Der frühere Burgenländer Landeshauptmann Hans Niessl überdenkt aktuell einen Schritt, der wohl bereits in Wien und im SPÖ‑Umfeld für jede Menge Gesprächsstoff und ein kleines Polit-Beben sorgt: Der 74‑jährige Ex‑Politiker denkt in der "Krone" laut darüber nach, bei der Bundespräsidentenwahl 2028 anzutreten. Was viele überrascht: Für seine geplante Kandidatur will Niessl offenbar nicht unbedingt auf die volle Unterstützung seiner Partei bauen.
Der Ex-Burgenland-Landeshauptmann sprach davon, auch "gegebenenfalls als überparteilicher Kandidat" ins Rennen zu gehen. Damit signalisiert er, dass er über klassische Parteigrenzen hinaus Unterstützer suchen will – und setzt auch gleich einen Seitenhieb auf die Bundes-SPÖ unter Partechef und Vizekanzler Andreas Babler. Die SPÖ steckt seit Längerem in inneren Diskussionen um Führung und Ausrichtung.
Nicht zuletzt nach der ausgeprägten Mitgliederbefragung zur Parteispitze 2023, bei der verschiedene Richtungen aufeinandertrafen, brodelt es bei den Roten unverändert. Niessl sorgt aber wohl nicht nur mit seinen Antrittsplänen für Aufregung, sondern auch mit einer Kickl-Ansage, wie die "Krone" berichtet. Seine Worte: "Falls Herbert Kickl auch bei der nächsten Wahl mit der FPÖ Platz 1 erreichen würde, dann bekäme er natürlich den Regierungsbildungsauftrag."
Niessl ist vielen noch als langjähriger Landeschef des Burgenlandes bekannt, wo er von 2000 bis 2019 regierte und auch in Koalitionsfragen nicht immer den Parteipfad strikt verfolgte – Stichworte "Rot-Blau" im Burgenland. Nach seinem Rückzug aus der Landespolitik übernahm Niessl 2019 das Ehrenamt als Präsident der Dachorganisation Sport Austria und wurde dort mit starker Zustimmung bestätigt.
In dem Interview stellte Niessl auch seine Vorstellungen vom Amt des Bundespräsidenten dar: Er möchte Präsenz in den Regionen zeigen, Begegnungen mit Bürgermeistern und Bürgern stärker in den Fokus rücken und weniger "im Elfenbeinturm" agieren. Politische Beobachter sehen in Niessls Schritt einen möglichen Versuch, sich als überparteiliche Persönlichkeit zu positionieren – fernab der klassischen Parteipolitik und mit Blick auf breite Wählergruppen.
"Heute" fragte zu der möglichen Niessl-Kandidatur beim aktuellen Burgenland-Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) nach. "Hans Niessl hat sich als langjähriger Landeshauptmann und Landesparteivorsitzender große Verdienste erworben", so Doskozil. "Er ist eine Persönlichkeit, die über Parteigrenzen hinweg Anerkennung genießt. Dass er sich mit einer möglichen Präsidentschaftskandidatur beschäftigt, ist eine persönliche Entscheidung, die er sich sicher gut überlegt hat. Die Bundespartei wäre gut beraten, diese Option ernsthaft zu prüfen und nicht leichtfertig vom Tisch zu wischen."