Rechnerisch nicht möglich

Für Energie-Importe: EU soll Trump 750 Mrd. Euro zahlen

Von der Leyen und Trump einigen sich auf einen Handelsdeal. Die EU soll Energie in Mega-Mengen kaufen. Rechnerisch geht sich das aber nicht aus.
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28.07.2025, 16:21
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Der Deal zwischen der EU und den USA ist da – Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und US-Präsident Donald Trump verkündeten nach einem Treffen in Schottland, wie die Handelsbeziehungen in Zukunft zu ordnen sind.

Seitens der EU gibt es dabei zahlreiche Eingeständnisse: Laut Trump verpflichte sich die Europäische Union dazu, Energie im Wert von satten 750 Milliarden Euro zu kaufen und 600 Milliarden Euro in den USA zu investieren. Zum Vergleich und für eine leichtere Einordnung der Zahlen: Österreichs Budget für das Jahr 2025 sieht Ausgaben in der Höhe von etwas mehr als 120 Milliarden Euro vor.

Insgesamt sollen von der EU also über eine Billion Euro in die USA fließen – dafür senkt Trump die zuvor bei 30 Prozent angesetzten Strafzölle auf 15 Prozent herab. Für Stahl und Aluminium soll zudem weiterhin ein Zollsatz von 50 Prozent gelten, generelle Ausnahmen von den Zöllen soll es für einzelne Güter wie Flugzeuge, bestimmte pharmazeutische Produkte und kritische Rohstoffe geben.

750 Milliarden Euro für Energie

Auf einen ersten Blick scheint es, als würde es einen klaren Verlierer und einen Sieger geben. Immerhin bekommt die EU nichts außer eine Senkung der Zölle und muss dafür aber auch noch zahlen. Fix ist die Abmachung zwischen von der Leyen und Trump aber noch nicht, es kann sich noch einiges ändern.

Darüber hinaus gibt es Zweifel, ob es überhaupt möglich ist, dass die EU überhaupt so viel Energie aus den USA importieren kann. Die besagten 750 Milliarden Euro sind nämlich auf eine Zeitspanne von drei Jahren aufgeteilt. Jährlich soll es also 250 Milliarden Euro durch Energie-Käufe der Europäischen Union in die USA fließen.

Rechnerisch kaum möglich

Dass die EU aber jährlich diese Energie-Massen importiert, scheint nämlich rechnerisch unmöglich zu sein. Denn nicht nur für die EU dürfte es schwer sein, die Importmenge abzudecken, sondern auch die amerikanischen Hersteller könnten erhebliche Probleme bei der Produktion dieser Massen bekommen.

"Selbst wenn es der EU gelänge, ihre Energieimporte aus den USA auf die Marke von 250 Milliarden Dollar pro Jahr zu steigern, würde dies auch die Energieströme im Rest der Welt massiv beeinträchtigen", heißt es weiter in der Berechnung von Reuters.

Allein bei den Rohöl-Importen zeigt sich, dass die USA nur einen überschaulichen Teil des Einkaufs ausmacht. Insgesamt importierten die 28-Mitgliedsstaaten 2024 nämlich 3,38 Milliarden Barrel Rohöl über den Seeweg.

Aus den USA stammten dabei 573 Millionen Barrel – das entspricht einem Wert von 40,1 Milliarden Dollar. Hinzu kommen noch 21,78 Milliarden Dollar an Flüssigerdgas-Importe aus den USA, sowie Kohle um 2,67 Milliarden Dollar.

190 Milliarden Euro Mehrausgaben

Summa summarum: Rechnet man den Wert der EU-Importe von US-Rohöl, Flüssigerdgas und metallurgischer Kohle zusammen, ergibt sich für das Jahr 2024 ein Gesamtwert von rund 64,55 Milliarden US-Dollar. Das ist weit entfernt von dem ausgehandelten Ziel.

Würden die internationalen Abnahmen aus anderen Ländern unverändert bleiben und nur die US-Importe von Öl, Flüssigerdgas und Kohle auf 250 Milliarden Euro ansteigen, würde dies 85 Prozent ihrer Gesamtausgaben für diese Energierohstoffe ausmachen.

Gesamter Export der USA zu niedrig

Hinzu kommt aber auch, dass die USA das Volumen an Energieträgern nicht exportieren können. 2024 lag der Gesamtwert des Exports aller drei Energierohstoffe bei 165,8 Milliarden Dollar. Selbst wenn die EU das gesamte Volumen kaufen würde, käme sie damit immer noch nicht auf die 250 Milliarden Dollar.

Fix ist aber noch nichts, denn bei den Rahmenbedingungen zwischen Trump und von der Leyen gibt es einige Vorbehalte. Einerseits sind noch nicht alle Einzelheiten bekannt und in den 250 Milliarden Dollar Energie soll auch Kernbrennstoff enthalten sein. Andererseits wird das Abkommen vermutlich auch raffinierte Kraftstoffe umfassen, so Reuters.

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