Soll das lustig sein?

Finger in Bolognese: Skandal-Influencer vor Gericht

Mit falschen Lebensmittelkontrollen wurde "Langlebepapa" im Internet bekannt. Jetzt sitzt der Influencer selbst auf der Anklagebank.
03.11.2026, 18:22
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk

Was im Internet für Klicks und Gelächter sorgen sollte, hat für den deutschen Influencer "Langlebepapa" nun ernste Konsequenzen.

Am Freitag musste sich der 33-Jährige vor dem Amtsgericht Hamburg verantworten. Der Vorwurf: Er soll sich wiederholt als Lebensmittelkontrolleur ausgegeben, Mitarbeiter in Imbissen vorgeführt und die heimlich aufgenommenen Szenen anschließend im Internet veröffentlicht haben.

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen

Besonders kurios ist eines der Videos, die im Kontext des Verfahrens bekannt wurden. Darin steckt der Influencer seinen Finger in einen Behälter mit Bolognese, leckt ihn ab und taucht ihn anschließend erneut in die Soße.

Mitarbeiter mit Thermometer untersucht

Doch damit nicht genug.

In einem weiteren Video, das laut der "taz" auch im Gerichtssaal gezeigt wurde, tritt der Influencer im weißen Kittel und mit einem Klemmbrett auf. Er gibt sich als Kontrolleur aus und lässt einen Mitarbeiter eines Imbisses verschiedene Anweisungen befolgen. Dabei misst er mit einem Infrarotthermometer nicht nur die Temperatur an dessen Stirn, sondern auch am Rücken und am Gesäß.

Der Mitarbeiter scheint die vermeintliche Kontrolle ernst zu nehmen. Die Aufnahmen wurden später auf Social Media veröffentlicht.

Vor Gericht plötzlich reumütig

Im Gerichtssaal zeigt sich der Influencer nun von einer anderen Seite. Wie der NDR berichtet, räumte der 33-Jährige die ihm vorgeworfenen Taten zum Prozessauftakt ein.

Sein Anwalt erklärte, der Influencer habe mit seinen Videos ursprünglich auf Missstände aufmerksam machen wollen.

Laut "taz" entschuldigte sich Langlebepapa sogar persönlich bei einer betroffenen Frau: "Wenn ich Sie hier so sitzen sehe und sehe, wie sehr es Sie mitnimmt, dann tut es mir richtig leid", erklärte er demnach.

Den Geschädigten ließ er über seinen Anwalt jeweils 1.000 Euro Entschädigung anbieten.

Schon einmal verurteilt

Für den Influencer ist es nicht die erste Begegnung mit der Justiz. Bereits im Juni wurde er vom Amtsgericht Hamburg wegen ähnlicher Vorfälle zu einer Geldstrafe von 3.000 Euro verurteilt. Nun geht es unter anderem um Amtsanmaßung, unerlaubte Aufnahmen und mögliche Verletzungen von Persönlichkeitsrechten.

Auch der Vorwurf, ein Gespräch mit einem Arzt heimlich aufgenommen und veröffentlicht zu haben, ist Gegenstand des neuen Verfahrens.

Richter will wissen, woher das Geld kommt

Besonders interessant: Beim nächsten Gerichtstermin soll es auch um die finanziellen Verhältnisse des Influencers gehen.

Bei der früheren Geldstrafe waren 150 Tagessätze zu je 20 Euro festgelegt worden. Das entspricht rechnerisch einem monatlichen Nettoeinkommen von rund 600 Euro. Der Richter möchte nun laut "taz" unter anderem mehrere Bargeldeinzahlungen sowie die Einnahmen aus einer Spendenaktion näher untersuchen.

Für seine rechtlichen Auseinandersetzungen hatte Langlebepapa zuvor im Internet um finanzielle Unterstützung gebeten. Dabei kamen laut dem Bericht bereits mehr als 37.000 Euro zusammen.

Plötzlich sind seine Videos weg

Kurz vor dem Prozess verschwanden zudem zahlreiche Inhalte von seinen Social-Media-Kanälen.

Auf die Frage, warum er seine Accounts geschlossen habe, erklärte der Influencer laut "taz", er wolle nicht, dass sich sein Leben nur noch darum drehe, Strafen zu bezahlen. Der Kanal mache ihm unter diesen Umständen keine Freude mehr.

Wie es für Langlebepapa weitergeht, ist noch offen.

Der Prozess soll am 13. November fortgesetzt werden. Ein Urteil im aktuellen Verfahren steht noch aus.

red, 03.11.2026, 18:22
Weitere Storys