EU-Kommission will Natur vor dem Kollaps retten

Das Murnauer Moor ist das größte lebende Moor Mitteleuropas. Das Schutzgebiet liegt nördlich von Garmisch-Partenkirchen und dem Staffelsee in Südbayern.
Das Murnauer Moor ist das größte lebende Moor Mitteleuropas. Das Schutzgebiet liegt nördlich von Garmisch-Partenkirchen und dem Staffelsee in Südbayern.Getty Images/iStockphoto
80 Prozent der Lebensräume sind nach Angaben der EU-Kommission in einem schlechten Zustand. Ein großes Klimaschutzpaket soll gegensteuern.

Die EU-Kommission hat ein umfassendes Paket für mehr Umwelt- und Klimaschutz vorgelegt, das unter anderem den Verbrauch von Pestiziden bis 2030 halbieren soll. Ein weiteres Vorhaben zielt darauf ab, beschädigte Naturlandschaften wiederherzustellen: So sollen trockengelegte Moore wieder vernässt und Wälder aufgeforstet werden. Ein weiteres Ziel: mehr Grün auch in Städten. Klimaschutzministerin Leonore Gewessler (Grüne) begrüßte die Initiative.

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Die Wiederherstellung von Feuchtgebieten, Flüssen, Wäldern, Ökosystemen in Meeren, aber auch von Natur in städtischen Umgebungen sei eine entscheidende Investition in Ernährungssicherheit, Gesundheit und Wohlbefinden, erklärte die Brüsseler Behörde. Rund 80 Prozent der europäischen Lebensräume befänden sich in einem schlechten Zustand.

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Die Vorhaben müssen nun vom Europaparlament und den EU-Staaten diskutiert werden. Wenn ein Kompromiss gefunden wird, können sie geltendes Recht werden.

Lebensräume schützen und wieder herstellen

Zur Renaturierung sollen etwa mehr Mischwälder entstehen und bis 2050 fünf Prozent mehr Grünflächen in Städten. 70 Prozent der entwässerten, landwirtschaftlich genutzten Moorgebiete sollen bis dahin zudem wiederhergestellt werden.

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"Wir müssen dabei einen Schritt weitergehen - nicht nur Pflanzen und Tiere schützen, sondern auch ihren Lebensraum wiederherstellen. Gefährdete Ökosysteme sollen wieder in einen guten Zustand gebracht werden. Genau dafür sorgen diese Gesetzesvorschläge und das ist wichtig", betonte Gewessler. In Österreich gehe man deshalb hier voran, so die Klimaschutzministerin. "Unsere Biodiversitätsstrategie soll vorsehen, dass bis 2030 ein Drittel der gefährdeten Ökosysteme wieder in einem guten Zustand sind. Hier gibt es viel zu tun - und dieser Rückenwind von EU-Ebene wird uns dabei helfen."

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Die geplanten Gesetze sind eine große Chance, "wir müssen sie ergreifen, bevor die Klima- und Biodiversitätskrise weiter außer Kontrolle gerät", sagte Arno Aschauer, Biodiversitätsexperte beim WWF Österreich. Bei einigen Schwachstellen müsse dafür aber bis zum Beschluss noch nachgebessert werden.

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Zum Beispiel mangele es bei der Sanierung von Flüssen und Feuchtgebieten an ambitionierten und messbaren Zielen. "Die Bundesregierung muss sich für ein starkes EU-Gesetz mit verbindlichen Zielen einsetzen und schon jetzt ihre nationalen Hausaufgaben machen. Zum Beispiel hängt die neue Biodiversitätsstrategie immer noch in der Warteschleife und es fehlt weiterhin ein klarer Umsetzungsplan", so Aschauer.

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EU will Gebrauch von Pestiziden halbieren

Bereits 2020 hatte die EU-Kommission das Ziel vorgestellt, den Einsatz von Pestiziden bis 2030 zu reduzieren. Am Mittwoch legte sie nun den konkreten Gesetzesvorschlag vor. Grundlage für die Halbierung der Pestizide ist die durchschnittlich verkaufte Menge aus den Jahren 2015, 2016 und 2017.

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Bei den Pestizidvorgaben sollen Unterschiede zwischen den EU-Ländern berücksichtigt werden. Staaten, die schon jetzt strenge Regeln haben, müssten den Verbrauch weniger reduzieren als jene, die viel Pestizide einsetzen. Die Untergrenze liege bei einer Reduzierung von 35 Prozent, so die EU-Kommission. Die Behörde behalte sich vor, einzugreifen, wenn ein nationales Ziel nicht ehrgeizig genug wäre.

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Pestizide lassen sich nach Angaben der Kommission etwa einsparen, indem alternative Schädlingsbekämpfungsmittel entwickelt und eingesetzt werden und die ökologische Landwirtschaft ausgebaut wird. Eine weitere Möglichkeit sei, gefährlichere Pestizide ganz vom Markt zu nehmen.

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