500 Soldaten nach Mailand

Nach schweren Plünderungen – Meloni schickt die Armee

Nach schweren Krawallen in Mailand will Giorgia Meloni 500 zusätzliche Soldaten einsetzen. Unter den Randalierern sind auffallend viele Minderjährige.
20.10.2026, 12:04
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Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni greift nach den schweren Ausschreitungen in Mailand durch. Am Dienstag soll ihr Kabinett ein neues Sicherheitsdekret beschließen. Geplant sind 500 zusätzliche Soldaten, die für zunächst drei Monate erweiterte Polizeibefugnisse erhalten sollen. Diskutiert wird auch, dass sie Gewalttäter auf frischer Tat festnehmen dürfen.

Zudem will Meloni den vorbeugenden Polizeigewahrsam auf Minderjährige ausweiten und nachträgliche Festnahmen erleichtern. Einige Maßnahmen sind wegen verfassungsrechtlicher Bedenken umstritten.

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Schon jetzt Hunderte Soldaten im Einsatz

Dabei patrouilliert das Militär in Mailand längst. Seit 2008 läuft die Operation "Strade Sicure" (Sichere Straßen), bei der Soldaten Bahnhöfe und gefährdete Einrichtungen bewachen und die Polizei unterstützen. Bereits 2024 waren in Mailand mehr als 800 Militärangehörige stationiert. Die aktuelle Zahl ist nicht bekannt.

Doch wo waren die Soldaten bei den Krawallen? Bereits im September 2025 wurde der Mailänder Hauptbahnhof bei einer Pro-Palästina-Demonstration teilweise verwüstet. Rund 60 Polizisten und Carabinieri wurden verletzt. Von einem Eingreifen der zum Schutz des Bahnhofs eingesetzten Soldaten war in den Berichten keine Rede.

Auch bei den jüngsten Ausschreitungen rund um den Dom waren vor allem Polizeieinheiten im Einsatz. Soldaten waren vor, während oder nach der ausführlich auf Video dokumentierten Krawalle und Plünderungen in der Mailänder Innenstadt keine zu sehen. In aktuellen italienischen Medienberichten über die Ausschreitungen werden Soldaten nicht erwähnt.

Millionenschaden, Luxusgeschäfte schließen

Am Wochenende zogen vermummte Jugendliche plündernd durch Mailands Innenstadt. Sie schlugen Schaufenster ein, verwüsteten Geschäfte und lieferten sich Straßenschlachten mit der Polizei, die Wasserwerfer und Tränengas einsetzte.

Der Handelsverband Confcommercio schätzt den Schaden auf mehr als eine Million Euro. Aus Angst vor weiteren Krawallen schließen selbst Luxusgeschäfte im berühmten Modeviertel vorzeitig. Am Montag sperrten unter anderem Chanel und Hermès bereits am frühen Nachmittag zu.

Acht von zehn Angehaltenen minderjährig

Besonders alarmierend: Von 271 Personen, die allein am Sonntag zur Polizei gebracht wurden, waren rund 80 Prozent minderjährig. Insgesamt gab es fast 50 Festnahmen. Unter den Randalierern sollen sogar Elf- und Zwölfjährige gewesen sein. Auch am Montag nahm die Polizei am Domplatz einige Minderjährige fest, die gegen das dortige Versammlungsverbot verstießen.

Viele Jugendliche waren eigens aus Mailänder Vororten und umliegenden Städten angereist. Über soziale Netzwerke verbreiteten sich Aufrufe und Videos der Krawalle. Hinweise auf eine einheitlich organisierte Jugendbande gibt es bisher nicht.

Als mögliches Vorbild gelten auch die gewaltsamen Jugendproteste in Frankreich, deren Bilder im Internet kursieren. In Italien gab es ebenfalls Schülerproteste, allerdings ist ein organisatorischer Zusammenhang mit den Plünderungen nicht nachgewiesen.

Falschmeldungen schüren Angst

Zusätzlich verunsichern Falschmeldungen die Millionenstadt. In Chatgruppen kursieren unbelegte Warnungen vor angeblichen Gruppenvergewaltigungen, Messerattacken und Brandanschlägen auf Universitäten. Auch von rechtsextremen Gruppen, die Jagd auf Ausländer machen würden, ist die Rede. Belege dafür gibt es nicht.

Die Angst ist dennoch groß: Geschäfte sperren früher zu, manche Eltern begleiten ihre Kinder persönlich zur Schule. Während Meloni mit zusätzlichen Soldaten gegen die Gewalt vorgehen will, ist das Sicherheitsgefühl vieler Mailänder längst erschüttert.

NW, 20.10.2026, 12:04
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