Der Kampf um die Spitze der SPÖ wird härter. Gerhard Zeiler machte am Sonntagabend im Fernsehen deutlich, welchen Kurs er als Parteichef einschlagen möchte. Kurz darauf lieferten sich Befürworter und Gegner eines Wechsels eine heftige Debatte.
Der 71-Jährige stellte dabei vor allem seine wirtschaftspolitischen Vorstellungen in den Mittelpunkt. "Ich bin kein Marxist, ich bin kein Klassenkämpfer", erklärte Zeiler.
Seine Forderung nach einem Kurswechsel begründete er mit der Bedeutung einer starken Wirtschaft: "Wenn wir keine starke Wirtschaft haben, werden wir den Sozialstaat nicht halten können. Ich möchte da einen Kurswechsel. Wir brauchen diese Wirtschaft, eine starke Wirtschaft. Sonst können wir nichts verteilen."
Zeiler bezeichnet sich selbst als "klassischen" Sozialdemokraten und sieht innerhalb der SPÖ Unterstützung für einen Kurswechsel. Öffentlich hat sich bisher allerdings niemand aus den aktuellen Landes- und Teilorganisationen für ihn in den Machtkampf geworfen.
Der Medienmanager zeigt sich dennoch zuversichtlich. "Sie werden schon kommen." In der Partei werde angesichts der Umfragewerte darüber gesprochen, dass es so nicht weitergehen könne.
Sollte Zeiler den Parteivorsitz übernehmen, will er keine Neuwahlen. "Ich stehe zu dieser Regierung. Das Regierungsprogramm ist noch lange nicht abgearbeitet."
Auch eine Trennung zwischen Parteivorsitz und Regierungsamt lehnt er ab. "Der Parteivorsitzende soll auch die SPÖ in der Regierung führen."
Damit macht Zeiler deutlich, dass es bei seinen Ambitionen nicht nur um den Parteivorsitz geht.
Nach Zeilers Auftritt wurde in der ORF-Sendung "Das Gespräch" heftig über die Zukunft der SPÖ diskutiert. SPÖ-Bundesgeschäftsführer Klaus Seltenheim erklärte, ein Rücktritt Bablers sei ausgeschlossen. Zeilers Auftritt habe ihn "sprachlos" gemacht. Seltenheim kritisierte zudem Zeilers Vorgehen und forderte ihn auf, mit den Parteimitgliedern statt mit den Medien zu sprechen.
Ganz anders sieht das der frühere SPÖ-Bundesgeschäftsführer Josef Kalina. "Ich hoffe, dass Babler einsieht, dass es vorbei ist. Das ist unrettbar." Mit dieser Person und diesen "ultralinken Geschichten" könne die Partei seiner Ansicht nach nicht mehr auf die Beine kommen.
Politikberater Thomas Hofer kommentierte die politische Ausgangslage in der ORF-Sendung mit den Worten: "Platz 1 ist dem Herrn Kickl nicht zu nehmen." Zeiler hat seinen Anspruch auf den SPÖ-Vorsitz jedenfalls deutlich gemacht. Bablers Umfeld hält dagegen - und der Machtkampf wird nun offen ausgetragen.