Bei einem Angriff im Westjordanland haben palästinensische Schützen am Freitag zwei israelische Soldaten getötet. Soldaten erschossen die Angreifer, teilten die Behörden mit. Drei weitere Soldaten wurden nahe Hebron im Süden des Westjordanlands verletzt. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu drohte daraufhin mit einer großen Militäroffensive – nur wenige Tage vor der Wahl in Israel.
Der Angriff ereignete sich inmitten zunehmender Attacken israelischer Siedler und einer allgemeinen Zunahme der Gewalt in dem Gebiet. Seit den von der Hamas angeführten Angriffen im Jahr 2023 ist die Region im Krieg. Netanyahu besuchte den Ort des Angriffs. Seine rechtsgerichtete Koalition könnte nach der Wahl am Dienstag ihre Mehrheit verlieren. Der Ministerpräsident kündigte an, das Militär werde Palästinenser aus einem Viertel in Hebron vertreiben, aus dem die Angreifer seiner Aussage nach gekommen seien.
Er verglich das geplante Vorgehen mit den verheerenden israelischen Militäreinsätzen in zwei palästinensischen Flüchtlingslagern im Jahr 2025. Damals wurden Zehntausende Palästinenser vertrieben. Human Rights Watch bezeichnete die Vertreibungen als Kriegsverbrechen. Israel weist diesen Vorwurf zurück. "Genau das werden wir hier tun", sagte Netanyahu. "Wir werden die Bewohner evakuieren, von Haus zu Haus gehen und dort auch die Waffen beschlagnahmen. Alle terroristischen Einrichtungen werden beseitigt und zerstört."
Nach Netanyahus Aussagen beobachtete ein Reuters-Reporter, wie israelische Bulldozer nahe dem Ort des Schusswechsels mit dem Abriss von Häusern in Hebron begannen. Anrainer sagten, die Häuser hätten nichts mit den Angreifern zu tun. Das israelische Militär reagierte zunächst nicht auf eine Anfrage.
Die Gewalt eskaliert wenige Tage vor der israelischen Wahl am 27. Oktober. Umfragen zufolge dürften sowohl Netanyahu als auch sein wichtigster Herausforderer, der frühere Militärchef Gadi Eisenkot, eine Mehrheit im Parlament verfehlen. Unter Netanyahus Regierung wurden die Siedlungen rasch ausgeweitet. Die Vereinten Nationen und die meisten Staaten halten sie für völkerrechtswidrig. Israel bestreitet das.
In den vergangenen Wochen haben radikale Siedler ihre Angriffe auf Palästinenser während der jährlichen Olivenernte verstärkt. Dabei wurden mindestens drei Palästinenser getötet und Dutzende weitere verletzt – darunter Journalisten, europäische Diplomaten und ein französischer Bürgermeister.
Auch palästinensische Schützen haben in den vergangenen Monaten israelische Soldaten und Zivilisten angegriffen. Im September erschoss ein Schütze einen Israeli bei einer Quelle nahe einer Siedlung im Westjordanland. Der mutmaßliche Täter wurde später festgenommen.