Die unscheinbare Raupe wird für immer mehr Menschen zum Gesundheitsproblem: Der Eichenprozessionsspinner breitet sich derzeit in Österreich stark aus. Besonders rund um Eichen droht Gefahr, denn seine giftigen Brennhaare können schwere Hautreaktionen, Atemprobleme und sogar allergische Schocks auslösen.
Die schwarz-grauen Raupen sind nur wenige Zentimeter lang, doch ihre Wirkung hat es in sich. Ab einem bestimmten Entwicklungsstadium bilden sie tausende giftige Brennhaare aus. Diese brechen leicht ab und werden bei trockenem, warmem Wetter vom Wind oft hunderte Meter weit getragen.
Besonders tückisch: Die feinen Härchen verhaken sich in Haut und Schleimhäuten. Dort setzen sie ein Reizprotein Thaumetopoein frei, das heftige Reaktionen auslösen kann: "Allergien, Hautausschläge, schmerzhafte Bläschen, Augenentzündungen und Atembeschwerden und im schlimmsten Fall ein allergischer Schock sind möglich", erklärt PD Dr. med. Dipl. oec. troph. Sabine Scholl-Bürgi, Leiterin des Referats Nachhaltigkeit und Umweltschutz der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (ÖGKJ).
Vor allem Kinder gelten als Risikogruppe. Sie spielen häufiger am Boden, kommen leichter mit belasteten Flächen in Kontakt und reagieren empfindlicher auf die Brennhaare. Auch ihre Atemwege sind noch nicht vollständig entwickelt.
„Allergien, Hautausschläge, schmerzhafte Bläschen, Augenentzündungen und Atembeschwerden und im schlimmsten Fall ein allergischer Schock sind möglich.“
Das Risiko ist derzeit besonders hoch: Zwischen Mai und September gelten betroffene Gebiete als Problemzonen.
Was viele nicht wissen: Eine einzige Raupe produziert im Laufe ihres Lebens rund 857.000 Brennhaare. Auf einer befallenen Eiche können sich laut Experten sogar Milliarden giftige Härchen sammeln.
Noch alarmierender: Die Haare bleiben extrem lange aktiv – bis zu zwölf Jahre. Selbst alte Nester und Häutungsreste können noch Beschwerden verursachen.
Kommt es zum Kontakt, heißt es rasch handeln. Kinder sollten gründlich geduscht und die Haare gewaschen werden. Wichtig: Haut nur vorsichtig mit Wasser abspülen – nicht reiben, sonst dringen die Härchen noch tiefer ein.
Kleidung sollte heiß gewaschen und extra gespült werden. Gegen starken Juckreiz helfen kühlende Maßnahmen. "Sollten dennoch allergische Reaktionen auftreten, sollten Eltern mit ihrem Kind zum Kinder- und Jugendarzt", empfiehlt PD Dr. med. Dipl. oec. troph. Scholl-Bürgi, Geschäftsführende Oberärztin im Department für Kinder- und Jugendheilkunde, Pädiatrie I, der Medizinischen Universität Innsbruck.
Gibt es regionale Warnhinweise, sollten Parks oder betroffene Gebiete möglichst großräumig gemieden werden. Denn die Gefahr ist oft unsichtbar – aber alles andere als harmlos.