Umweltminister Totschnig

"Mach’s wie Oma": Kampagne gegen Essens-Verschwendung

Fast 1,2 Millionen Tonnen Lebensmittel landen pro Jahr im Müll. Eine neue Kampagne des Umweltministeriums soll jetzt gegensteuern.
Heute Politik
28.09.2026, 05:15
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Am Dienstag ist Internationaler Tag gegen Lebensmittelverschwendung. Schon einen Tag davor präsentiert das Landwirtschafts- und Umweltministerium neue Zahlen zu Lebensmittelabfällen in Österreich und startet die Bewusstseinskampagne "Mach’s wie Oma: Rette Lebensmittel!". Im Fokus stehen vor allem private Haushalte und junge Erwachsene.

Tipps zum Restlverwerten

Mit einfachen, alltagstauglichen Tipps soll gezeigt werden, wie noch genussfähige Lebensmittel länger genutzt, Restln verwertet und damit gleichzeitig Ressourcen und Geld gespart werden können.

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Seit 2020 melden die EU-Mitgliedstaaten ihre Lebensmittelabfalldaten jährlich an Eurostat. In Österreich werden die Daten vom Umweltbundesamt im Auftrag des Landwirtschafts- und Umweltministeriums ermittelt. Die gesamte Wertschöpfungskette pro Kopf gerechnet, lag Österreich im Jahr 2023 mit 130 kg in etwa im EU-Schnitt von 129 kg. Nun liegen die neuesten Zahlen aus Österreich für das Jahr 2024 vor.

Fast 1,2 Millionen Tonnen Lebensmittelabfälle pro Jahr

Demnach fielen in der Produktion 11.297 Tonnen Lebensmittelabfälle an, in der Be- und Verarbeitung waren es 234.863 Tonnen. Im Bereich des Handels waren 71.275 Tonnen, davon wären 59.871 Tonnen vermeidbar gewesen. Ein weiterer Faktor ist der Außer-Haus-Konsum mit 228.418 Tonnen (davon vermeidbar: 171.314 Tonnen). Der Großteil, nämlich 629.353 Tonnen, fiel bei den Haushalten an. Davon wiederum wäre mehr als die Hälfte, nämlich 337.646 Tonnen, vermeidbar gewesen. Macht also insgesamt satte 1.175.206 Tonnen (davon vermeidbar: 568.831 Tonnen).

Leichter Rückgang bei Verschwendung

Gegenüber 2020 ist die Gesamtmenge der Lebensmittelabfälle damit um drei Prozentpunkte gesunken. Der Anteil der Haushalte und des Handels ist zurückgegangen, während der Anteil von Be- und Verarbeitung sowie Außer-Haus-Konsum zunahmen. Der Anteil der Produktion ist in etwa gleichgeblieben.

400 Euro pro Jahr einfach weggeworfen

In den österreichischen Haushalten werden pro Person jährlich rund 69 Kilogramm Lebensmittel weggeworfen, rund 37 Kilogramm davon wären vermeidbar. Der Wert der vermeidbaren Lebensmittelverschwendung beträgt damit immerhin rund 400 Euro pro Person und Jahr.

„Lebensmittel gehören auf den Teller, nicht in den Mistkübel.“
Norbert TotschnigLandwirtschafts- und Umweltminister, ÖVP

"Lebensmittel gehören auf den Teller, nicht in den Mistkübel. Wer Lebensmittel rettet, schützt Ressourcen, zeigt Wertschätzung für die Arbeit unserer Bäuerinnen und Bauern und spart bares Geld", sagt Landwirtschafts- und Umweltminister Norbert Totschnig. "Oft reichen dafür schon ein paar einfache Gewohnheiten, die unsere Großelterngeneration noch ganz selbstverständlich gelebt hat."

Zielgruppe der Kampagne sind 18- bis 30-Jährige

Genau hier soll die neue Kampagne "Mach’s wie Oma: Rette Lebensmittel!" ansetzen. Sie richtet sich vorrangig an 18- bis 30-Jährige. Denn bei diesen besteht laut Studien ein besonders großes Aktivierungspotenzial. Statt mit Verboten oder Moralappellen setzt die Kampagne auf  Humor, Nostalgie und praktisches Alltagswissen.

Die "Oma" soll dabei für Wertschätzung, Hausverstand und einen sorgsamen Umgang mit Lebensmitteln stehen. Im Mittelpunkt sind vier einfache Handlungsfelder: Einkauf planen, Lebensmittel richtig lagern, Restln verwerten und das Mindesthaltbarkeitsdatum richtig verstehen. Auf www.rette-lebensmittel.at findet man einfache Alltagstipps, spannende Infografiken sowie einen praktischen Restl-Rezepte-Generator.

Rewe, Spar, Hofer und Lidl an Bord

Die Kampagne läuft unter dem Dach der Initiative "Lebensmittel sind kostbar!", mit der sich das Landwirtschafts- und Umweltministerium seit 2013 gemeinsam mit Partnerinnen und Partnern entlang der gesamten Wertschöpfungskette für die Vermeidung von Lebensmittelabfällen einsetzt. Konkret wird die Kampagne von Spar, der Rewe Group und ihren Handelsfirmen Billa, Penny, Adeg und Bipa sowie von Hofer und Lidl Österreich mitgetragen. Die vier Unternehmen sind auch "Lebensmittel sind kostbar!"-Kooperationspartner.

Lebensmittelverschwendung verursacht bis zu 10 % der Treibhausgas-Emissionen

Nicht nur in Österreich, sondern auch weltweit ist Lebensmittelverschwendung ein drängendes Umwelt‑, Klima‑ und Ressourcenproblem. Laut IPCC- Bericht wird geschätzt, dass Lebensmittelverluste und -verschwendung rund acht bis zehn Prozent der weltweiten Treibhausgasemissionen verursachen. Neben dem UN-Nachhaltigkeitsziel (SDG) 12.3, das eine Halbierung der Lebensmittelverschwendung bis 2030 vorsieht, wurden vergangenes Jahr auch verbindliche EU-Reduktionsziele von zehn Prozent in der Verarbeitungs- und Herstellungsphase bzw. 30 prozent in der Konsumphase (Handel, Außer-Haus-Konsum, Haushalte) festgelegt.

pol,28.09.2026, 05:15