Absurde Planwirtschaft

"Es ist zu spät"! Bauer Markus rechnet mit Minister ab

Burgenland-Landwirt Markus Holzschuster übt scharfe Kritik. Er musste seinen "Boden vergewaltigen", um die Vorschriften des Ministeriums einzuhalten.
Newsdesk Heute
16.08.2026, 22:25
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Staubwolken am Acker, trockene Erde und ein Landwirt, dem sichtbar der Kragen platzt: Markus Holzschuster aus dem Burgenland sorgt mit deutlichen Worten für Aufsehen.

Ausgangspunkt ist ein Video, das der junge Farmfluencer am 6. August veröffentlichte: "Ich bin der Markus und ich mach heute was komplett Unnötiges", bergüßt er darin die Zuseher, während er mit seinem Traktor einen völlig vertrockneten Acker umgräbt – riesige Staubwolke inklusive.

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Der Grund für seinen Ärger: Holzschuster ist Bio-Landwirt und im System Immergrün. Nach seinen Angaben müsse er zwischen Hauptfrucht und Zwischenfrucht eine Frist von 30 Tagen einhalten – "egal was ist". Genau das sei bei der aktuellen Trockenheit das Problem.

"Mir tut das Herz weh, weil so viel Erde davonfliegt", sagt Holzschuster, während hinter seinem Traktor eine massive Staubwolke aufsteigt. Er habe Rotklee, Buchweizen, Ölrettich, Phacelia und weitere Pflanzen in der Mischung. Doch es fehlt an Wasser. "Was soll da keimen?", fragt der Landwirt.

"Das bringt gar nichts, was ich da tue"

Holzschuster beschreibt die Situation als Teufelskreis. Die Begrünung müsse in die Erde, weil die Frist laufe. Gleichzeitig sei der Boden so trocken, dass die Saat nicht aufgehe. Das extrem trockenheitsresistente Unkraut keime trotzdem, wodurch später wieder Bodenbearbeitung nötig werde. Dann fliege erneut Erde davon.

"Das bringt gar nichts, was ich da tue", sagt er. Und weiter: "Ich muss aber meine 30 Tage einhalten, also muss ich fahren, egal ob es regnet oder nicht."

Grundsätzlich gilt beim System Immergrün: An jedem Tag des Jahres müssen mindestens 85 Prozent der Ackerfläche entweder mit Hauptkulturen oder Zwischenfrüchten begrünt sein. Offener Boden wird nur dann trotzdem als begrünt gewertet, wenn zwischen der Ernte einer Hauptkultur und dem Anbau einer Zwischenfrucht höchstens 30 Tage liegen – oder zwischen zwei Hauptkulturen maximal 50 Tage.

Ein paar Tage später legt Holzschuster nach – diesmal vor dem Landwirtschaftsministerium in Wien. Das erste Video habe bereits 580.000 Aufrufe erreicht, sagt er. Seine Kritik richtet sich nun direkt gegen Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP).

Dieser hatte erst am 12. August per Erlass die Immergrün-Fristen gelockert. "Diese maximal 30 und 50 Tage dürfen überschritten werden, wenn ein Anbau pflanzenbaulich aufgrund der Dürre keinen Sinn macht bzw. technisch aufgrund der Bodenbeschaffenheit oder sonstiger Widrigkeiten gar nicht möglich ist", meldet die Landwirtschaftskammer Niederösterreich dazu.

Für Holzschuster kam diese Regelung viel zu spät. Er rechnet sein eigenes Beispiel vor: Am 9. Juli habe er Gerste gedroschen. Bis 8. August habe er Zeit gehabt, die Immergrün-Begrünung anzubauen. Erst vier Tage danach folgte die Ausnahmeregelung. Sein Fazit fällt hart aus: "Es ist zu spät! Die Maßnahme bringt nichts mehr."

"Diese Planwirtschaft funktioniert nicht"

Holzschuster kritisiert, dass viele Betriebe das Saatgut zu diesem Zeitpunkt bereits ausgebracht hätten. Er spricht von verschwendetem Diesel, Zeit und einer unnötigen Belastung für den Acker. In der Trockenheit sei es "unbeschreiblich aufwendig", den Boden zu bearbeiten. "Dadurch, dass ich das alles gemacht habe, habe ich den Boden vergewaltigt."

Seine Berufskollegen hätten ihm geraten, einfach aus dem System auszutreten. Holzschuster stellt aber klar: "Ich will gar nicht austreten!" Er wolle seinen Boden verwurzeln, Erosion verhindern, ihn beschatten und Wasser speichern. Gerade auf teils steilen Feldern im Mittel- und Südburgenland sei das wichtig.

Sein Vorwurf lautet daher nicht, dass die Begrünung sinnlos sei. Sondern, dass starre Fristen in extremen Wetterlagen nicht funktionieren. "Diese kalendermäßige Planwirtschaft, das funktioniert nicht", sagt Holzschuster.

Sein Vorschlag: Bauern sollten melden, wann sie angebaut haben und wann sie die Zwischenfrucht umbrechen. Der Zeitraum dazwischen solle vergütet werden – unabhängig davon, wie lange die Begrünung steht. So könnten Landwirte selbst entscheiden, ob ihr Boden überhaupt in der Lage ist, eine Zwischenfrucht zu entwickeln.

{title && {title} } red, {title && {title} } 16.08.2026, 22:25