Digitalisierungs-Staatssekretär Alexander Pröll (ÖVP) hat von Bundeskanzler Stocker den Auftrag, eine neue KI-Strategie für Österreich zu erarbeiten. Im "Heute"-Interview (ganzer Talk im Video unten) erklärt Pröll Hintergründe und Zielsetzung.
"Es geht darum, dass die KI dem Menschen dient", so der Staatssekretär, der durchaus auch Gefahren in der Künstlichen Intelligenz sieht. Bei allen Risiken sollten wir auf die Chancen fokussieren", sagt er. "Auch die KI ist nicht schwarz oder weiß."
Das Social-Media-Verbot für unter 14-Jährige will Pröll in Österreich durchziehen, auch wenn die EU jetzt einen Vorschlag dafür vorgelegt hat. Aber bis dieser umgesetzt werde, könne es Jahre dauern. "So lange können wir nicht warten", macht Pröll die Dringlichkeit deutlich.
Staatssekretär Alexander Pröll über:
"Unsere letzte KI-Strategie war aus dem Jahr 2021. Da gab es ChatGPT noch gar nicht. Das heißt, wir müssen Anpassungen treffen. Bis Ende des Jahres werden wir die Richtung vorgeben und die Strategie dann für 2027 auf den Weg bringen. Es ändert sich in dem Bereich aber so schnell so vieles, dass das sicher keine Strategie für die nächsten zehn Jahre wird."
"Die KI-Technologie ist gekommen und wird aus meiner Sicht nicht mehr weggehen. Es wäre illusorisch zu glauben, wir könnten KI verbieten. Das ist so, wie wenn wird das Internet verboten hätten."
„Ki bedeutet wahrscheinlich die größte Veränderung unserer Zeit.“Alexander PröllDigitalisierungs-Staatssekretär (ÖVP)
"Wir befinden uns in einer großen Veränderung. Ki bedeutet wahrscheinlich die größte Veränderung unserer Zeit."
"Die Amerikaner sind uns um einige Jahre voraus; das können wir nicht aufholen. Aber Europa sollte viele Top-KI-Firmen zu großen europäischen Unternehmen fusionieren."
"Wie jede Technologie birgt KI Gefahren. Es ist schon ein Punkt, dass sich KI irgendwann – und schneller, als erwartet – eigenständig weiterentwickeln könnte. Davor haben viele Menschen Angst, auch die Wissenschaft warnt. Ich verstehe diese Sorge."
„Es wäre wichtig, eine einheitliche und kluge KI-Regulierung zu haben. Weltweit – ähnlich wie im Bereich der Atomwaffen.“Alexander PröllDigitalisierungs-Staatssekretär (ÖVP)
"Diese Angst habe ich nicht. Solche negativen Szenarien spielen mit den Ängsten der Menschen – das ist nicht mein Zugang. Wir müssen die Risiken der KI ernst nehmen, aber ich möchte auch den Blick auf die positiven Seiten lenken. Etwa darauf, was KI in der Medizin leisten kann, in der Krebs-Früherkennung. Auch die KI ist nicht schwarz oder weiß."
"Es wäre wichtig, eine einheitliche und kluge KI-Regulierung zu haben. Weltweit – ähnlich wie im Bereich der Atomwaffen."
"Wir können das noch nicht seriös beantworten. Es gibt im Wesentlichen zwei Positionen. Die eine ist: KI wird massiv Jobs vernichten. Oder, die andere: Menschen, die KI nutzen, werden jenen den Job wegnehmen, die KI nicht einsetzen können."
„KI ist der einzige Weg, wie wir mit weniger Menschen produktiver sein können.“Alexander PröllDigitalisierungs-Staatssekretär (ÖVP)
"In Österreich haben wir wegen der Pensionswelle aber ohnehin die Situation, dass ein immer kleiner werdender Anteil der Bevölkerung arbeitet und daher produktiver werden muss. KI ist der einzige Weg, wie wir mit weniger Menschen produktiver sein können – die Aufgaben werden ja nicht weniger."
"Knapp die Hälfte der Bundesbediensteten geht in den nächsten 13 Jahren in Pension. Wir haben uns aus budgetären Gründen darauf geeinigt, nur jeden zweiten dieser Posten nachzubesetzen. Das heißt, der Staat wird bei gleichbleibenden Aufgaben automatisch schmäler. Das geht nur, indem wir KI einsetzen. Den ersten Schritt haben wir bereits getan."
Österreich will ab 2027 ein Social-Media-Verbot für unter 14-Jährige einführen. Das Gesetz wurde im Juli in Begutachtung geschickt. Jetzt hat die EU ihren "Kids Act" mit einem Verbot für Kinder unter 13 sowie Regeln für unter 15-Jährige vorgelegt. Torpediert dieser das österreichische Gesetz?
„Die EU muss in die Gänge kommen!“Alexander PröllDigitalisierungs-Staatssekretär (ÖVP)
Pröll: "Unseren Gesetzesvorschlag gibt es, weil die EU viel zu lange gebraucht hat. Wir haben in Brüssel monatelang Druck gemacht. Jetzt ist der EU-Vorschlag da, aber bis zur Umsetzung kann es noch Jahre dauern. So lange können wir nicht warten – das schulden wir den Kindern."
"Wir haben in der Begutachtungsphase 200 Stellungnahmen erhalten. Die werden wir jetzt einarbeiten; anschließend kommt die Beschlussfassung. Dann müssen wir für unser Gesetz auf grünes Licht von der EU warten, da läuft die Frist bis Ende Oktober. Ob das so passiert – da sind wir leider nur Beifahrer. Aber meine klare Botschaft lautet: Die EU muss in die Gänge kommen!"
"Ich persönlich denke an eine Sunset-Klausel (=Befristung, Anm.). Das heißt, wir sollten das Verbot in Österreich so rasch wie möglich etablieren – und irgendwann wird es durch die europäische Regelung ersetzt. Das ist für mich der wahrscheinlichste Weg."