Wo sonst smaragdgrünes Wasser zwischen den Bergen schimmert, liegt eine kahle Schotterfläche: Der Grüne See in Tragöß-St. Katharein ist leer. Bürgermeister Hubert Zinner findet dafür drastische Worte: "Der See gleicht einer Schottergrube, das glaubt man nicht."
Die anhaltende Trockenheit trifft aber nicht nur das bekannte Naturjuwel. Auch in steirischen Klammen fehlt das Wasser, Hütten müssen versorgt werden und selbst Wasserkraftwerke standen bereits still.
"Die Trockenheit wird wirklich zum Problem!", warnt Zinner laut "Kronen Zeitung". Nach seinen Angaben mussten heuer auch E-Werke an der Laming wegen Wassermangels abgeschaltet werden. "Das gab es noch nie", sagt der Bürgermeister. Gegenüber "Heute" bestätigt er, dass die Auswirkungen weit über den Grünen See hinausgehen. Für die Region wünscht er sich deshalb länger anhaltenden Niederschlag und einen schneereichen Winter.
Der Wasserstand des Grünen Sees schwankt allerdings auch von Natur aus stark. Im Frühjahr füllt die Schneeschmelze das Becken, im Sommer und Herbst sinkt der Pegel wieder. Im Winter kann der See nahezu vollständig verschwinden. Nahezu, aber nicht vollständig – so war es zumindest laut der lebenden Gemeinde-Erinnerung in den vergangenen Jahrzehnten.
Bis im März 2025 der See zum ersten Mal in sehr langer Zeit vollständig austrocknete und sich davon nicht mehr erholt hat:
Wie berichtet, wurden selbst im Frühsommer, wenn der See üblicherweise seinen höchsten Stand erreicht, heuer nur etwa drei Meter Wassertiefe erreicht. Unter günstigen Bedingungen sind im Mai und Juni bis zu elf Meter möglich.
Auch in der Bärenschützklamm bei Mixnitz bleibt das gewohnte Rauschen weitgehend aus. Gerhard Jantscher vom zuständigen Alpenverein schildert eine außergewöhnlich trockene Saison: "Das ist das erste Jahr, in dem es so heftig ist! Seit dem Frühjahr haben wir quasi kein Wasser, es ist extrem."
Besucher hätten sich bereits über das fehlende Wasser beschwert. Jantscher verweist auf den ausbleibenden Regen. Die Folgen reichen bis zur Versorgung von Hütten: In der Gegend müsse die Feuerwehr bereits Wasser anliefern. Bei einer Hütte weist ein Schild über dem Waschbecken darauf hin, dass wegen der Trockenheit kein Wasser verfügbar ist.
In der Kesselfallklamm bei Semriach zeigt sich ein ähnliches Bild. Auch dort ist es seit dem Frühjahr weitgehend trocken. Besonders für Kinder sei das schade, sagt Günther Steger vom Alpenverein Semriach. Sie dürften sonst an manchen Stellen plantschen.
Anders sieht es beim Themenweg Wilde Wasser in Schladming aus. Dort habe wiederholter Niederschlag die Lage bislang entschärft, berichtet Bürgermeister Hermann Trinker. Doch auch seine Gemeinde hofft auf mehr Regen.
Jantscher appelliert angesichts der Lage an einen sparsameren Umgang mit Wasser. Viele höher gelegene Alpenvereinshütten in Österreich hätten wegen fehlender Wasserversorgung bereits schließen müssen. Alles per Hubschrauber anzuliefern, sei nicht möglich.
"Wasser ist ein wertvolles Gut", betont er. Den Hahn während des Einseifens oder Haarewaschens weiterlaufen zu lassen, sei angesichts versiegender Quellen keine Selbstverständlichkeit mehr. Seine Forderung: "Wir brauchen ein Umdenken!"