"Kein Spaß, das ist Ernst"

Frau bestellt am Notruf Pizza: Beamtin versteht sofort

Eine 18-Jährige wird in einem Uber in Gelsenkirchen sexuell belästigt. Mit einer ungewöhnlichen Pizzabestellung alarmiert sie heimlich die Polizei.
15.10.2026, 16:53
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Es ist ein Samstag gegen 4.30 Uhr früh, als bei der Polizei im deutschen Gelsenkirchen ein ungewöhnlicher Notruf eingeht. Eine junge Frau (18) möchte eine Pizza bestellen. Was zunächst wie ein Scherz klingt, ist in Wahrheit ein verzweifelter Hilferuf.

Die 18-Jährige ist an jenem 23. Juli mit einem Uber von Bochum nach Gelsenkirchen unterwegs. Während der Fahrt soll sie der 35-jährige Fahrer aus Düsseldorf sexuell belästigt und gegen ihren Willen berührt haben. Weil sie nicht offen sprechen kann, wählt sie den Polizeinotruf 110 und gibt vor, Essen bestellen zu wollen.

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Polizistin erkannte Notlage an der Stimme

"Hallo, ich möchte gerne eine Pizza bestellen nach Buer", erinnert sich die an jenem Tag diensthabende Beamtin der Notruf-Leitstelle im Gespräch mit dem "Spiegel".

Im ersten Moment dachte sie an einen blöden Scherz. "Aber der Gedanke dauerte vielleicht eine Millisekunde", so die Beamtin. "An der Stimme hörte ich schon, dass es nicht so ein Anruf war. Dass das Mädchen verzweifelt war. Ich überlegte sofort: Wenn sie so sprechen muss, kann sie nicht frei reden."

Sie fragte die junge Frau nach der Adresse, woraufhin diese antwortete: "Das ist kein Spaß, das ist Ernst. Wir sind in vier Minuten da."

Sexuelle Belästigung im Uber

Außerdem erwähnte sie in leisem Flüsterton, offenbar vom Fahrer abgewandt: "Hier ist noch ein Mann. Ich bin in einem Uber. Und die Pizza…" – "Und Sie möchten, dass wir dazukommen?" – "Genau".

Gegen 4.40 Uhr wird ein Streifenwagen losgeschickt. Die Polizisten treffen praktisch gleichzeitig mit dem Uber ein. Der 35-jährige Fahrer wird vor Ort angetroffen und angezeigt, darf zunächst aber wieder gehen. Ihn erwartet ein Strafverfahren.

"Dieses Mädchen hat so gut gehandelt"

In einem Interview mit dem "Spiegel" erinnert sich die Polizistin nun an den ungewöhnlichen Einsatz. Besonders beeindruckt ist sie vom Verhalten der 18-Jährigen: "Dieses Mädchen hat so gut gehandelt."

Dass sie während des Telefonats nicht genauer nachfragte, hatte einen Grund: Der Fahrer hätte den versteckten Hilferuf bemerken können. Deshalb blieb sie bis zum Schluss in ihrer Rolle als vermeintlicher Pizzadienst.

Polizei gibt Tipps für Notsituationen

Die Polizei betont, dass auch ungewöhnliche Aussagen auf eine Bedrohung hinweisen können. Wer nicht offen sprechen kann, sollte trotzdem den Notruf wählen, möglichst in der Leitung bleiben und auf Fragen antworten.

In Österreich erreichst Du die Polizei unter 133, in Deutschland unter 110. Der Euronotruf 112 funktioniert in beiden Ländern.

Eine Pizza wurde in dieser Nacht nicht geliefert. Dafür kam genau die Hilfe, die die 18-Jährige dringend brauchte.

NW, 15.10.2026, 16:53
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