Experte: "Zahlen könnten im Herbst Rekordwerte erreichen"

Sollte sich die Lage weiterhin so entwickeln, könnten laut Experte Klimek Rekordwerte verzeichnet werden. (Symbolbild)
Sollte sich die Lage weiterhin so entwickeln, könnten laut Experte Klimek Rekordwerte verzeichnet werden. (Symbolbild)RICHARD BOUHET / AFP / picturedesk.com
Die vierte Welle hat Österreich erwischt. Sollte sich die Lage weiterhin so entwickeln, könnten laut Experte Klimek Rekordwerte verzeichnet werden.  

Dass Österreich sich inmitten einer vierten Corona-Welle befindet, kann inzwischen nicht mehr abgestritten werden. Seit über zwei Wochen befinden sich die Zahlen der neu verzeichneten Fälle im Steigflug. Ebenso schnellen die Zahlen der belegten Krankenhausbetten in die Höhe. Zuletzt meldete etwa Kärnten, dass jetzt schon Operationen verschoben werden müssten und nur noch wenige freie Intensiv-Betten zur Verfügung stünden. 

Am Freitag wurden fast 1.800 neue Corona-Fälle verzeichnet. Zudem befinden sich aktuell 543 Covid-Patienten in krankenhäuslicher Behandlung. Davon werden 149 auf Intensivstationen betreut.

Wie heftig wird vierte Welle?

Nun setzen sich Simulationsforscher und Corona-Experten mit der Frage auseinander, wie hoch die vierte Welle sein und wie man ein Abflachen der steigenden Kurve herbeiführen kann. Hiermit hat sich unter anderem etwa Komplexitätsforscher Peter Klimek (Science Hub Vienna) beschäftigt. In einem Interview mit der "Kleinen Zeitung" schilderte er ein Szenario, welches bei gleichbleibendem Trend eintreffen könnte.

"Es ist möglich, dass wir bei den Neuinfektionen im Laufe des Herbstes Rekordwerte verzeichnen", so seine Prognose.

Im Moment sei schließlich eine ungünstige Entwicklung zu beobachten. Neben den steigenden Infektionszahlen und dem Anstieg der Spitalspatienten, wirke sich auch die stagnierende Impfrate negativ auf das Infektionsgeschehen aus. Auch die abnehmende Bereitschaft, sich an die Hygienemaßnahmen zu halten, bereite Probleme.

"Es ist möglich, dass wir bei den Neuinfektionen im Laufe des Herbstes Rekordwerte verzeichnen", so Klimek.
"Es ist möglich, dass wir bei den Neuinfektionen im Laufe des Herbstes Rekordwerte verzeichnen", so Klimek.HELMUT FOHRINGER / APA / picturedesk.com

Delta ansteckender

Derzeit könne man aufgrund der Impfungen aber noch "eine höhere Anzahl an Neuinfektionen als vor einem Jahr aushalten", so der Vergleich zu vorigem Jahr. Allerdings gebe es auch hier ein "Aber".

Die Basisreproduktionszahl liegt im Gegensatz zur damals dominierenden Alpha-Variante bei Delta bei acht. Das bedeutet, dass eine infizierte Person bis zu acht weitere anstecken kann. Bei der Alpha-Variante lag der R0-Wert vergleichsweise bei 3 bis 4. 

 Aber: "Es ist noch nicht abschließend geklärt, ob Delta auch mehr schwere Verläufe verursacht“, schildert Klimek.

Daher sei es schwer vorherzusagen, wie genau sich die Situation in den Krankenhäusern, insbesondere auf den Intensivstationen, entwickeln wird. Sollte sich der zuletzt zu beobachtende Trend aber fortsetzen, so "könnten auch die Intensivstationen wieder in die Knie gezwungen werden", prognostiziert Klimek. 

3 Methoden gegen 4. Welle

Der vierten Welle müsse daher der Kampf angesagt werden. Hierfür sieht der Experte drei Methoden:

➤ Massive Erhöhung der Impfrate
➤ Intensivierung der Schutzmaßnahmen 
➤ Natürliche Durchseuchung 

Sofern keine weiteren Maßnahmen zu den bereits bestehenden gesetzt werden, wird es über kurz oder lang auf die dritte Methode hinauslaufen – eine natürliche Durchseuchung. 

"Die vierte Welle wird dann eine veritable Welle, die dann aber abflacht, weil das Virus nicht mehr so viel Holz zu verbrennen hat."

Sprich: all jene, die noch nicht geimpft sind, werden sich früher oder später infizieren. "Das wäre dann das Pandemieende durch natürliche Immunisierung." Die Folgen seien aber nicht abzuschätzen, denn es wird Menschen geben, die an dem Virus versterben und auch Menschen, die an Long Covid erkranken werden. Eine genaue Zahl könne man jedoch noch nicht nennen.

Masken und Abstand

Damit die Lage aber nicht eskaliert, müsse rechtzeitig gehandelt werden. So empfiehlt Klimek: "Es sollte eher früher als später wieder auf Masken und Abstand gesetzt werden, auch um das Risikobewusstsein wieder zu erhöhen."

Ob und welche Maßnahmen kommen, wird im Rahmen einer Expertenrunde kommenden Mittwoch besprochen. Im Gespräch sind eine Rückkehr zur FFP2-Maskenpflicht oder sogar eine Einführung der 1G-Regel. Mehr dazu hier >>

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