er früher größere Einkäufe erledigen.
Wer "Ocarina of Time" kennt, weiß, welchen Stellenwert die Musik in diesem Abenteuer hat. Die Melodien gehören zu den bekanntesten der gesamten Zelda-Reihe. Das Titelthema, die Musik der verschiedenen Dörfer und natürlich die Stücke, die Link auf seiner Ocarina spielt, sind eng mit den Erinnerungen an das Original verbunden. Für die Switch 2 wurde der Soundtrack teilweise mit einem Orchester neu aufgenommen. Die bekannten Melodien bleiben erkennbar, bekommen aber mehr Instrumente und eine breitere Klangkulisse. Das sorgt dafür, dass manche Szenen deutlich größer und dramatischer wirken. Gleichzeitig wurde darauf geachtet, den ursprünglichen Charakter der Musik nicht zu verlieren.
Auch bei der Sprachausgabe hat sich einiges getan. Erstmals bekommen zahlreiche wichtige Figuren eine richtige deutsche Synchronisation. Nicht sämtliche Dialoge sind vertont, aber zentrale Szenen werden dadurch wesentlich stärker inszeniert. Link selbst bleibt hingegen stumm. Der Name des Spiels kommt außerdem nicht von ungefähr. Die Ocarina ist weit mehr als ein Gegenstand im Inventar. Sie ist ein zentrales Werkzeug, mit dem Link bestimmte Ereignisse auslösen und neue Möglichkeiten freischalten kann. Die erlernten Melodien beeinflussen unter anderem das Wetter, den Tagesverlauf und verschiedene Mechaniken innerhalb der Spielwelt. Für die Neuauflage hat Nintendo auch diese Funktion erweitert.
Du kannst die bekannten Lieder weiterhin klassisch über die Tasten des Controllers spielen. Zusätzlich lässt sich das Mikrofon der Switch 2 verwenden. Statt die Töne über den Controller einzugeben, kannst du die Melodien summen oder sogar ein eigenes Instrument verwenden. Das ist eine ungewöhnliche Ergänzung, die gut zum Charakter des Spiels passt. Allerdings sollte man die Funktion nicht mit einem vollständigen Musikspiel verwechseln. Sie ist eine zusätzliche Möglichkeit, die bekannten Melodien einzusetzen. Die klassische Steuerung bleibt weiterhin verfügbar und ist damit auch für jene Spielerinnen und Spieler eine sichere Wahl, die lieber auf die gewohnte Bedienung setzen.
Bei einem Remake eines derart bekannten Spiels stellt sich die Frage, ob die ursprünglichen Stärken überhaupt noch ausreichen. Schließlich hat sich das Genre seit 1998 massiv verändert. Große offene Spielwelten, umfangreiche Nebenaufgaben und komplexe Kampfsysteme sind keine Besonderheit mehr. Viele Titel bieten mehr Bewegungsfreiheit und eine größere Auswahl an Aktivitäten. "Ocarina of Time" verfolgt einen anderen Ansatz. Das Abenteuer setzt auf eine strukturierte Geschichte und eine Spielwelt, die erst erschlossen wird. Das sorgt für einen Wechsel zwischen Erkundung, Rätseln und Kämpfen. Auch die beiden Lebensabschnitte von Link sorgen für Abwechslung. Als Kind und Erwachsener gibt es unterschiedliche Erlebnisse.
"The Legend of Zelda – Ocarina of Time" ist mehr als ein hübsch gemachtes Grafik-Update. Nintendo hat an vielen Stellen eingegriffen und versucht, die sehr wenigen Schwächen des Originals auszubessern, ohne dessen besondere Atmosphäre zu verlieren. Die überarbeitete Spielwelt, die neue Kameraführung, die modernisierte Steuerung und die zusätzlichen Dialoge verändern das Erlebnis deutlich stärker, als es zunächst den Anschein hat. Weniger Umwege und eine bessere Orientierung machen das Abenteuer für heutige Spieler zugänglicher. Gleichzeitig bleibt der Anspruch erhalten, selbst nach Lösungen zu suchen und die Umgebung zu untersuchen. Dass Nintendo dabei nicht jede alte Eigenheit beseitigt, ist durchaus positiv.
Die neue Musik und die Sprachausgabe geben der Geschichte zusätzlichen Ausdruck. Nicht jede Neuerung wird bei langjährigen Fans Begeisterung auslösen. Wer das Original bis ins Detail kennt, muss sich auf veränderte Abläufe und ungewohnte Entscheidungen einstellen. Trotzdem stimmt die Richtung. Nintendo behandelt "Ocarina of Time" nicht wie ein altes Spiel, das lediglich eine neue Oberfläche benötigt, sondern als Abenteuer, dessen grundlegende Ideen auch heute noch funktionieren. Die Geschichte von Link, Zelda und Ganondorf hat nichts von ihrer Bedeutung verloren. Und die Reise durch Hyrule bietet weiterhin genau jene Mischung aus Entdeckung, Spannung und Rätseln, die den Klassiker berühmt gemacht hat.