Minister Totschnig:

"Starkregen-Ereignisse werden in Österreich intensiver"

Kurze, heftige Regenfälle werden in Österreich immer intensiver. Laut neuen Studiendaten fällt im Schnitt 15 % mehr Regen als noch vor 30 Jahren.
André Wilding
14.09.2026, 11:00
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Neue Zwischenergebnisse der Studie "Wasser im Klimawandel" zeigen, dass kurze, lokale Regenfälle in Österreich deutlich an Intensität gewonnen haben. Bei solchen Ereignissen liegt die Niederschlagsmenge heute im Schnitt rund 15 Prozent höher als noch vor 30 Jahren. Dadurch steigt die Gefahr lokaler Überschwemmungen. Diese Entwicklung erfordert einen angepassten Hochwasserschutz, der öffentliche Schutzmaßnahmen, vorausschauende Planung, Frühwarnung und Vorsorge am eigenen Gebäude miteinander verbindet.

Umweltminister Norbert Totschnig: "Österreich hat in den vergangenen Jahrzehnten viel in den Hochwasserschutz investiert. Auf diesem Fundament entwickeln wir die Hochwasservorsorge mit Blick auf neue Herausforderungen wie intensivere lokale Starkregenereignisse laufend weiter. Es geht um die Sicherheit von Menschen, Gebäuden und Infrastruktur. Die Studie liefert uns eine wichtige wissenschaftliche Grundlage, damit wir auch unter den veränderten Bedingungen bestmöglich auf Hochwasser vorbereitet sind."

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Niederschlagsdaten ausgewertet

Für die Studie wurden Niederschlagsdaten der vergangenen Jahrzehnte ausgewertet und untersucht, wie viel Regen innerhalb unterschiedlich langer Zeiträume fällt. Die Auswertungen zeigen zwei Entwicklungen: Bei lokalen Starkregenereignissen fällt heute mehr Regen in kürzerer Zeit als noch vor 30 Jahren, zugleich haben Niederschlagsereignisse insgesamt eine kürzere Dauer. Konkret hat bei kurzen lokalen Regenereignissen die Niederschlagsmenge im Mittel um rund 15 Prozent zugenommen. Je kürzer der betrachtete Zeitraum, desto stärker fällt der Anstieg aus: Bei einstündigen Starkregenereignissen beträgt er rund 20 Prozent. Gleichzeitig hat die Dauer von Niederschlagsereignissen im Schnitt um 10 bis 15 Prozent abgenommen.

Bei länger andauernden, großräumigen starken Niederschlägen fällt der Anstieg der Intensität mit rund sieben Prozent im österreichweiten Mittel geringer aus. Der Unterschied hängt mit den verschiedenen zugrundeliegenden meteorologischen Mechanismen zusammen: Lokale Starkregen werden meist durch Gewitter ausgelöst, großräumige Niederschläge durch Wetterfronten.

Die Ergebnisse beruhen auf zwei voneinander unabhängigen Messsystemen mit mehr als 200 hochauflösenden Niederschlagsmessstationen in ganz Österreich.

Wahrscheinlichkeit lokaler Überschwemmungen steigt

"Mit der zunehmenden Intensität lokaler Starkregenereignisse steigt auch die Wahrscheinlichkeit lokaler Hochwasserereignisse und Überflutungen", sagt Studienleiter Prof. Günter Blöschl, Hydrologe an der TU Wien. "Die Daten zeigen, dass die stärkste Zunahme dabei an kleinen und mittleren Gewässern zu beobachten ist, nicht bei den großen Flusshochwassern. Gleichzeitig gewinnen durch Starkregen ausgelöste Überflutungen an Bedeutung, die auch abseits von Bächen und Flüssen auftreten, wenn Wasser über die Oberfläche abfließt."

