Mehr als fünf Wochen lang lebte ein rund 250Kilo schwerer Schwarzbär im Keller des Hauses von Ken Johnson in Altadena bei Los Angeles. Der Besitzer war am Ende: Kratzen, Rumpeln und schweres Atmen unter den Bodenbrettern raubten ihm den Schlaf – und die Nerven.
Johnson hört immer genau, wann der Bär "zu Hause" ist, denn er sagte gegenüber der CNN-Nachrichtensendung "Inside Edition", dass es dann klingt, als wäre ein Drache im Keller.
Der Bär hatte sich kurz nach Thanksgiving, also Ende November, durch ein kleines Fenster gequetscht und es sich im Kriechkeller, also einem halbhohen Bereich unter dem Erdgeschoss, gemütlich gemacht. Dabei beschädigte er Heizungsrohre und womöglich auch eine Gasleitung – Johnson drehte vorsichtshalber das Gas ab.
Er informierte die Wildtierbehörde von Kalifornien, die daraufhin wochenlang versuchte, das Tier zu vertreiben. Doch egal ob Lärm durch Laubbläser oder Signalhörner – oder sogar der Einsatz eines Paintball-Gewehres – führte nicht zum gewünschten Erfolg. Mit einer speziellen Duftfalle, die nach Kirschen und Karamell roch, fing man stattdessen einen anderen Schwarzbär ein, der durch die Gegend streifte.
Dass sich so viele Bären in der Gegend aufhalten, ist kein Zufall. Einerseits wuchs das Siedlungsgebiet der Millionenstadt Los Angeles in den letzten Jahrzehnten immer weiter nach Norden in das an sich dicht bewaldete Waldgebiet der San Gabriel Mountains.
Andererseits – und das ist ebenfalls eine Folge des rücksichtslosen Siedlungsbaus – sorgten die schweren Waldbrände von 2025 nicht nur für tausende abgebrannte Häuser, ganz besonders auch in den Vororten Altadena und Pasadena; Auch zahlreiche Wildtiere wurden vertrieben. Seit den Waldbränden wurden bereits mehrfach Bären gemeldet, die sich in Vorgärten herumtrieben oder durch Kellerfenster krochen.
Kenneth Johnson war am Ende seines Lateins, als die Behörden die Vertreibungsversuche aufgaben. Er drohte sogar, das kalifornische Ministerium für Fisch und Wildtiere zu verklagen, nachdem ihm mitgeteilt wurde, dass es ihm nicht mehr helfen werde. "Wenn ich alles, was ich versucht habe, mitgezählt hätte, stünde es 14:0 für den Bären", sagte Johnson Ende Dezember zum Lokalsender KTLA.
"Ich bin einfach nur noch erschöpft von der ganzen Sache", sagte er. "Ich kann kurz abschalten, und dann überkommt es mich plötzlich wieder: 'Ach ja, stimmt, ich kann ja gar nicht heiß duschen.'"
Und so wandte sich Johnson an die Bären-Helfer der NGO "Bear League" aus Lake Tahoe in Südkalifornien. Das brachte schließlich die Wende: Vergangenen Donnerstag kroch einer der Einsatzleiter von der anderen Seite unter das Haus – und vertrieb den Bären mit gezielten Schüssen aus einem Paintball-Gewehr. Der Plan ging auf: Das Tier flüchtete durch das Kellerfenster.
Um eine Rückkehr zu verhindern installierten die Profis eine elektrische Abschreckmatte vor dem Eingang. Als der Bär zwei Nächte später zurückkehren wollte bekam er einen leichten Stromschlag – vergleichbar mit den auch in Österreich bekannten Stromzäunen auf Weiden – und zog weiter.
„Ich konnte es nicht fassen, wie schnell das ging. Die Jungs sind reingegangen, sind hinter ihm hergekrochen und bumm, war er draußen.“Kenneth JohnsonKTLA, 8. Jänner 2026
Für Johnson ist die Sache noch nicht ganz vorbei. Er leidet nicht nur unter den physischen Schäden an seinem Haus, die tausende Dollar betragen dürften, sondern musste auch gesundheitlich und emotional viel durchstehen. Deshalb hat er eine GoFundMe‑Spendenkampagne gestartet, um die Reparatur‑ und Sicherungskosten zu stemmen. Von den angestrebten 13.000 Dollar hat er bereits 10.000 erreicht.
Und die Nachbarschaft bleibt aufmerksam: In unmittelbarer Nähe entdeckte ein anderer Anwohner nur wenige Tage später erneut einen Bären unter dem eigenen Haus – ob es derselbe war, ist unbekannt. Bewohner schließen deshalb vorsorglich Kriechräume und Keller ab.