Die Feiertage endeten für Hubert Reiterer alles andere als ruhig. Der 72-Jährige aus Pöllau kämpfte rund um Weihnachten mit heftigen grippeähnlichen Beschwerden. Husten, Fieber und Schüttelfrost setzten ihm massiv zu. "So einen Husten habe ich noch nie gehabt", schildert der Oststeirer gegenüber der "Kleinen Zeitung".
Zunächst versuchte er, die Tage mit Hausmitteln zu überstehen. Als sich keine Besserung einstellte, wandte er sich am 26. Dezember an die Gesundheitsberatung 1450. "Es dauert ewig, bis man da jemanden erreicht", erzählt Reiterer der Tageszeitung. Eine Ärztin gab ihm Tipps zur Selbstbehandlung, doch auch das brachte keine Linderung.
Am nächsten Tag fuhr er deshalb zu einer Ärztin nach Dechantskirchen. Dort sei laut Reiterer alles abgeklärt worden. "Als Medikament habe ich ein kleines Flascherl bekommen, das war aber bald aufgebraucht", wird der Oststeirer in der "Kleinen Zeitung" zitiert. Nachschub musste her.
Da die behandelnde Ärztin im Feiertags-Urlaub war, ging Reiterers Frau am Montag ins Gesundheitszentrum Pöllau. Dort wurde sie jedoch abgewiesen. "Es hieß, wir sollen wieder dorthingehen, wo wir das Medikament bekommen haben", berichtet der 72-Jährige gegenüber der Tageszeitung. Da das nicht möglich war, versuchte das Ehepaar erneut Hausmittel und wandte sich sogar an die Apotheke.
Ein weiterer Anlauf im Gesundheitszentrum brachte erneut kein Ergebnis. Die Anweisung lautete, am 31. Dezember wiederzukommen. Trotz seines schlechten Zustands raffte sich Reiterer an diesem Tag auf und ging gemeinsam mit seiner Frau erneut hin.
Vor Ort hing laut Reiterer eine Tafel mit den anwesenden Ärzten. "Da erwarte ich mir schon etwas. Aber es war nur ein Arzt da", sagt der Oststeirer zur Tageszeitung. Bis zu diesem kam der Oststeirer allerdings nicht. Bereits an der Rezeption wurde er wieder abgewiesen, es seien zu viele Patienten da. Dabei habe er lediglich eine Abklärung für ein Rezept gebraucht.
"Und was sollen wir jetzt tun?", fragte Reiterer die Mitarbeiterin. Die Reaktion habe ihn laut "Kleine Zeitung" fassungslos gemacht: "Sie hat nur mit den Achseln gezuckt." Man solle sich wieder an 1450 wenden. "Frustriert und verärgert haben wir dieses Zentrum verlassen", sagt er heute noch. Erst am 2. Jänner konnte ihn sein Hausarzt wieder versorgen.
Gesundheitlich geht es dem 72-Jährigen mittlerweile besser, der Ärger ist geblieben. "Das Gesundheitszentrum ist neu, aber ist nicht da, wenn man es braucht", kritisiert er. Auch mit dem System insgesamt geht er hart ins Gericht: "Das Gesundheitssystem in Österreich ist momentan ein Wahnsinn. Sie sagen immer, man soll nicht ins Krankenhaus fahren, aber so wird man dazu gezwungen."
Bertram Gangl, Geschäftsführer des Gesundheitszentrums Joglland, zu dem auch der Standort Pöllau gehört, erklärt die Situation gegenüber der Tageszeitung so: "Von Weihnachten bis zum 6. Jänner war es mühsam für unsere drei Standorte. Vor allem die Fenstertage." Man habe offenhalten müssen, während viele niedergelassene Ärzte geschlossen hatten. "Da ist dann ein enormer Ansturm. Es entsteht ein Patientenstau."
In solchen Situationen müsse priorisiert werden. "Wenn ein Patient nur ein Rezept braucht, kann man ihn nicht durchlassen. Es gibt andere, die brauchen dringender einen Arzt", stellt er in der "Kleinen Zeitung" klar. Laut Gangl hätte es Alternativen gegeben: "Hätte er einen Befund mitgehabt, oder hätte es eine E-Medikation gegeben, hätte das Rezept auch die Assistentin übernehmen können."
Für Hubert Reiterer bleibt trotz Genesung ein bitterer Nachgeschmack - und die Frage, wohin man sich wenden soll, wenn Hilfe dringend gebraucht wird.