Die Liste an Stimmen aus der heimischen Musikszene zum Skandal um Christopher Seiler wird immer länger – und sie fällt deutlich aus. Allen voran meldet sich Ernst Molden zu Wort, ein langjähriger Wegbegleiter von Christopher Seiler. In einem ausführlichen Posting stellt der Schriftsteller, der eigentlich aktuell an einem gemeinsamen Album arbeitete, klar: "Die Frau hat ihn völlig zu Recht angezeigt. Er hat, sowohl bei der Einvernahme als auch uns gegenüber, alles zugegeben und sich entschuldigt."
Den Vorfall nennt er "furchtbar" und ergänzt: "Ich habe ihm gesagt, dass ich ihm sein Bereuen glaube, mir dennoch wünsche, dass er sein Leben ordnet und das g‘schissene Gift darin loswird." Konsequenzen folgen ebenfalls: "Wir wollten es Ende April veröffentlichen, das tun wir jetzt nicht. Wir wollen es nicht in dieser im Augenblick tobenden, öffentlichen Schlacht hervorbringen." Konzerte sollen vorerst auch nicht mit Seiler stattfinden.
Das Management des Austro-Popstars erklärte nun außerdem in einer Aussendung, der Sänger würde sich in eine "mehrwöchige, professionell begleitete Therapie" begeben.
Die Musikszene brodelt allerdings. Besonders eindringlich äußern sich die Poxrucker Sisters auf Social Media. Sie widersprechen dem Applaus rund um die öffentliche Seiler-Entschuldigung von vielen Fans deutlich: "Es ist kein heroischer Akt, sich nach einem übergriffigen Vorfall öffentlich zu entschuldigen. Es ist bare Minimum."
Stattdessen richten sie den Fokus auf Betroffene: "Die wahren Heldinnen? Frauen, die sich trotzdem trauen, Übergriffe zu melden." Dabei werden sie noch grundsätzlicher und schreiben: "Für ihn ist es ein Kampf mit Dämonen, für Frauen sexistische Realität." Auch gegen Relativierungen finden sie klare Worte: "Wer das sagt, hat nichts verstanden."
Auch Ina Regen meldet sich zu Wort – und trifft mit ihrem Statement einen wunden Punkt. Sie spricht offen von "Doppelmoral" und erklärt: "In der Musikbranche – wie in der Gesellschaft insgesamt – gelten für Männer und Frauen unterschiedliche Regeln." Männer könnten sich als "unperfekte Menschen" inszenieren, während ihre Entschuldigungen als "Mut" gefeiert würden.
Unterstützung bekommt sie dafür aus der Szene: Revelle, Marten, Tina Naderer und Birgit Denk spenden öffentlich Beifall in den Kommentaren, während Conchita Wurst, Die Mayerin, Avec und Julian Le Play ihr Posting außerdem mit Likes versehen.
Auch "Dancing Stars"-Gewinnerin Missy May meldet sich mit deutlichen Worten in ihrer Instagram-Story zu Wort. In mehreren Slides schildert sie ohne Namensnennung den Ablauf und betont: "Vor einigen Tagen wurde bekannt, dass ein bekannter Musiker – für den selbstverständlich die Unschuldsvermutung gilt – einer Frau Kokain verabreicht haben soll – ohne ihre Zustimmung."
Besonders hinterfragt sie vor allem den Umgang mit Seilers Statement danach: "Was mich an diesem Video jedoch wirklich irritiert, ist der Eindruck, dass hier versucht wird, etwas glattzubügeln, weil es an die Öffentlichkeit gelangt ist." Zwar sei eine Entschuldigung grundsätzlich richtig, doch in diesem Fall wirke sie "eher wie ein Versuch, den entstandenen Schaden zu begrenzen".
Deutlich wird sie auch beim Blick auf die Reaktionen: "Was mich jedoch wirklich erschüttert, sind die Kommentare unter diesem Video – erschreckenderweise häufig von Frauen." Und weiter stellt sie klar: "Dieser Mensch ist nicht 'arm'. Es handelt sich um einen erwachsenen Mann, der genau weiß, dass Handeln Konsequenzen hat."
Musiker Slomo, der als bekannter Songwriter hinter etlichen Chartstürmern aus Österreich steckt, findet ebenfalls klare Worte und bringt die Kritik auf den Punkt: "Wir haben unzählige Künstler im Land, die keine Frauen in den Schwitzkasten nehmen, um ihnen Drogen zu verabreichen. Wir haben unzählige Künstler im Land, die Frauen respektieren und wertschätzen. Wir haben unzählige Künstler im Land, die sich nicht für Drogen-Eskapaden entschuldigen müssen, weil es keine gibt."
Du oder jemand, den du kennst, benötigt Hilfe in Bezug auf psychische, körperliche oder sexuelle Gewalt?
Hier findest du sie:
Frauenhelpline (rund um die Uhr, kostenlos): 0800 222 555
Männernotruf (rund um die Uhr, kostenlos): 0800 246 247
Rat auf Draht: 147
Autonome Frauenhäuser: 01/ 544 08 20
Gewaltschutzzentren: +43 1 585 32 88
Weisser Ring: 0800 112 112
TelefonSeelsorge – Notruf 142 (täglich 0-24 Uhr)
Und weiter: "Respekt und Anstand sind kein Bonus. Es ist ein Minimum!" Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgt zudem Rainhard Fendrichs Sohn Florian, der direkt unter Seilers Posting sehr deutlich seine Meinung zum "Ham kummst"-Interpreten kommentiert: "Ehrlich ja, trotzdem ein H**enkind."