Die Auswertungen zeigen außerdem, dass sich Hochwasserereignisse heute schneller entwickeln als noch vor 30 Jahren. Dadurch bleibt weniger Zeit, um zu warnen und Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Das Forschungsteam geht davon aus, dass sich der beobachtete Trend zu intensiveren lokalen Starkregenereignissen bei weiter steigenden Temperaturen fortsetzen wird. Damit steigt auch die Wahrscheinlichkeit räumlich begrenzter Hochwasser und Überflutungen weiter an. Wie stark sich die Niederschläge künftig noch verändern können, wird derzeit mithilfe von Modellsimulationen untersucht.

Hochwasserschutz gemeinsam weiterentwickeln

Österreich hat bereits umfassende Schutzmaßnahmen umgesetzt. Angesichts der veränderten Gefährdungslage gilt es nun, auf diesem Fundament aufzubauen und den Hochwasserschutz weiterzuentwickeln. Entscheidend ist dabei das Zusammenspiel der verschiedenen Maßnahmen: Dämme und Rückhaltebecken bleiben zentral und werden durch naturbasierte Lösungen, vorausschauende Raumplanung und Bauordnung sowie Frühwarnung und Katastrophenschutz ergänzt. Dabei gilt: Rückhalt, wo möglich, Schutz, wo nötig.

Umweltminister Norbert Totschnig: "Österreich hat in den vergangenen Jahrzehnten viel in den Hochwasserschutz investiert."
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Aufgrund der Zunahme sogenannter pluvialer Hochwasser – also Überflutungen durch oberflächlich abfließendes Wasser abseits von Bächen und Flüssen – wird auch die Eigenvorsorge wichtiger. Solche Ereignisse können durch klassische Hochwasserschutzmaßnahmen wie Dämme nicht überall verhindert werden. Sinnvolle Vorsorgemaßnahmen am eigenen Gebäude sind beispielsweise wasserdichte Kellerfenster, Rückschlagklappen zum Schutz vor Wasser aus der Kanalisation, die Sicherung von Öltanks sowie die hochwassersichere Lagerung von Heizpellets. Eine hilfreiche Ressource für die Planung ist der Leitfaden "Eigenvorsorge bei Oberflächenabfluss". Das BMLUK informiert die Öffentlichkeit zudem mit der Kampagne "Hochwasser – ich schütze mich!", wie man sich selbst und sein Eigentum wirksam schützen kann.

Umweltminister Norbert Totschnig: "Ob ein Hochwasser räumlich begrenzt ist oder großräumig auftritt, macht für die betroffenen Menschen wenig Unterschied. In beiden Fällen können die Folgen katastrophal sein und Existenzen bedrohen. Unsere Vorsorge muss daher alle Formen von Hochwasser berücksichtigen, und das gelingt nur gemeinsam. Die öffentliche Hand schafft die notwendigen Rahmenbedingungen und setzt Schutzmaßnahmen um. Gleichzeitig leistet die Vorsorge am eigenen Gebäude einen wichtigen Beitrag. Nur wenn beides ineinandergreift, können wir Risiken verringern und Schäden begrenzen."

Die Endergebnisse des Forschungsprojekts "Wasser im Klimawandel – eine Studie über die Auswirkungen" werden im November 2026 vorgestellt. Der finale Bericht wird Projektionen bis 2100 enthalten und eine wissenschaftliche Grundlage für die weitere Planung in Wasserwirtschaft, Landwirtschaft und Raumplanung bilden.

Hinweis

Wasser im Klimawandel – eine Studie über die Auswirkungen“ untersucht die Folgen der Klimaerwärmung auf den österreichischen Wasserhaushalt. Im Fokus stehen unter anderem Niederschlag, Verdunstung, Grundwasser, Abflussverhalten sowie Hoch- und Niederwasser. Die Studie entsteht im Auftrag des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft sowie der Bundesländer. Durchgeführt wird sie von der TU Wien, der GeoSphere Austria, der Universität Graz und der BOKU Wien.

wil,14.09.2026, 11:00