Prozess am Wiener Landl gegen ein mutmaßliches Mitglied einer Bande von "falschen Polizisten". Die 37-Jährige soll Teil einer Betrugsorganisation gewesen sein, die sich gezielt ältere Menschen in Österreich als Opfer ausgesucht haben soll.
Laut Anklage war die Österreicherin als sogenannte "Keilerin" tätig. Sie soll von einem Callcenter in Istanbul aus mit Opfern in Österreich telefoniert haben. Dabei habe sie sich als Polizistin ausgegeben und behauptet, es gebe konkrete Gefahren – etwa bevorstehende Einbrüche oder korrupte Bankmitarbeiter.
Die Angerufenen seien massiv unter Druck gesetzt worden. Ziel sei es gewesen, sie zur Übergabe von Bargeld und Schmuck zu bewegen – nun war am Donnerstag (19.2.) Prozesstermin. Die Angeklagte kam mit Star-Anwältin Astrid Wagner. Mitgliedschaft in einer kriminellen Organisation und schwerer Betrug lauteten die Vorwürfe. "Meine Mandantin wird sich nicht schuldig bekennen", so Wagner.
Laut Anklage war die Bande arbeitsteilig und streng hierarchisch organisiert. In der Türkei saßen die Telefonisten, die systematisch Opfer kontaktiert haben sollen. Die Rufnummern wurden "gespooft", also technisch manipuliert. Parallel dazu standen "Abholer" im Inland bereit. Der Schaden in Österreich soll enorm sein: Laut Ermittlern beläuft er sich auf mindestens 400 Fälle mit über 19 Millionen Euro. Die tatsächliche Summe dürfte noch höher sein.
Am Donnerstag sagte nur ein Polizist als Zeuge aus. Gleich vier Zeugen blieben der Verhandlung fern. Skurill: Laut Richter war eine Zeugin aus einem Gefängnis verschwunden, sie dürfte mutmaßlich bei einem Freigang untergetaucht und nicht in die Justizanstalt zurück gekehrt sein. Details wurden aber am Donnerstag am Landesgericht nicht weiter ausgeführt.
Die 37-Jährige bestreitet alle Vorwürfe, hat aber schon mehrere Vorstrafen wegen Betrugs angesammelt. Im Fall einer Verurteilung drohen der Frau bis zu fünf Jahre Haft. Der Prozess wurde auf März vertagt, die Unschuldsvermutung gilt!