Die Lage auf Niederösterreichs Feldern spitzt sich zu. Seit Wochen bleibt der dringend nötige Regen aus, die Böden sind vielerorts viel zu trocken. Für die Bauern wird das Frühjahr damit zu einem echten Stresstest.
"Die Betroffenheit ist enorm. Wir erleben derzeit eine der angespanntesten Frühjahrsentwicklungen der letzten Jahre", warnt Johannes Schmuckenschlager (VP), Präsident der Landwirtschaftskammer NÖ.
Besonders kritisch: Seit Beginn der Wachstumsperiode Ende Februar ist in vielen Regionen kaum nennenswerter Niederschlag gefallen. Dazu kommen Temperaturen von bis zu 30 Grad – die Pflanzen geraten zusätzlich unter Hitzestress.
Bei Getreide wie Weizen, Gerste und Roggen sind jetzt schon Wachstumsprobleme sichtbar. Jeder weitere trockene Tag kann Ertrag und Qualität drücken. Auch frisch angebaute Kulturen wie Mais, Kürbis und Sojabohne haben es schwer. Die Keimung ist aktuell vielerorts gefährdet.
„Selbst wenn sich der Weizenpreis deutlich erhöht, hat das kaum Auswirkungen auf den Lebensmittelpreis im Regal.“Johannes SchmuckenschlagerPräsident Landwirtschaftskammer Niederösterreich
Jungpflanzen wie die Sonnenblume, Rübe oder Kartoffel können mit ihren noch schwachen Wurzeln das wenige vorhandene Wasser kaum aufnehmen. Auch beim Grünland, also Gräsern, Blumen und Kräutern, gibt es bereits Einbußen. Der zweite Aufwuchs ist massiv gefährdet, auf besonders trockenen Flächen droht sogar das Absterben der Grasflächen.
Die Trockenheit trifft nicht nur Niederösterreich. Auch große Teile Mitteleuropas und der Westen der USA kämpfen mit Dürre. Geringere Erntemengen werden damit immer wahrscheinlicher.
Ob die niedrigen Getreidepreise dadurch steigen, ist noch offen. Schmuckenschlager betont aber: "Selbst wenn sich der Weizenpreis deutlich erhöht, hat das kaum Auswirkungen auf den Lebensmittelpreis im Regal." Der Grund liegt in der Wertschöpfungskette: Der Anteil der Landwirtschaft am Endprodukt ist sehr gering. Bei einer Semmel macht der Weizen nur rund vier Prozent aus – für Bauern bleibt davon etwa ein Cent. Bei einem Kilo Brot liegt der Getreideanteil bei rund 20 Cent.
Zusätzlich zur Trockenheit drücken hohe Kosten für Treibstoff, Dünger und Pflanzenschutzmittel auf die Betriebe. "Die Kombination aus Trockenheit, hohen Produktionskosten und unsicheren Erträgen bringt viele Betriebe an ihre Grenzen", sorgt sich Schmuckenschlager.
Die Landwirtschaftskammer fordert nun rasche Entlastungen. Neben dem vereinbarten Agrardiesel für 2027 und 2028 brauche es schon 2026 weitere Maßnahmen. Kurzfristig sollen Biodiversitätsflächen zur Futtergewinnung genutzt werden können, heißt es. Langfristig brauche es mehr Bewässerung und bessere Dürreversicherungen.