Die SPÖ steckt Ende September 2026 in einer offenen Führungsdebatte: Der frühere ORF- und RTL-Manager Gerhard Zeiler hat öffentlich erklärt, SPÖ-Vorsitzender werden zu wollen. Der amtierende Partei-Chef und Vizekanzler Andreas Babler will hingegen im Amt bleiben und verweist auf seine Wiederwahl im März sowie die laufende Regierungsarbeit. Zeiler begründet seinen Vorstoß mit dem Anspruch, die SPÖ aus ihrem historischen Tief herauszuführen. Die Partei liegt laut jüngsten Umfragen bei rund 15 bis 16 Prozent und damit deutlich unter ihrem Ergebnis bei der Nationalratswahl 2024.
Diese Werte verstärken den Druck auf die Parteiführung, zugleich ist die Führungsfrage innerhalb der SPÖ umstritten. Babler lehnt einen freiwilligen Rückzug bisher ab. Er argumentiert, er habe erst vor sechs Monaten am Parteitag einen klaren Auftrag für eine dreijährige Amtszeit erhalten. Sollte Zeiler tatsächlich kandidieren, müsse das nach den geltenden Parteistatuten geregelt werden. Eine direkte Mitgliederwahl könnte ausgelöst werden, wenn zehn Prozent der SPÖ-Mitglieder – rund 12.500 Personen – eine solche verlangen. Alternativ könnte der Bundesvorstand einen außerordentlichen Parteitag einberufen.
Die Reaktionen aus den Bundesländern fallen bisher unterschiedlich aus. Aus dem Burgenland kam ein klares Nein zu Zeiler: Das Büro von Landeshauptmann Hans Peter Doskozil verwies auf dessen bereits Anfang September geäußerte Ablehnung. Salzburgs SPÖ-Chef Peter Eder forderte dagegen, die parteiinternen Debatten rasch zu beenden. Der Vorarlberger Vorsitzende Mario Leiter begrüßte den Wettbewerb um Ideen und wollte Zeilers Konzepte abwarten. Andere Landesvertreter hielten sich öffentlich zurück. Der mögliche Machtkampf hat auch eine Vorgeschichte.
Doskozil und Zeiler standen bereits früher in parteipolitischem Gegensatz; Zeiler hatte einst einen Parteiaustritt für den Fall angekündigt, dass Doskozil Kanzlerkandidat würde. Ein Wechsel an der Spitze würde daher nicht automatisch die innerparteilichen Spannungen beenden. Für Zeiler wäre entscheidend, ob er neben öffentlicher Aufmerksamkeit auch genügend Rückhalt in den Landesorganisationen und in der Gewerkschaft gewinnt. Babler versucht indes, die Debatte auf die Arbeit der Bundesregierung zu lenken. Er verwies unter anderem auf Spritpreisbremse, Reformpartnerschaft sowie Stärkung der Wirtschaft.
Damit stehen sich derzeit zwei Positionen gegenüber: Zeiler stellt sich als möglicher neuer Parteichef zur Verfügung und verbindet seinen Vorstoß mit dem schlechten Abschneiden der SPÖ in Umfragen. Babler hält an seinem erst im März erneuerten Mandat fest. Ob es tatsächlich zu einer Mitgliederbefragung oder einer Kampfabstimmung kommt, hängt von den nächsten Schritten innerhalb der Partei ab. Offen ist auch, ob sich ein ausreichend breiter Rückhalt für Zeiler formiert und wie die SPÖ den Konflikt intern austrägt.
Am Sonntagabend nahm Zeiler erstmals im ORF Stellung – in der "ZIB2" bei Moderatorin Margit Laufer. Wie könne er die SPÖ aus dem "historischen Tief" herausführen? Die SPÖ habe einmal "die absolute Stimmenmehrheit" gehabt, liege nun bei 15 Prozent, so Zeiler. "Wenn wir nicht aufpassen, werden wir bald Nummer 4 sein hinter den Grünen. Wir kämpfen mit der Zweistelligkeit", hieß es. Österreich sei ein "schönes" und "sozial orientiertes Land", wenn man es nicht schaffe, dass "die Sozialdemokratie stark ist, werden die Extremen an die Macht kommen". Seine Entscheidung sei "ein langer Prozess" gewesen. "Ich muss es tun."
"In der gesamten SPÖ redet man darüber, dass es so nicht weitergehen kann", so Zeiler. "Die SPÖ heute" sei wie ein Fußballteam, das zur Halbzeit 0:3 zurückliege und trotzdem die Taktik nicht ändern wolle. Und: Es gehe hier nicht um Babler, sondern die SPÖ als Ganzes. "Und da glaube ich, dass ich der Richtige bin dafür", so Zeiler. Dass von den SPÖ-Granden bisher wenig Unterstützung komme, habe Zeiler erwartet – die Partei müsse sich jedoch entscheiden für einen Kurs, aber auch "für Andreas Babler oder für mich". Es gebe viel zu tun, die Wirtschaft müsse gestärkt werden, sonst sei der Sozialstaat in Gefahr.
"Wir werden das, was unsere Eltern-Generation erarbeitet hat, verlieren", warnte Zeiler. "Und dafür stehe ich nicht. Ich möchte da einen Kurswechsel für die SPÖ, und das möchten viele." In der SPÖ gebe es viele Unterstützer, die sich bisher nicht öffentlich bekennen würden. "Die werden schon kommen. Ich bin da sehr demütig." Es gehe bei der Entscheidung um den Kurs Bablers, "mit dem die SPÖ 15 oder 16 Prozent hat" oder "eines klassischen Sozialdemokraten", der tue, was zu tun sei. Der Parteivorstand müsse über einen Sonderparteitag entscheiden, eine Mitgliederbefragung würde er "selbstverständlich" mitmachen.
"Ich scheue mich nicht davor zurück, auch den Finanzminister oder andere Minister zu machen", so Zeiler dazu, ob für ihn nur der Parteivorsitz infrage komme. Und: Es gebe das "eine oder andere" Regierungsmitglied, das er gerne in seinem Team dabeihaben würde – insgesamt sei es aber "noch viel zu früh" für solche Überlegungen. Die Spritpreisbremse sei übrigens "heute das richtige Mittel", so Zeiler, der erklärte, er fahre selbst ein E-Auto. Wichtig sei aber, in die Energiewende zu investieren und unabhängiger zu werden. "Der Staat darf kein scheues Rehlein sein", so Zeiler, "aber derzeit schaut er in manchen Bereichen aus wie ein Sumoringer."
Sollte es zu einem fliegenden Wechsel kommen, wolle Zeiler dann Neuwahlen? "Nein, ich stehe zu dieser Regierung. Sie hat ja ein Regierungsprogramm ausgearbeitet, das noch lange nicht abgearbeitet ist." Und was wären seine konkreten Forderungen in einer Regierung? Inflations-bremsend wirken, Lebenshaltungskosten senken, Wohnungen bauen, in Bildung und Gesundheit investieren, und: Er kenne es aus Unternehmen, es gebe sicherlich noch Möglichkeiten, zu sparen. Als Beispiel nannte Zeiler dabei zahlreiche "Doppelgleisigkeiten", etwa in Sachen Förderungen.