Ein Mann steht vor einem Videospielgeschäft, hinter ihm ein riesiges Poster der Anime-Figur Son Goku. Plötzlich springt ihm ein Angreifer mit einem Tritt in den Rücken. Die Aufnahmen, die am 17. Oktober bei Ausschreitungen in der französischen Stadt Nizza entstanden, gingen im Netz viral. Jetzt ist aus der Szene sogar ein eigenes Videospiel geworden.
Der französische Entwickler Gwendall hat mit "Streets of Nice" ein kostenloses 3D-Beat-'em-up im Stil der 1990er-Jahre veröffentlicht. Bei diesem klassischen Prügelspiel schlüpfen Spieler in die Rolle eines Geschäftsführers, der seinen Videospielshop gegen Plünderer verteidigen muss.
Hinter dem ungewöhnlichen Projekt steckt ein persönlicher Beweggrund. In einem Mail an die "Heute"-Redaktion erklärt Gwendall, wie sehr ihn die Ereignisse beschäftigt haben. "Die Plünderungen von Videospielläden, besonders am Boulevard Voltaire in Paris, haben mich sehr getroffen. Auch die Bilder des Ladenmitarbeiters in Nizza sind mir im Gedächtnis geblieben."
Mit dem Spiel wollte er seine Gefühle verarbeiten. "Streets of Nice entstand daraus: meine Art, diese Wut in ein fiktives Arcade-Spiel zu verwandeln, geprägt von den Spielen, die ich liebe", schreibt der Entwickler an "Heute".
In "Streets of Nice" geht es ordentlich zur Sache: Mit Schlägen, Tritten und allerlei Gegenständen müssen sich Spieler gegen immer neue Angreifer wehren. Sogar Konsolen, Bürosessel und Motorroller lassen sich als Waffen einsetzen.
Eine besondere Anspielung auf das echte Video gibt es ebenfalls: Wird die Spielfigur von hinten getreten, verwandelt sie sich in den "Super Manager" mit goldenen Haaren. Eine klare Hommage an die bekannte Anime-Serie "Dragon Ball".
Gwendall betont allerdings, dass sowohl der Held als auch das Geschäft namens "Megazone" frei erfunden sind. "Die Gegner sind Plünderer, keine friedlichen Demonstranten", stellt der Entwickler in seinem Pressematerial klar.
Besonders bemerkenswert: Das Spiel entstand laut Entwickler innerhalb weniger Tage. Dabei setzte Gwendall auch auf künstliche Intelligenz, etwa bei der Erstellung von Grafiken, 3D-Modellen und Stimmen.
Die Kämpfe gestaltete er hingegen selbst, ebenso die Musik. "Ich arbeite seit zwanzig Jahren in der Technik und entwickle meine eigenen Produktionswerkzeuge und Abläufe, mit KI in Teilen der Produktion", schreibt er an "Heute". Für den Soundtrack entwickelte er sogar eine eigene Kompositionsengine, die den Klang alter Sega-Konsolen nachbildet.
Wer selbst zum virtuellen Ladenverteidiger werden will, kann "Streets of Nice" direkt auf streetsofnice.com spielen. Das Spiel funktioniert im Browser auf Handy und Computer, ist kostenlos und kommt ohne Werbung oder Registrierung aus.
Auch Spenden will Gwendall mit seinem Projekt nicht sammeln. "Ich teile ein Spiel und sammle für niemanden Geld", betont er in seinem Pressematerial. Falls jemand unter dem Namen des Spiels Geld sammelt, habe das nichts mit dem Entwickler zu tun.