Pensions-Revolution

"Extrem unfair" – Riesen-Aufstand um neuen WIFO-Plan

WIFO-Chef Gabriel Felbermayr will das Pensionsalter Richtung 67 Jahre anheben. Seine Ansage sorgt jetzt für heftige Reaktionen.
Newsdesk Heute
13.09.2026, 20:18
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WIFO-Chef Gabriel Felbermayr hat am Sonntag mit seinen Aussagen zum Pensionsantrittsalter eine heftige Debatte losgetreten. In der ORF-"Pressestunde" sprach sich der Ökonom dafür aus, das gesetzliche Pensionsalter in Richtung 67 Jahre anzuheben. Langfristig brachte er sogar eine Koppelung an die Lebenserwartung ins Spiel.

Damit nicht genug: Mit einem entsprechenden Gesamtpaket könnte Österreich laut Felbermayr beim Pensionsalter sogar "über die 67 hinausgehen".

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Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Während der ÖGB entschieden gegen eine Anhebung mobilmacht, sieht Seniorenbundpräsidentin Ingrid Korosec durchaus Gemeinsamkeiten mit Felbermayr. Zustimmung kommt auch von den NEOS.

"Sozial extrem unfair"

Besonders scharf reagiert ÖGB-Bundesgeschäftsführerin Helene Schuberth. Für sie setzt Felbermayr die falsche Priorität. Eine automatische Koppelung des Pensionsalters an die Lebenserwartung wäre "sozial extrem unfair".

Der Grund: Menschen mit höheren Einkommen würden im Durchschnitt länger leben. Wer wenig verdient oder körperlich schwer arbeitet, habe dagegen eine geringere Lebenserwartung. Diese Menschen müssten bei einer automatischen Anhebung länger arbeiten, obwohl sie durchschnittlich weniger Jahre ihre Pension beziehen könnten.

Statt einer Anhebung des gesetzlichen Pensionsalters fordert der ÖGB, dafür zu sorgen, dass Beschäftigte überhaupt gesund bis zum derzeit geltenden Pensionsalter arbeiten können.

Bei einem Punkt gibt es allerdings Zustimmung für Felbermayr. Der WIFO-Chef hatte ein Bonus-Malus-System für Unternehmen ins Spiel gebracht, um die Beschäftigung älterer Arbeitnehmer attraktiver zu machen.

"Wer will, dass Menschen länger im Erwerbsleben bleiben, muss auch die Arbeitgeber in die Pflicht nehmen", stellt Schuberth klar. Unternehmen, die ältere Mitarbeiter halten oder neu einstellen, sollten demnach unterstützt werden.

"Nicht Bankomat der Nation"

Eine klare Absage kommt auch von der FPÖ. Sozialsprecherin Dagmar Belakowitsch lehnt sowohl ein Pensionsantrittsalter von 67 Jahren als auch eine Koppelung an die Lebenserwartung ab. Die Lebensleistung der älteren Generation dürfe durch derartige Pläne nicht entwertet werden.

"Pensionisten dürfen nicht länger der Bankomat der Nation sein", poltert Belakowitsch. Es sei respektlos, hart arbeitenden Österreichern auszurichten, sie sollten länger arbeiten.

Dass die geburtenstarken Jahrgänge in den kommenden Jahren eine Herausforderung für das Pensionssystem darstellen, bestreitet die FPÖ-Politikerin nicht. Der Höhepunkt dieser Entwicklung dürfte ihrer Ansicht nach aber bis 2035 überschritten sein.

Statt das Pensionsalter zu erhöhen, fordert Belakowitsch eine andere Wirtschafts- und Familienpolitik. Mehr Wirtschaftswachstum und eine Stärkung der Familien würden mehr Menschen in Beschäftigung bringen und damit auch das Pensionssystem langfristig absichern.

Unternehmen in die Pflicht nehmen

Deutlich weniger konfrontativ fällt die Reaktion von Seniorenbundpräsidentin Ingrid Korosec aus. Sie stimmt Felbermayr zu, dass das tatsächliche Pensionsantrittsalter steigen müsse. Allerdings brauche es dafür bessere Bedingungen für ältere Arbeitnehmer. Laut Korosec tritt rund ein Viertel der Menschen schon jetzt nicht direkt aus einer Beschäftigung heraus die Alterspension an.

Der Seniorenrat hat deshalb das WIFO mit einer Studie über ein Bonus-Malus-System beauftragt. Dabei sollen Anreize für Unternehmen untersucht werden, ältere Arbeitnehmer länger zu beschäftigen oder neu einzustellen. Bis Jahresende sollen Varianten vorliegen, die danach der Bundesregierung präsentiert werden.

Auch mehr Flexibilität beim Pensionsantritt findet Korosec grundsätzlich richtig. Das System solle künftig stärker auf Erwerbs- und Beitragsjahre Rücksicht nehmen. "Nicht jeder Mensch hat dieselbe Erwerbsbiografie, dieselben gesundheitlichen Voraussetzungen oder dieselbe berufliche Belastung", betont sie.

"Zeit drängt"

Unterstützung für die Debatte um ein höheres Pensionsalter kommt von den NEOS. Sozialsprecher Johannes Gasser erklärt, die Frage dürfe angesichts der demografischen Entwicklung "kein politisches Tabu" sein.

Aus Sicht der NEOS besteht weiterer Reformbedarf. "Es liegt auf der Hand, dass das nicht so weitergehen kann", sagt Gasser. Die Menschen würden später ins Berufsleben einsteigen, länger leben und damit auch länger Pension beziehen.

Deshalb müsse offen darüber gesprochen werden, wie das Pensionssystem langfristig finanziert werden könne. Gleichzeitig müssten Arbeitnehmer überhaupt die Chance erhalten, bis zum gesetzlichen Pensionsalter beschäftigt zu bleiben.

red,Akt. 13.09.2026, 20:23, 13.09.2026, 20:18
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