Im Streit um die Kosten für Gastpatienten sorgte nun Gesundheitsökonom Ernst Pichlbauer bei einem Hintergrundgespräch der ÖVP Niederösterreich für Aufregung. Die Stadt Wien komme mit ihren "extremen Ausgaben" nicht zurecht, so Pichlbauer. Das habe "nichts mit der Erbringung von Leistungen für Patientinnen und Patienten aus anderen Bundesländern zu tun, so der Gesundheitsökonom. Er halte das Vorgehen der Stadt Wien für "verfassungswidrig" – wir berichteten.
Die Aussagen von Pichlbauer feuern den Streit zwischen Wien und NÖ um die Gastpatienten erneut an. "Spitzenmedizin gibt es nicht zum Nulltarif", heißt es aus dem Büro von Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SP). Wien liege bei den Kostensteigerungen im Spitalsbereich im Vergleich zu anderen Bundesländern im Durchschnitt. Gleichzeitig erbringe die Bundeshauptstadt deutlich mehr komplexe Leistungen, kontert man den Aussagen aus Niederösterreich.
So würden in Wien zwei bis drei Mal so viele intensivmedizinische Leistungen erbracht werden als in Niederösterreich – bei ähnlicher Bevölkerungsgröße. Besonders deutlich sei das bei Kindern: 54 Prozent aller intensivmedizinischen Leistungen für niederösterreichische Kinder bis 14 Jahre erfolgen in Wien. Diese Versorgung gebe es rund um die Uhr – und sie kostet entsprechend.
"Während Wien investiert und die medizinischen Bedürfnisse seiner Bevölkerung genau im Blick hat, streicht Niederösterreich Versorgungspunkte, schließt Spitäler wie in Gmünd oder zahlreiche Notarztstandorte wie in Purkersdorf in der Meinung, dass Wien diese selbst verschuldeten und größer werdenden Versorgungslücken ohne Weiteres abdeckt", heißt es aus dem Büro des Gesundheitsstadtrats.
Insgesamt investierte die Stadt Wien in den vergangenen acht Jahren fast drei Milliarden Euro in die Spitäler, weitere 2,4 Milliarden sind in den nächsten vier Jahren geplant. Gleichzeitig baue die Stadt Wien die ambulante Versorgung aus und decke damit im Spitals- und niedergelassenen Bereich die Versorgung der gesamten Bevölkerung ab – inklusive Gastpatienten. Niederösterreich schaffe das nur zu 74 Prozent, in manchen Bereichen wie der Kinderintensivmedizin sogar nur zu etwas mehr als einem Drittel.
Die Stadt Wien will die Kosten nicht alleine tragen, fordert Ausgleichszahlungen für Patienten aus den Bundesländern, die in Wien behandelt werden. Bürgermeister Michael Ludwig (SP) setzt sich seit Längerem für eine umfassende Reform des heimischen Gesundheitswesens ein. Kern des Vorschlags ist die Zusammenfassung der Bundesländer zu vier überregionalen Gesundheitsregionen in Österreich.