Ob Muskelaufbau, Hyrox oder CrossFit: Kraftsport liegt im Trend. Die Zahl der Mitglieder in österreichischen Fitness- und Gesundheitsanlagen stieg von rund 1,13 Millionen im Jahr 2022 auf etwa 1,35 Millionen im Jahr 2025. Das entspricht einem Plus von 19 Prozent.
Mit der Begeisterung nimmt allerdings auch die Zahl der Verletzungen zu. Laut der Unfalldatenbank KFV IDB Austria mussten zwischen 2016 und 2019 jährlich durchschnittlich rund 2.000 Menschen nach Kraftsport-Unfällen im Spital behandelt werden. Zwischen 2022 und 2025 waren es bereits rund 3.400 pro Jahr – ein Anstieg um etwa 70 Prozent. Allein 2025 wurden in Österreich rund 3.300 Verletzte nach Unfällen beim Kraftsport im Spital behandelt.
Auffällig ist das Alter der Betroffenen: 52 Prozent der Verletzten waren 2025 zwischen 15 und 29 Jahre alt. Die größte Gruppe bildeten die 20- bis 24-Jährigen mit 22 Prozent. Dahinter folgten die 15- bis 19-Jährigen mit 16 Prozent und die 25- bis 29-Jährigen mit 14 Prozent.
Soziale Medien und Fitness-Influencer können vor allem junge Menschen dazu motivieren, häufiger und intensiver zu trainieren. Doch mehr Training bedeutet nicht automatisch mehr Fortschritt. Wer seinem Körper zu wenig Erholung gönnt, riskiert Überlastungen und Verletzungen.
Die häufigsten Verletzungen waren 2025 Muskel- und Sehnenverletzungen. Sie machten rund 44 Prozent der Fälle aus. Knochenbrüche folgten mit rund 41 Prozent. Besonders oft betroffen waren Hände und Füße sowie Schultern und Knie.
Die Ursachen sind vielfältig: Neben Überlastung und falscher Bewegungsausführung kommt es auch zu Stürzen von Trainingsgeräten. Nicht ausreichend gesicherte Gewichte sowie Unfälle beim Ablegen und Wechseln von Hantelscheiben können ebenfalls gefährlich werden.
Dr. Johanna Trauner-Karner, Leiterin des Bereichs Sport- und Freizeitsicherheit im KFV, sieht den Kraftsport-Trend grundsätzlich positiv. Entscheidend sei jedoch, die Übungen richtig auszuführen: "Das Training soll natürlich fordernd sein, aber nicht nur darauf abzielen, möglichst schnell möglichst schwere Gewichte zu bewegen. Um Verletzungen zu vermeiden, sollte das Gewicht nur so weit gesteigert werden, dass die Bewegung weiterhin korrekt und kontrolliert ausgeführt werden kann."
Professionelle Anleitung könne sowohl Einsteigern als auch Fortgeschrittenen helfen, Fehler frühzeitig zu erkennen und zu korrigieren.
Auch intensive Trainingsformen wie Hyrox, CrossFit und HIIT werden beliebter. Sie verbinden häufig Kraft, Ausdauer und Geschwindigkeit. Gerade bei Gruppenworkouts kann dabei der Druck entstehen, mit den anderen mitzuhalten.
"In der Gruppe entsteht schnell der Anreiz, mit anderen mitzuhalten. Wer bereits ermüdet ist, kann komplexe Bewegungen jedoch schlechter kontrollieren und stabilisieren. Wer merkt, dass die Kräfte nachlassen, sollte Tempo oder Intensität reduzieren – auch wenn die anderen schneller, schwerer oder intensiver trainieren", betont Trauner-Karner.
Um Verletzungen vorzubeugen, empfiehlt das KFV, vor dem Training mit Mobilitätsübungen zu starten und bei Geräten zumindest einen Aufwärmsatz einzuplanen. Neue Übungen sollten zunächst mit moderater Belastung und sauberer Technik erlernt werden. Gewicht und Trainingsumfang gilt es anschließend schrittweise zu steigern.
Wichtig ist außerdem, auf die Signale des eigenen Körpers zu achten: Lassen die Kräfte nach, sollten Tempo und Intensität reduziert werden. Bei Schmerzen oder Schwindel muss das Training sofort abgebrochen werden. Zwischen anstrengenden Einheiten braucht der Körper ausreichend Zeit zur Erholung. Auch der Trainingsplan sollte zum eigenen Fitnesslevel und zur Anzahl der Trainingstage pro Woche passen.
Wer neu einsteigt oder komplexe Übungen ausführt, kann von professioneller Anleitung profitieren. Das gilt laut KFV auch für Fortgeschrittene. Zusätzlich sollten Hantelscheiben mit geeigneten Verschlüssen gesichert werden. Bei Übungen mit schweren Gewichten kann eine zweite Person zur Absicherung sinnvoll sein.