Am Mittwoch begeht Österreich den Equal Pay Day – den Tag, ab dem Frauen nicht mehr gratis arbeiten. In anderen Worten: Österreichs Frauen müssen 42 Tage länger für ihren Lohn arbeiten als Männer. Heuer ist das Equal Pay Day zwei Tage früher als letztes Jahr, was auf eine leichte Besserung hindeutet.
Im Vergleich zu Männern verdienen Frauen in Österreich durchschnittlich um 11,5 Prozent weniger. Um 0,7 Prozent ist der sogenannte Gender Pay Gap – also der durchschnittliche Verdienstunterschied zwischen Männern und Frauen – im letzten Jahr kleiner geworden. Geht man davon aus, dass die Lücke in Zukunft jährlich um 0,7 Prozentpunkte sind, würde sich die Lohn- und Gehaltsschere zwischen ganzjährig und in Vollzeit beschäftigten Frauen und Männern erst im Jahr 2043 schließen.
Laut Frauenministerin Eva-Maria Holzleitner (SPÖ) würden die Zahlen zur Einkommenssituation von Frauen und Männern weiterhin eine große Lohnschere in Österreich zeigen. "Dass Frauen auch 2026 statistisch gesehen noch immer weit über einen Monat ohne Bezahlung arbeiten, ist ein untragbarer Zustand. Gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit muss endlich zur Selbstverständlichkeit werden. Fortschritte sind zwar sichtbar, aber sie passieren zu langsam. Hier müssen wir im Sinne der Frauen effizienter und schneller werden", so die SP-Ministerin.
Holzleitner verweist unter anderem auf die Umsetzung und Weiterentwicklung der Lohntransparenz-Richtlinie: "Durch klare Maßnahmen, wie etwa Lohntransparenz, kann sich die Situation für Frauen rasch verändern. Ökonomische Unabhängigkeit ist die zentrale Voraussetzung für Gleichstellung. Der Equal Pay Day ist Auftrag, Einkommensgerechtigkeit konsequent voranzutreiben."
Nur ein Drittel des Gehaltsunterschieds ist mit Faktoren wie Teilzeit, Branche oder Beruf zu erklären. Der Rest? "Hier liegt die Vermutung nahe, dass es sich bei einem großen Teil um direkte Lohndiskriminierung handelt: Frauen verdienen für den gleichen oder einen vergleichbaren Job weniger als der Kollege im Betrieb", kritisiert Renate Anderl, Präsidentin der Arbeiterkammer (AK).
Sie fordert eine "zeitgerechte und wirksame" Umsetzung der EU-Entgelttransparenzrichtlinie. Damit müssen Entlohnungssysteme in Betrieben offengelegt werden – sodass auch klar ersichtlich ist, welche Prämien, Boni und Zulagen es gibt und nach welchen Kriterien diese zuerkannt werden. Aus dem Arbeitsministerium heißt es: "Die Umsetzung der Entgelttransparenz-Richtlinie für die Privatwirtschaft ist aktuell Gegenstand intensiver Verhandlungen."