Im Kampf gegen die Teuerung im Lebensmittelbereich hat die Bundesregierung die Mehrwertsteuer auf ausgewählte Grundnahrungsmittel von zehn Prozent auf 4,9 Prozent gesenkt – ein Herzensprojekt von Vizekanzler Andreas Babler (SPÖ).
Für den Handel ergab sich dadurch jedoch ein enormer Aufwand. Neben den bürokratischen Erfordernissen waren umfangreiche Anpassungen in den Warenwirtschafts-, Kassen- und Abrechnungssystemen der Handelsunternehmen erforderlich. Kleinere Nahversorger mussten teils teure, neue Kassen anschaffen.
Einer der Betroffenen ist auch Franz Kohout, der das Feinkostgeschäft "Zum Greisslaa" in Oberlaa im 10. Wiener Gemeindebezirk betreibt. Der Greißler wandte sich nun mit einer Wut-Mail direkt an den Vizekanzler. Darin sparte Kohout keinesfalls mit Kritik an der Regierungsmaßnahme.
Der Unternehmer erzählte, dass er der einzige Nahversorger neben der örtlichen Volksschule sei und täglich Schüler und Anrainer mit Frühstück, Jause und anderen Schmankerln versorge. Sein Tag beginne demnach schon um 5.30 Uhr. Er habe also genügend Arbeitsstunden, was er sich als Selbstständiger auch selbst ausgesucht habe. Hier wolle sich der Greißler auch nicht beschweren. Anders sieht es jedoch mit der nunmehrigen Mehrwertsteuersenkung aus.
Diesbezüglich ließ er Babler seinen Unmut spüren. "Wenn ich dann die von Ihnen und Ihren Regierungskollegen beschlossene, in meinen Augen und in den Augen fast aller meiner Kunden UNNÖTIG KOMPLIZIERTE MWSt. Regelung umsetzten MUSS, dann sind das erstens ZUSÄTZLICHE, UNNÖTIGE Kosten und zweitens ZUSÄTZLICHE, UNNÖTIGE Arbeitszeit, welche ich nicht bereit bin, kostenlos durchzuführen", so Kohout.
Des Weiteren lieferte der Greißler auch inhaltliche Kritik an der Regierungsmaßnahme: "Alleine schon der Umstand, dass ein und der selbe Artikel ZWEI verschiedene Steuersätze hat, ist an Unvermögen ja schon nicht mehr zu übertreffen. SCHILDA lässt grüßen."
Die für ihn entstandenen Kosten möchte der Greißler jedoch nicht an seine Kunden weitergeben. Diese könnten nämlich nichts dafür, "wenn unausgegorene Entscheidungen getroffen werden". Zur Gänze möchte Kohout aber nicht alleine auf den Kosten hängen bleiben. Also stellte er sie Babler kurzerhand in Rechnung.
"Da jedoch niemand in diesem Lande gezwungen werden sollte, OHNE BEZAHLUNG zu arbeiten, erlaube ich mir, IHNEN, als Verursacher und irgendwie auch Auftraggeber der unnützen Beschäftigung die entstandenen Kosten in Rechnung zu stellen", betonte der Greißler.
Die Summe, die Kohout dem Vizekanzler nun in Rechnung stellt, beträgt insgesamt 372 Euro. Der Greißler bat Babler um "zeitnahe Überweisung". Ob der Vizekanzler auf diese Forderung tatsächlich eingeht, bleibt unklar.