"EVN hat Kunden getäuscht"

500 Euro für Strom zurück – nur noch wenige Tage Zeit

Im Mai erklärte das Oberlandesgericht Wien eine Preisanpassung der EVN für unzulässig. Bis 31. Juli können sich 300.000 Haushalte Geld zurückholen.
Aram Ghadimi
16.07.2025, 05:15
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Im Mai hat das Oberlandesgericht Wien (OLG), nach einem längeren Rechtsstreit zwischen dem Verein für Konsumenteninformation (VKI) und der EVN Energievertrieb GmbH & Co KG (EVN), eine Preisanpassungsklausel der EVN für unzulässig erklärt – "Heute" hat berichtet.

Etwa 300.000 Haushalte in Niederösterreich haben demnach zu viel für Strom bezahlt. Noch etwa zwei Wochen haben sie Zeit, um ihre Ansprüche auf eine Tarifrückzahlung wegen unlauterer Preiserhöhungen bei der EVN geltend zu machen. Am 31. Juli endet die Frist dafür.

Bis zu 500 Euro Rückzahlung

Doch wer ist konkret betroffen? Allen EVN-Kunden mit aufrechtem Energieliefervertrag in einem OPTIMA-Festpreistarif, mit Stichtag vor dem 1. September 2022. Sie können online unter evn.at/home/extrabonus, telefonisch oder persönlich im EVN Service-Center eine Ausgleichszahlung verlangen.

Bei Strom gibt es durchschnittlich 410 Euro zurück. Bei Gas-Verträgen etwa 90 Euro. Wer also seine gesamte Energie von der EVN bezieht, kann im Schnitt mit einer Rückzahlung von 500 Euro rechnen, kalkuliert das Tarifvergleichsportal durchblicker.at und erinnert an ein diesbezügliches Schreiben der EVN.

Dabei hängt die jeweilige Höhe der Rückzahlung von der Dauer des Tarifbezugs und vom Verbrauch ab. Wie viel einem genau zusteht, erfährt man zwar nur auf Nachfrage. "Die Beantragung der Rückzahlung lohnt sich aber in jedem Fall", sagt durchblicker-Energieexperte Stefan Spiegelhofer.

Wer sich rund um die Beantragung der EVN-Ausgleichszahlung ohnehin mit dem eigenen Energietarif beschäftigt, dem rät Spiegelhofer, die aktuellen Angebote für Strom und Gas auf der Vergleichsplattform zu vergleichen, denn: "Niederösterreichische Haushalte mit einem durchschnittlichen Jahresverbrauch von 3.500 kWh Strom und 15.000 kWh Gas können derzeit bis zu 534 Euro pro Jahr sparen", so Spiegelhofer.

Das Vergleichsportal durchblicker.at

Österreichs größtes unabhängiges Online-Vergleichsportal mit Sitz in Wien, bietet 29 Tarifrechner für Energie, Versicherungen, Telekommunikation und Finanzprodukte. Das Unternehmen hat sich zum Ziel gesetzt Konsumenten einen transparenten Marktüberblick zu verschaffen, deren Fixkosten zu senken und einen Anbieterwechsel zu erleichtern. Neue Verträge können über das Portal direkt online abgeschlossen werden, unterstützt durch kostenlose Beratung. Seit 2022 ist durchblicker.at Teil der ungarischen Netrisk Group, einem führenden Zusammenschluss europäischer Vergleichsportale und beschäftigt rund 100 Mitarbeitende. Zur Förderung von Ökostromanbietern bestehen Kooperationen mit GLOBAL 2000 und klimaaktiv.

Zum Hintergrund: Eine von der EVN im September 2022 eingeführte Vertragsbestimmung hatte zur Folge, dass die Preise für Strom und Gas plötzlich um bis zu 150 Prozent erhöht wurden. Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) klagte dagegen und hatte schließlich Erfolg: Das Oberlandesgericht Wien stufte die Klauseln als intransparent und ungültig ein.

Landesversorger überteuert

"Die Landesversorger genießen in der Bevölkerung nach wie vor hohes Vertrauen für ihre vermeintlich höhere Fairness und Rechtssicherheit. Allerdings zeigt das erfolgreiche Vorgehen des VKI gegen die EVN und davor auch schon gegen die Wien Energie, dass dieses Vertrauen oft nicht gerechtfertigt ist", kommentiert das Spiegelhofer. Und er setzt nach: "Hier zeigt sich deutlich, dass sich Treue gegenüber einem Energieanbieter nicht lohnt."

Anwalt aus Baden freut sich

Der Anwalt Gottfried Forsthuber, freut sich über den Erfolg für die Konsumenten. Der Jurist aus Baden, der schon zahlreiche Kunden von Stromunternehmen und Netzbetreibern vertreten hat, sagt gegenüber "Heute": "Die EVN hat eindeutig gegen das Transparenzgebot verstoßen. Es reicht nicht, dass der Kunde die Klausel lesen kann. Die Klausel muss auch durchschaubar sein. Es muss also vorhersehbar sein, was passieren wird. Das war bei den Preisklauseln der EVN nicht der Fall."

Anwalt Gottfried Forsthuber – links ein mechanischer, rechts ein Smart-Meter
privat

Laut Forsthuber führten die Tarifklauseln der EVN in eine Preiserhöhung, die zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses bereits feststanden. "Trotzdem behauptete die EVN in ihrem Informationsschreiben, dass zwar eine Preisänderung stattfinden wird, es aber nur 'allenfalls' zu einer Preiserhöhung 'kommen kann'. Damit hat das Energieunternehmen seine Kunden getäuscht", hält Forsthuber fest: "Als Kunde hat man sich aussuchen, mit wem man Verträge abschließt. Dieses Wahlrecht sollten wir viel öfter nutzen."

Wechsel spart bis zu 40 Prozent

Tatsächlich hat nur jede zweite Person in Österreich schon einmal den Stromanbieter gewechselt. Bei Gas sieht es noch schlechter aus: Hier haben vier von fünf Personen noch nie gewechselt – das ergab eine Studie im Auftrag von durchblicker.at. Gleichzeitig sagen aber 80 Prozent der Befragten, dass sich ihre Energiepreise für Strom und Gas massiv erhöht hätten. Laut Stefan Spiegelhofer zahle jeder zu viel, der keine Angebote vergleicht.

So verlangen etwa die großen Energieanbieter der Bundesländer gegenwärtig bis zu 40 Prozent mehr als Alternativanbieter – unter anderem, weil sie Preissenkungen nur mit großer Verzögerung an ihre Kunden weitergeben.

EVN-Preis bleibt hoch

In Niederösterreich kostet die Kilowattstunde Strom im günstigsten Fixpreis-Tarif der EVN inklusive Mehrwertsteuer aktuell über 15,6 Cent. Im Vergleich dazu liegen die Angebote der Alternativanbieter, die auch eine Preisgarantie beinhalten, in günstigen Fällen bei 12 Cent – die Mehrwertsteuer bereits inkludiert.

Spiegelhofer rechnet aus: EVN-Kunden, die zum derzeit günstigsten Alternativanbieter wechseln, sparen für das nächste Jahr auch ohne Wechselbonus bis zu 198 Euro. Wer beim Wechsel unsicher sei, der erhalte Unterstützung von durchblicker.at – neben dem einfachen Online-Tarifwechsel bietet das Vergleichsportal kostenlose Telefonberatung an.

{title && {title} } agh, {title && {title} } 16.07.2025, 05:15
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