Gehaltsunterschiede bekämpfen

Mehrheit begrüßt EU-Richtlinie für Lohn-Striptease

Eine neue EU-Richtlinie soll mehr Transparenz bei Gehältern bringen. Die Hälfte der Österreicher begrüßt deren Umsetzung, ein Drittel lehnt das ab.
Heute Politik
15.06.2026, 05:15
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben

Es waren heftige Meinungsunterschiede in der Regierung, schließlich gab es einen Alleingang von Arbeits- und Sozialministerin Korinna Schumann (SPÖ): die Umsetzung der sogenannten "EU-Lohntransparenzrichtlinie".

Betrifft Unternehmen ab 100 Mitarbeitern

Betroffen davon sind alle Unternehmen ab 100 Mitarbeitern. Firmen mit 100 bis 249 Arbeitnehmern müssen künftig alle drei Jahre einen Einkommensbericht veröffentlichen. Ab 250 Mitarbeitern wird ein solcher sogar jedes Jahr fällig. Das sieht der Entwurf von Schumann für die Umsetzung der Richtlinie vor.

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen

Details zu Durchschnittsgehältern

Angegeben werden müssen die Anzahl an Männern und Frauen je Arbeitnehmergruppe und das Durchschnittsgehalt von Männern und Frauen in der jeweiligen Gruppe im Kalenderjahr. Ebenso vorgesehen: ein individuelles Auskunftsrecht über die individuelle Entgelthöhe sowie das Durchschnittsgehalt der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die gleiche oder gleichwertige Arbeit verrichten.

Transparenz bei Einstiegsgehältern

Zudem muss in Stellenausschreibungen beziehungsweise vor dem Einstellungsgespräch bei Initiativbewerbungen das Einstiegsgehalt bzw. dessen Spanne bekanntgegeben werden. So sollen sich Bewerber auf die Gehaltsverhandlungen vorbereiten können.

Verwaltungsstrafen geplant

Sanktionen bei Verstößen gegen die Richtlinie sind in Form von Verwaltungsstrafen vorgesehen. Für diese gibt es aber eine "Schonfrist" von einem Jahr.

Was sagen die Österreicher?

Aber was halten die Österreicher von diesen Maßnahmen? Das fragte "Unique Research" für "Heute" 500 Personen ab 16 Jahren (maximale Schwankungsbreite: ±4,4 Prozent, Befragungszeitraum 8. bis 11. Juni 2025). Das sind die Antworten:

Relative Mehrheit dafür

49 Prozent der Befragten begrüßen die Richtlinie als Schritt zur Abschaffung von Gehaltsunterschieden von Männern und Frauen. 32 Prozent lehnen sie ab, befürchten mehr Bürokratie. Das war auch ein Hauptargument von Wirtschaft, Industrie und der ÖVP gegen die Umsetzung. 19 Prozent haben sich noch keine abschließende Meinung gebildet oder machten keine Angabe.

Größte Unterstützung bei Grün-Wählern

Anhänger der Grünen können sich am meisten mit der Richtlinie anfreunden. Gleich 80 Prozent von ihnen befürworten die Umsetzung der Vorschrift. Lediglich acht Prozent sind dagegen.

Auch SPÖ-Fans überwiegend positiv

Ebenfalls ein klares Bild zeigt sich bei SPÖ-Wählern. Sie befürworten die Maßnahme. zu 62 Prozent, 19 Prozent lehnen sie dagegen ab.

Schwarze und pinke Mehrheiten knapper

Auch bei Neos- und ÖVP-Wählern spricht sich eine Mehrheit für die Richtlinie aus. Bei den Anhängern der pinken Partei überwiegt die Zustimmung aber nur um neun Prozentpunkte.

Nur FPÖ-Fans richtig skeptisch

Blau-Wähler halten die Richtlinie zu 50 Prozent für falsch. Anfreunden damit können sich nur 33 Prozent.

Frauen positiver

Bei weiblichen Befragten sprechen sich 52 Prozent für und 28 Prozent gegen die Umsetzung aus. Bei Männern sind es 47 bzw. 37 Prozent. Der Anteil von Unentschlossenen ist bei Frauen etwas höher.

Älteste am negativsten

Bei Jungen und 30- bis 59-Jährigen überwiegt die Zustimmung klar. Personen ab 60 Jahren sind skeptischer. Sie halten die Richtlinie zu 45 Prozent für gut, 38 Prozent sind gegenteiliger Meinung.

Unterschiede nach Bildungsniveau

Eindeutig unterschiedlich beurteilt wird die Transparenz-Maßnahme nach Bildungsniveau. Bei Befragten mit Matura sind 61 Prozent dafür und nur 30 Prozent dagegen. Bei Personen ohne Matura beträgt das Verhältnis 45 bzw. 33 Prozent. Bei letzteren sind die Unentschlossenen mit 22 deutlich mehr als bei Personen mit Matura.

Und was sagt der Experte?

Wie beurteilt Meinungsforscher und Politik-Experte Peter Hajek diese Ergebnisse? "Die Österreichinnen und Österreicher stehen der EU-Lohntransparenz mehrheitlich positiv gegenüber. Knapp jeder Zweite sieht darin einen richtigen Schritt, um ungerechtfertigte Gehaltsunterschiede zwischen Frauen und Männern sichtbar zu machen", sagt er im "Heute"-Gespräch.

Gleichzeitig zeige sich aber auch eine deutliche Skepsis: Ein Drittel befürchtet vor allem mehr Bürokratie für Unternehmen – und jeder Fünfte hat sich dazu noch keine Meinung gebildet. "Es ist also noch einiges im Fluss", analysiert Hajek.

„Das Ziel gleicher Bezahlung kommt in der Bevölkerung an.“
Peter HajekMeinungsforscher und Politik-Experte, "Unique Research"

"Politisch verläuft die Trennlinie klar: Grün- und SPÖ-Wähler unterstützen die Regelung besonders stark, FPÖ-Wähler lehnen sie mehrheitlich ab", so der Experte weiter. Interessant sei auch der Bildungsunterschied: Personen mit Matura sehen die Lohntransparenz deutlich positiver als jene ohne Matura. Hajek: "Insgesamt gilt: Das Ziel gleicher Bezahlung kommt in der Bevölkerung an, die konkrete Umsetzung muss aber so erfolgen, dass sie nicht als zusätzlicher bürokratischer Ballast wahrgenommen wird."

{title && {title} } pol, {title && {title} } Akt. 15.06.2026, 09:11, 15.06.2026, 05:15
Jetzt E-Paper lesen