Der Frauenanteil der SPÖ im Nationalrat beträgt 39 Prozent. Damit liegt die Sozialdemokratie im Mittelfeld aller fünf Parlamentsparteien. An der Spitze: die Grünen mit 56 Prozent. Schlusslicht: die FPÖ mit knapp 23 Prozent.
Frauenministerin Eva-Maria Holzleitner bezeichnet die Frauenquote ihrer Partei trotzdem als "dramatisch". Und sie präsentiert auch gleich ein Gegenrezept – das sicher für einige Aufregung sorgen wird.
"Die SPÖ muss Frauen stärker darin unterstützen, in Führungspositionen zu gelangen – und das nicht erst, wenn der Karren aus dem Dreck gezogen werden muss", so Holzleitner im Interview mit der Wochenzeitung "Falter". "Insgesamt beginnt das Problem bei allen Parteien aber bereits bei der Listenerstellung für Wahlen."
Genau da will die Ministerin ansetzen: "Deshalb würde ich gerne perspektivisch das Wahlrecht ändern. Wenn eine Partei antreten will, muss eine bestimmte Prozentzahl an Listenplätzen mit Frauen besetzt sein. Über die Höhe dieser Quote muss man diskutieren."
Andere Länder hätten bereits solche Quoten und damit gute Erfahrungen gemacht, sagt die SPÖ-Politikerin.
Eine der Ursachen für geringe Frauenquoten in der Politik könnte aber auch sein, dass die Politik kein angenehmer Ort für Frauen ist, gesteht Holzleitner ein. "Politik ist definitiv kein streichelweicher Ort für Frauen. Auch ich erhalte unzählige Hassnachrichten, Hassbotschaften, bösartige E-Mails. So geht es Frauen aus allen Parteien."
Eine Quote auf Wahllisten reicht der Frauenministerin aber nicht aus. Sie fordert eine solche auch bei Unternehmensvorständen. "Quotenfrau ist kein Schimpfwort. Frauen haben mittlerweile häufiger Hochschulabschlüsse als Männer, sind also bestens qualifiziert. Aber Männernetzwerke funktionieren nach wie vor so gut, dass Karrieremöglichkeiten für Frauen vielfach verbaut werden. Deshalb bin ich absolut der Überzeugung, dass Quoten auch in Vorstandsebenen über kurz oder lang notwendig sind."